Fast fertig gestellte Neubauten eines städtischen Wohnungsbauunternehmens. | picture alliance/dpa

Bau von Sozialwohnungen Günstiger Wohnen - für viel Geld

Stand: 14.01.2022 13:34 Uhr

100.000 Sozialwohnungen pro Jahr will die Bundesregierung bauen. Das Bündnis "Sozialer Wohnen" warnt: Das sei nur realistisch, wenn deutlich mehr investiert werde.

Von André Kartschall, rbb

450.000 Wohnungen fehlen in Deutschland. So steht es in der Studie "Bezahlbarer Wohnraum 2022", verfasst durch das Pestel-Institut und in Auftrag gegeben von einem Bündnis aus Mietervertretern, Sozialverbänden und Bauwirtschaft.

Andre Kartschall

Sie sind sich einig: Der Grund für die Wohnungsknappheit liegt in einer Fehleinschätzung begründet. Noch vor 15 Jahren sei die damalige Bundesregierung der Meinung gewesen, die Einwohnerzahl werde kontinuierlich sinken, Wohnungen seien genug vorhanden und Deutschland daher eigentlich "fertig gebaut". Eine Fehlkalkulation, denn die Bevölkerung stieg sogar leicht an - vor allem durch Zuwanderung.

Nun müssten wirklich dringend mehr Wohnungen gebaut werden - und auch mehr Sozialwohnungen, so das Bündnis.

Mangel in Ballungsräumen

Während in weiten Teilen Ostdeutschlands eine vergleichsweise entspannte Situation herrscht, verschärft sich die Knappheit in Großstädten und im wirtschaftlich starken Süden Deutschlands immer mehr. "Ständig steigende Mieten sind die Antwort des Marktes auf diesen Mangel. Und den letzten beißen gewissermaßen die Hunde", sagt Lukas Siebenkotten vom Deutschen Mieterbund dazu. Das lässt auch die Sozialausgaben steigen. Die Kosten der Unterkunft für Langzeitarbeitslose in Süddeutschland liegen inzwischen um bis zu 45 Prozent über denen von 2015. Für die fehlenden Sozialwohnungen bezahlt der Staat also indirekt durch höhere Mietzuschüsse. Die angespannte Lage am Wohnungsmarkt kommt die öffentlichen Kassen also so oder so teuer zu stehen.

Ende der Wohnungsknappheit bis 2025?

400.000 neue Wohnungen pro Jahr, davon 100.000 Sozialwohnungen - mit den aktuellen Zielen der Bundesregierung ist das Bündnis "Sozialer Wohnen" zufrieden. "Wir haben die Chance, bis 2025 die Wohnungsknappheit weitgehend abzubauen", sagt Matthias Günter, Vorstand des Pestel-Instituts, das die Studie verfasst hat. Doch um die Ziele zu erreichen, brauche es deutlich mehr Geld als bislang. Denn die Teuerungsraten auf dem Bau liegen deutlich über der allgemeinen Inflationsrate. Den Subventionsbedarf für Sozialwohnungen beziffert das Bündnis auf mindestens fünf Milliarden Euro.

Kostenfaktor Klimaschutz

Doch laut Studie könnten es auch 8,5 Milliarden sein - und zwar, wenn die neuen Sozialwohnungen nach hohen Energieeffizienzstandards errichtet würden. Neubauten in Deutschland sollen ihren Beitrag zur Erreichung der nationalen Klimaschutzziele leisten. Das kostet Geld, für Dämmung, effiziente Heizungen, bessere Fenster. "Klimaschutz ist auch gut so, aber das ist eben nicht geschenkt", sagt Dietmar Walberg von der Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen, die auch Mitglied im Bündnis ist. Wie energieeffizient die Sozialwohnungen am Ende sein werden, ist noch offen - und damit auch die Kostenfrage.

Bauen - aber wo?

Eine Frage beantwortet die Studie nicht im Detail: Wo sollen die Wohnungen gebaut werden? Denn in den Brennpunkten des Wohnungsmangels steigen die Preise für Bauland seit Jahren. Es gibt kreative Ideen, wie der begrenzte Platz effizienter genutzt werden kann. Supermärkte nicht mehr eingeschossig bauen, sondern mit Wohnungen darüber, Büros in Wohnungen verwandeln, Dachgeschosse ausbauen oder gleich mehrere Etagen auf bestehende Häuser drauf setzen. Doch diese Ansätze dürften nur Tropfen auf den heißen Stein bleiben.

Sozialwohnungen in Berlin | picture alliance / Bildagentur-o

Berlin kämpft seit Jahren gegen den Notstand. Bild: picture alliance / Bildagentur-o

Berlin, das eine der niedrigsten Leerstandsquoten in Deutschland hat, kämpft seit Jahren gegen den Notstand. Die öffentlichen Wohnungsgesellschaften der Stadt haben den politischen Auftrag, zu bauen, wo es nur geht. 50 Prozent der Neubauten sind dabei stets Sozialwohnungen.

Im Osten der Stadt, mit seinen großen Plattenbaugebieten, geht man nun einen neuen Weg: Die alten Wohnblöcke sollen einfach aufgestockt werden. In einem Pilotprojekt werden auf Häuser des Typs WBS70 - klassischer DDR-Plattenbau - zwei bis drei neue Etagen aufgebaut. Das Verfahren hat große Vorteile: "Wir nutzen bestehende Infrastruktur und wir entwickeln den Bestand weiter", sagt Ulrich Schiller, Geschäftsführer der landeseigenen Gesellschaft HOWOGE.

Die Pilotprojekte könnten ein Modell für den Bestand sein, jedoch eines mit begrenztem Potenzial. Mehr als 73.000 Wohnungen hat die HOWOGE, 15.000 weitere in Planung. Das Potenzial durch Dachaufstockungen liegt nach ersten Schätzungen gerade einmal bei 800 Einheiten. "Die große Lösung für das Berliner Wohnungsproblem wird es nicht sein - aber ein wichtiger Baustein", sagt Schiller. Der Mangel an Wohnungen, insbesondere für Geringverdiener, scheint sich nicht einfach beseitigen zu lassen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 14. Januar 2022 um 14:00 Uhr.

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Moderation 14.01.2022 • 19:41 Uhr

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