Wahlplakate von Anke Rehlinger und Tobias Hans | REUTERS
Analyse

Landtagswahl im Saarland Wer wählte was warum?

Stand: 27.03.2022 23:11 Uhr

Die Spitzenkandidaten gaben den Ausschlag im Rennen zwischen CDU und SPD. Doch welche Themen standen im Mittelpunkt? Und welche Wählenden sorgten für den Wechsel im Saarland? Eine Analyse auf Basis der Zahlen von infratest dimap.

Von David Rose, tagesschau.de

Der SPD-Sieg im Saarland ist ein Erfolg von Anke Rehlinger. Die Hälfte der SPD-Wählenden gibt an, sich vorrangig wegen der Spitzenkandidatin für die Sozialdemokraten entschieden zu haben - das ist einer der höchsten Werte, die je bei einer Landtagswahl in Deutschland erreicht wurden. Mehr als zwei Drittel der Saarländer und Saarländer sind zufrieden mit ihrer Arbeit der vergangenen Jahre. Bei einer Direktwahl der Ministerpräsidentin hätten sich 53 Prozent für sie entschieden und nur 29 Prozent für Amtsinhaber Tobias Hans von der CDU.

Bild: Zufriedenheit mit der Landesregierung

Bild: Direktwahl Ministerpräsident/in

Rehlinger gelang es als Wirtschaftsministerin, das Profil der Sozialdemokraten auszubauen. In allen wichtigen Politikbereichen ist die SPD im Saarland nun die Partei, der die Wahlberechtigten am häufigsten die besten Lösungen zutrauen - selbst in klassischen CDU-Kompetenzfeldern. Mit der Arbeit der SPD in der Großen Koalition im Saarland zeigt sich denn auch eine Mehrheit von 58 Prozent zufrieden - die Arbeit der CDU in der Regierung wird dagegen nur von 38 Prozent positiv bewertet. 57 Prozent wünschen sich für die kommenden fünf Jahre eine Landesregierung unter Führung der Sozialdemokraten.

In allen Altersgruppen stieg die SPD zur stärksten Kraft auf. Besonders auffällig ist: Bei den Wählern über 60 Jahre erreicht sie einen Stimmenanteil von 49 Prozent - 19 Prozentpunkte mehr als bei der Wahl 2017. Ein Faktor bei dieser Entwicklung dürfte gewesen sein, dass die SPD vor dieser Wahl eine Koalition mit der Partei Die Linke explizit ausgeschlossen hat. 78 Prozent der Wahlberechtigten über 65 Jahre loben diese Entscheidung ausdrücklich.

Bilderstrecke

SPD aus Wählersicht

Kompetenzwerte der CDU sinken dramatisch

Die Stärke der SPD korrespondiert mit der Schwäche der CDU. Diese litt in erheblichem Maße unter der geringen Popularität von Ministerpräsident Hans. Zwei Drittel werfen ihm vor, seinen Corona-Kurs zu oft geändert zu haben. Nur 45 Prozent sind mit seiner Arbeit zufrieden und ebenso wenige meinen, dass er verstehe, was die Menschen im Saarland bewegt - für einen amtierenden Regierungschef ein auffällig niedriger Wert. Nicht einmal jeder Zweite im Saarland hält ihn für einen guten Ministerpräsidenten. Und weniger als jeder Vierte schätzt ihn als kompetenter, führungsstärker und glaubwürdiger ein als die SPD-Spitzenkandidatin Rehlinger.

Das hat auch Folgen für die Wahrnehmung der CDU im Saarland. Nur noch 22 Prozent der Wahlberechtigten sehen sie als Partei, die die wichtigsten Aufgaben des Bundeslandes am besten lösen kann. Das sind nicht einmal halb so viele wie bei der Wahl 2017. Nur noch 25 Prozent trauen der CDU am ehesten zu, die Wirtschaft voranzubringen - vor fünf Jahren waren es noch doppelt so viele. Und nur 22 Prozent glauben, die CDU könne am besten neue Arbeitsplätze schaffen - ein Minus von 20 Prozentpunkten. Das ist im Ergebnis für die Partei auch deshalb so folgenschwer, weil Arbeitsplätze von den Wählenden am häufigsten als wahlentscheidendes Thema genannt werden.

Die Verluste der CDU ziehen sich durch alle Alters- und Bevölkerungsgruppen. Die stärksten Einbußen verzeichnet die Union bei den Wählenden ab 60 Jahre - dort sinkt ihr Stimmenanteil um ein Drittel. Zudem wandten sich diesmal vor allem Angestellte und Beamte von der CDU ab.

