Eine Hercules C-130K der israelischen Luftwaffe nach der Ankunft auf dem Fliegerhorst Nörvenich bei Köln.  | Bildquelle: dpa

Kampfjets landen in Nörvenich Israelisches Militär übt in Deutschland

Stand: 17.08.2020 10:23 Uhr

Am Fliegerhorst Nörvenich sind 200 israelische Luftwaffen-Angehörige für gemeinsame Übungen mit der Bundeswehr und eine NATO-Übung eingetroffen. Geplant ist auch ein Besuch der KZ-Gedenkstätte Dachau.

Von Kai Clement, ARD-Hauptstadtstudio

Die Luftwaffe hat bereits am Donnerstag getwittert: "Die ersten israelischen Soldaten der israelischen Luftwaffe sind in Nörvenich beim Team Luftwaffe mit einer C130 angekommen."

Es ist eine Premiere: Erstmals werden israelische Kampfjets nach Deutschland verlegt. Und es ist zugleich ein Gegenbesuch, denn die deutsche Luftwaffe hat schon an Übungen in Israel teilgenommen. Am Fliegerhorst Nörvenich bei Köln werden sechs F-16 Maschinen erwartet, zwei militärische Boeing 707 zur Betankung sowie zwei Passagiermaschinen. Heute beginnen dann die gemeinsamen Übungen.

Arne Collatz-Johannsen vom Verteidigungsministerium sagt: "Wir freuen uns über diese Möglichkeit, nachdem auch die deutsche Luftwaffe mehrfach an Übungen in Israel teilgenommen hat."

NATO-Übung mit Ungarn

Mit den Flugzeugen kommen rund 200 israelische Luftwaffen-Angehörige nach Deutschland. In der ersten Woche geht es bei der Übung "Blue-Wings-2020" um eine rein israelisch-deutsche Zusammenarbeit. In der Folgewoche werden die Israelis in eine NATO-Übung zusammen mit Ungarn eingebunden.

"Die Fähigkeiten und Erfahrungen der israelischen Kräfte für den militärischen Bereich sind von herausgehobener Bedeutung für die taktische Aus- und Weiterbildung der fliegenden Verbände der Luftwaffe", so Collatz-Johannsen.

Fähigkeiten und Erfahrungen - das heißt auch: Die israelische Luftwaffe ist immer wieder im Einsatz. Erst vergangenen Freitag erneut gegen die radikalislamische Hamas-Organisation im Gaza-Streifen. Oder in Syrien bei Angriffen auf pro-iranische Milizen.

Besuch in KZ-Gedenkstätte Dachau

Die Treffen haben aber nicht nur eine militärische Seite. Der Dienstag steht ganz im Zeichen des Gedenkens. Geplant sind Besuch und Kranzniederlegung in der KZ-Gedenkstätte Dachau.

Die Zusammenarbeit der Streitkräfte und das gemeinsame Gedenken seien ein wichtiges Zeichen, so Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Verteidigungsexpertin der FDP: "Wir haben eine gemeinsame Geschichte, die tragischerweise die dunkelste ist. Umso wichtiger, dass wir die Zukunft zusammen angehen."

Luftwaffen-Inspekteur Ingo Gerhartz erklärt, das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte sei heute Auftrag, Antisemitismus mit aller Konsequenz zu bekämpfen.

Auch Gedenken an München 1972

Zudem wird ein Passagierflugzeug mit einer israelischen Delegation den Fliegerhorst Fürstenfeldbruck mit je zwei israelischen und deutschen Kampfjets im Geleit überfliegen. Dort kam es 1972 zu den Schusswechseln zwischen den Münchner Olympia-Geiselnehmern und Sicherheitskräften - alle israelischen Geiseln, ein Polizist und fünf Terroristen wurden damals getötet.

"Das Attentat 1972 in München, an das ich mich noch sehr gut erinnere, war ein Alptraum, auch für Deutschland. Wir haben es bei den Olympischen Spielen nicht vermocht, die israelischen Sportler vor Terror zu schützen", so Strack-Zimmermann. Hans-Dietrich Genscher, der damalige Innenminister, habe damals die GSG9 gegründet, damit so etwas in Deutschland nicht mehr möglich ist.

Israelische Jets zu Übung und Gedenken in Deutschland
Kai Clement, ARD Berlin
17.08.2020 09:08 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 17. August 2020 um 12:10 Uhr.

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Kai Clement, WDR

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