Laschet und Söder | picture alliance / SvenSimon
Analyse

CDU und CSU vor Wahlkampf Zu Geschlossenheit verdammt

Stand: 20.06.2021 16:07 Uhr

Die zerstrittene Union war gestern - in diesen Tagen bemühen sich CDU und CSU um maximale Geschlossenheit. Nun geht es um das gemeinsame Wahlprogramm. Und statt gestichelt wird jetzt geschwärmt.

Von Vera Wolfskämpf, ARD-Hauptstadtstudio

Es ist erst zwei Monate her, dass sich die Union im internen Machtkampf aufgerieben hat. Die zwei Parteichefs kämpften schonungslos um die Kanzlerkandidatur und scheuten nicht, ihre eigenen Vorzüge und die vermeintlichen Nachteile des Gegners herauszukehren.

Vera Wolfskämpf ARD-Hauptstadtstudio

CSU-Chef Markus Söder präsentierte sich als der modernere Kandidat für die Zukunft und als Umfragekönig, der innerhalb der Union, aber auch bei der Wählerschaft die größere Zustimmung gewinnen könnte. CDU-Chef Armin Laschet wollte mit Kontinuität punkten, mit seinem verlässlichen Charakter und als der bessere Teamplayer.

Risse taten sich auf, nicht nur zwischen den Schwesterparteien, sondern auch innerhalb der CDU.

Am Ende ging es knapp gut aus - für Laschets Kandidatur und für den Zusammenhalt der Schwesterparteien, weil die CSU und Söder zähneknirschend einlenkten. Nicht ohne Söder noch zum "Kandidaten der Herzen" auszurufen. In München herrschte spürbar Verstimmung, aus Berlin kam umso nachdrücklicher der Appell, die Union möge geschlossen in den Wahlkampf gehen. Söder jedenfalls beteuerte, er stehe an Laschets Seite und werde ihn "ohne Groll und mit voller Kraft unterstützen".

Inzwischen ist rein äußerlich von Unfrieden kaum mehr etwas zu bemerken, auch wenn etwa bei der Mütterrente nach wie vor Uneinigkeit herrscht. Aber ohne Groll? Das nimmt die Politikwissenschaftlerin Ursula Münch dem unterlegenen CSU-Chef nicht ganz ab. Die Direktorin der Akademie für Politische Bildung in Tutzing hat den Eindruck, dass Söder sich noch nicht so ganz damit abgefunden habe und dass er nach wie vor gelegentlich stichele:

Dieses Hadern weckt natürlich gewisse Zweifel, auch an Armin Laschet, der ohnehin Schwierigkeiten hat, Menschen wirklich zu mobilisieren und von sich tatkräftig zu überzeugen.

Das liefere auch Angriffsfläche für den politischen Gegner. Zudem hätten die Zerwürfnisse zu Verunsicherung bei CDU und CSU geführt, sagt Münch. Die würde jedoch weniger, seit sich die Umfragewerte wieder verbessern.

Für die Union wird es also Zeit, selbstbewusster in den Wahlkampf zu starten. Wenn CDU und CSU am Montag ihr Wahlprogramm vorstellen, erwartet Politikwissenschaftlerin Münch keine zugespitzten Positionen. Die Union werde versuchen, eine große Breite in der Bevölkerung anzusprechen, Optimismus zu verbreiten und vor allem keine Angriffspunkte zu geben.

Digitale Mitmach-Kampagne

Um es möglichst vielen recht zu machen, startete die CDU sogar eine digitale Kampagne: 5000 Menschen brachten sich laut Parteizentrale mit ihren Vorschlägen ein. Für das Wahlprogramm seien das wichtige Impulse gewesen, sagt Generalsekretär Paul Ziemiak. Der CDU-Politiker nennt ein Beispiel: Viele hätten sich im Bereich Familie engagiert, ihre Erfahrungen aus der Corona-Krise geteilt, was bei der Kinderbetreuung und der Bildung besser laufen müsse.

CSU-Generalsekretär Blume schwärmt

Auf das gemeinsame Wahlprogramm von CDU und CSU konnten sich die beiden Schwesterparteien leichter einigen als auf den Kanzlerkandidaten. "Die Zusammenarbeit hat wirklich Spaß gemacht", schwärmt CSU-Generalsekretär Markus Blume. "Das kann man nicht bei jedem Wahlprogramm sagen, aber bei diesem war das definitiv der Fall."

Als Stimmungsaufheller diente auch die Wahl in Sachsen-Anhalt, wo die CDU unerwartet stark mit 37,1 Prozent gewann. Generalsekretär Ziemiak schlussfolgert daraus: "Wenn es um die Themen geht und die Union geschlossen ist, dann können wir jede Wahl sehr gut meistern." Auch für Blume gibt es nur zwei Erfolgsrezepte: Geschlossenheit und Entschlossenheit:

Wir wollen nach 16 Jahren Angela Merkel das Kanzleramt verteidigen und das schaffen, was in der Geschichte der Republik noch nie gelungen ist: einen Übergang zum nächsten Kanzler hinzubekommen. Da sind wir mit Armin Laschet gut aufgestellt und ich sage deutlich: Armin Laschet kann sich auf die ganze Union von CDU und CSU verlassen.

Kein Selbstläufer gegen die Grünen

Letztlich seien CDU und CSU zu äußerer Geschlossenheit verdonnert, so sieht es die Politikwissenschaftlerin Münch. Denn für die Bundestagswahl gebe es mit den Grünen einen ernstzunehmenden Gegner, gerade auch für Direktmandate in den Städten:

Das ist kein Selbstläufer für die Unions-Direktkandidaten wie das - vor allem in Bayern - bis jetzt war.

Selbst wenn alte Verletzungen noch schmerzen mögen, die Sticheleien sollte sich die CSU im Wahlkampf also besser verkneifen. Denn für einen erfolgreichen Bundestagswahlkampf braucht es wohl die ungeteilte Kraft der Union. Oder, wie Söder es formulierte: "Mit dem Schlafwagen" werden sie nichts ins Kanzleramt rollen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 20. Juni 2021 um 16:00 Uhr.