Ein Flakpanzer vom Typ "Gepard" fährt auf dem Truppenübungsplatz in Munster (Niedersachsen).  | dpa
Überblick

Ukraine-Krieg Diese Waffen will Deutschland liefern

Stand: 03.06.2022 09:58 Uhr

Panzerhaubitzen, Flugabwehr-Systeme und womöglich auch Raketenwerfer: Es ist nicht leicht, bei den angekündigten Waffenlieferungen den Überblick zu behalten. Was wurde eigentlich bisher zugesagt - und für wann?

Von Kai Küstner, ARD-Hauptstadtstudio

Das ist eine echte Rarität: Sogar der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk findet auf einmal lobende Worte für den Kanzler. Weil der im Bundestag eine ganze Reihe von Ankündigungen über die Lieferung schwerer Waffen machte: "Deutschland muss sich da nicht verstecken", widerspricht Olaf Scholz der wochenlangen Kritik an der deutschen Lieferpraxis.

Kai Küstner ARD-Hauptstadtstudio

Dabei ist eins auch klar: Noch hat kein einziges System aus deutschen Beständen, das in die Kategorie "schwere Waffen" fällt, das Kriegsgebiet erreicht. Was aber ist bislang versprochen?

Das Luftabwehrsystem Iris-T SLM

Es könnte ukrainischen Städten Schutz vor russischen Angriffen unter anderem durch Flugzeuge, Hubschrauber oder auch Kurzstreckenraketen bieten. Der Kanzler lobt Iris-T als das "modernste Flugabwehrsystem, über das Deutschland verfügt". Die Bundeswehr selbst besitzt das System nicht, es käme also aus Industriebeständen. Laut Außenministerin Annalena Baerbock kann die Lieferung allerdings mehrere Monate dauern.  

Raketenwerfer Mars II | dpa

Raketenwerfer Mars II: Die Reichweite der Munition beträgt mehr als 80 Kilometer. Bild: dpa

Der Mehrfachraketenwerfer Mars II

Hier herrscht noch etwas Verwirrung: Die USA hatten nach langem Zögern angekündigt, die Ukraine mit Mehrfachraketenwerfern zu versorgen. Nun redet Deutschland mit den US-Amerikanern darüber, was es selbst beitragen kann. Berichte, dass die Bundeswehr vier Raketenwerfer vom Typ Mars II liefern werde und das möglichst bis Ende Juni, bestätigt man offiziell nicht. Die Systeme müssten von der Truppe selbst kommen.

Die Frage ist: Auf wie viele kann die Bundeswehr wirklich verzichten? Bekommt die Ukraine diese Waffe tatsächlich, würde ihre Feuerkraft dadurch massiv erhöht: Laut Bundeswehr kann das Mars-II-System bis zu zwölf Raketen innerhalb von 55 Sekunden abschießen, die Reichweite beträgt je nach Munition bis zu 84 Kilometer.  

Das Ortungsradar COBRA

Zwar sprach Kanzler Scholz im Bundestag - ohne Namen zu nennen - nur von einem Ortungsradar, das die Ukraine bekommen werde. Dass es sich um das COBRA-System handeln dürfte, steht aber außer Zweifel: Es kann feindliche Raketen- und Artillerie-Stellungen ausfindig machen sowie Flugbahnen von anfliegenden Geschossen berechnen. Auch das Hochwert-Radar käme von der deutschen Industrie. Ein genaues Lieferdatum kann derzeit noch niemand nennen.

Panzerhaubitze 2000 | dpa

Panzerhaubitze 2000: Die auf bewegliche Kettenpanzer montierte Haubitze muss erst mal in die Ukraine transportiert werden. Bild: dpa

Die Panzerhaubitze 2000

Die Ausbildung der ukrainischen Soldaten an diesem schweren Artilleriegeschütz, das auf bewegliche Kettenpanzer montiert ist, läuft. Sie soll in wenigen Tagen abgeschlossen sein. Dann müssen die insgesamt zwölf Haubitzen, man gemeinsam mit den Niederländern liefert, allerdings noch sicher in die Ukraine gelangen. Was durchaus eine Herausforderung ist.

Flugabwehrpanzer Gepard | dpa

Flugabwehrpanzer Gepard: Die Ukraine braucht Geduld - erst ab Mitte Juli sollen die ersten Flakpanzer geliefert werden. Bild: dpa

Der Flugabwehrpanzer Gepard

Zugesagt sind sie seit Ende April, doch auf die Geparden muss die Ukraine noch eine Weile warten: Erst ab Mitte Juli sollen die ersten 15 von der Bundeswehr ausgemusterten Flakpanzer geliefert werden. Vorher wird instandgesetzt und auch mit Hilfe der Bundeswehr ausgebildet. Kritiker hatten beklagt, das System sei zu kompliziert und die zugesagten 59.000 Schuss Munition viel zu wenig. Ob es gelingt, davon mehr zu beschaffen, ist noch fraglich.

Die Ringtausch-Planungen

Der Ukraine direkt Kampf- oder Schützenpanzer zu liefern, scheut die Bundesregierung bislang. Die Debatte darüber tobt seit Wochen. Vorgesehen ist stattdessen, dass NATO-Partner etwa den Schützenpanzer Marder und den Kampfpanzer Leopard aus deutschen Beständen erhalten - als Entschädigung für die Abgabe von Panzern sowjetischer Bauart. Mit Slowenien, Tschechien und neuerdings auch Griechenland ist ein solcher Ringtausch bereits vereinbart. Mit Polen gab es zuletzt allerdings Streit: Deutschland habe die versprochenen Leoparden nicht geliefert, beklagte Staatspräsident Andrzej Duda.

Auch nach den jüngsten Zusagen des Kanzlers, hält die Diskussion um deutsche Waffenlieferungen an. So forderte der ukrainische Parlamentspräsident Ruslan Stefantschuk am Donnerstag bei seinem Besuch in Berlin die Lieferung deutscher Leopard- und Marder-Panzer in die Ukraine.

 

 

Über dieses Thema berichtete BR24 am 03. Juni 2022 um 12:20 Uhr.