Bilderstrecke

CDU aus Wählersicht

Die Linke verliert bei allen

Auch bei der Linkspartei ziehen sich die Verluste durch alle Bevölkerungsgruppen. Bei den Wählenden über 45 Jahre verliert Die Linke zweistellig - ebenso wie bei traditionellen Unterstützergruppen wie den Arbeiterinnen und Arbeitern.

Der Parteiaustritt des langjährigen Zugpferds Oskar Lafontaine macht sich deutlich bemerkbar. Mit ihm an der Spitze würden viel mehr Menschen Die Linke wählen, ist eine Mehrheit im Land überzeugt. Mit der Arbeit der aktuellen Spitzenkandidatin Barbara Spaniol sind zwar 15 Prozent zufrieden - ein deutlich besserer Wert als für das Spitzenpersonal von Grünen und FDP. Doch vier von fünf Wahlberechtigten sind vor allem der Meinung, dass Die Linke zu zerstritten sei, um ernsthaft Politik mitgestalten zu können.

Bilderstrecke

Die Linke aus Wählersicht

AfD profitiert von Unzufriedenheit

Die AfD verliert gegenüber der Wahl 2017 zwar leicht, zieht aber als drittstärkste Kraft in den Landtag ein. Am besten schneidet sie bei Männern zwischen 25 und 44 Jahren ab, wo sie zweistellige Stimmenanteile erreicht. Arbeiter und Wählende, die mit ihrer eigenen wirtschaftlichen Situation unzufrieden sind, entschieden sich besonders häufig für die AfD.

Auch bei dieser Wahl profitiert die Partei vor diesem Hintergrund vom Protest gegen die aktuelle Politik. Mehr als die Hälfte der AfD-Anhänger begründet die eigene Wahlentscheidung mit der Enttäuschung über andere Parteien. Gleichzeitig festigt die Partei aber mit ihren Schwerpunktthemen auch die eigene Basis. Denn mehr als ein Drittel wählte die AfD nach eigenen Angaben diesmal aus Überzeugung. Die Anhänger der Partei nannten dabei am häufigsten den Umgang mit Corona sowie die steigenden Preise als wahlentscheidende Themen. Allerdings sind drei von vier Wahlberechtigten im Saarland der Ansicht, dass auch die AfD viel zu zerstritten sei, um ernsthaft Politik mitgestalten zu können.

Bilderstrecke

AfD aus Wählersicht

Grünen profitieren kaum vom Bund

Die Grünen haben zwar bei den älteren Wählenden an Rückhalt gewonnen. Unter Erstwählern erreichen sie aber den größten Stimmenanteil. Auch wenn die wichtigsten Bundespolitiker der Grünen bei den Saarländern die höchsten Popularitätswerte erreichen, finden gleichzeitig 75 Prozent der Wahlberechtigten, dass der Partei im Saarland geeignetes Personal fehle, um mitregieren zu können. Zwei Drittel sind zudem der Ansicht, dass die Partei im Land zu zerstritten sei, um ernsthaft Politik mitgestalten zu können.

Auch wenn den Grünen bei der Energiepolitik traditionell hohe Kompetenzwerte zugeschrieben werden, kann die Partei im Saarland davon kaum profitieren. Sie schneidet trotz der hohen bundesweiten Aktualität des Themas in diesem Punkt deutlich schlechter ab als 2017. Denn eine Mehrheit im Saarland ist der Auffassung, dass sich die Grünen zu wenig um die Sicherheit der Energieversorgung kümmern.

Bilderstrecke

Grüne aus Wählersicht

FDP fehlt geeignetes Personal

Die FDP schafft den Einzug in den Landtag nicht. Ihr gelingen zwar Zugewinne in einigen Bevölkerungsgruppen. Besonders gut schneiden die Liberalen bei Selbstständigen und jungen Männern ab. Es gelingt der Partei dabei, auch Unzufriedene zu mobilisieren. 44 Prozent der FDP-Wählenden geben an, sich aus Enttäuschung über andere Parteien für die Liberalen entschieden zu haben.

Die Liberalen stärken aber auch ihr Profil - auch dank der Schwäche der CDU. Neun Prozent trauen ihr die besten Lösungen zu, wenn es darum geht, die Wirtschaft voranzubringen. Das sind drei Mal so viele wie 2017. Auch bei der Sicherung und Schaffung von Arbeitsplätzen sowie in der Verkehrspolitik punktete die FDP mit ihren Konzepten. Allerdings sagt eine Mehrheit, dass die FDP im Saarland kein geeignetes Personal habe, um mitzuregieren.

Bilderstrecke

FDP aus Wählersicht

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 27. März 2022 um 23:00 Uhr.