Rednerpult in Schloss Bellevue | AFP
Analyse

Unterstützung für Steinmeier Warum die Union nicht um Bellevue kämpft

Stand: 05.01.2022 16:08 Uhr

Die Union verzichtet auf eine eigene Kandidatin oder einen Kandidaten für Schloss Bellevue - wohl auch mangels Erfolgsaussichten. Offenbar ist ihnen dies aber nicht ganz leicht gefallen.

Von Sabine Henkel, ARD-Hauptstadtstudio

Es hat den Anschein, als wollten sie es möglichst schnell hinter sich bringen: Armin Laschet, der gescheiterte Kanzlerkandidat in Berlin und Markus Söder, der gescheiterte Möchte-Gern-Kanzlerkandidat in München, erklären ihre Unterstützung für Frank-Walter Steinmeier getrennt voneinander.

Sabine Henkel ARD-Hauptstadtstudio

Die Niederlage bei der Bundestagswahl haben sie noch nicht verdaut, doch müssen sie sich gemeinsam für die nächste Wahl positionieren und haben nichts zu gewinnen. Sie stehen vor der Entscheidung, den Kandidaten von SPD, FDP und Grünen mitzutragen oder einen eigenen, aber chancenlosen Kandidaten oder eine Kandidatin für das Bundespräsidialamt zu benennen. Keine angenehme Situation für die stolze Volkspartei.

Laschet hat es eilig

Laschet, der normalerweise konsequent zu spät kommt, will das so eilig hinter sich bringen, dass er sehr kurzerhand sein Pressestatement vorzieht, sodass es nur zwei Journalistinnen rechtzeitig ins Konrad-Adenauer-Haus schaffen. "In unserer heutigen gemeinsamen Sitzung der Präsidien waren wir uns einig, dass wir Frank-Walter Steinmeier unterstützen werden", erklärt er.

CDU und CSU haben sich also entschieden, den Kandidaten der anderen mitzutragen. Offenbar ist ihnen das nicht leicht gefallen - aus welchen Gründen auch immer. Möglich, dass das Machtvakuum im Konrad-Adenauer-Haus dazu beigetragen hat: Laschet ist Vorsitzender auf Abruf, Friedrich Merz noch nicht offiziell im Amt.

Auch müssen CDU und CSU sich erst noch daran gewöhnen, Oppositionsparteien ohne Machtoption zu sein. Hendrick Wüst, noch neu im Amt als Ministerpräsident in Nordrhein-Westfalen, kennt diesen Phantomschmerz nicht und hatte im Vorfeld unverblümt laut über eine eigene Kandidatin für die Bundespräsidentenwahl nachgedacht. Ein Versuch das Image der Männerpartei abzuschütteln.

Angebot an die Grünen

Es war aber auch ein Angebot an die Grünen - wohl wissend, dass eine feministische Partei es nicht gut heißen kann, neben dem Kanzleramt auch das Bundespräsidialamt in Männerhand zu geben. Die Grünen ziehen es aber vor, den Koalitionsfrieden zu wahren und mit SPD und FDP Steinmeier zu unterstützen. Also geht auch die Union mit. "Vorausgegangen ist eine Empfehlung", ordnet Söder ein. "Eine Empfehlung der Parteivorsitzenden und insbesondere auch eine Rücksprache von Friedrich Merz und mir und dann auch Armin Laschet, dass wir unseren Parteien das empfehlen."

Söder, Merz und dann auch Laschet: Ein Schelm, wer Böses bei der genannten Reihenfolge denkt. Aber Söder wäre nicht Söder würde er nicht auch in der Union geeignete Kandidaten für das höchste Staatsamt sehen. "Es gäbe eine Reihe von hervorragenden Persönlichkeiten in der Union, auch in der CSU, die geeignet wären für diese Aufgabe, aber weil es eben so ist, dass wir soviel Veränderung haben, braucht es Stabilität und von der Politik Souveränität."

Die Begründung für die Steinmeier-Entscheidung von Söder und Laschet klingt beinahe identisch. Beide setzen auf Kontinuität, sehen Steinmeier als den Kandidaten, der für Zusammenhalt sorgen kann, aber auch als den Kandidaten, der in der Großen Koalition vor fünf Jahren auch ihr Kandidat war. "Gerade in diesen Zeiten braucht es eine Stimme, die zusammenführt und nicht ausgrenzt", sagt Laschet.

Nach wenigen Minuten haben Laschet und Söder gesagt, was sie sagen mussten. Es dürfte wohl die letzte gemeinsame Stellungnahme von Laschet und Söder gewesen sein.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 05. Januar 2022 um 11:00 Uhr.