Horst Seehofer | AFP

Aufnahme afghanischer Ortskräfte Seehofer sieht "moralische Verantwortung"

Stand: 19.08.2021 20:33 Uhr

Bundesinnenminister Seehofer will afghanische Ortskräfte und ihre Familien so bald wie möglich nach Deutschland holen. Dies sei eine "moralische Verantwortung". Insgesamt wurden bislang mehr als 1000 Menschen ausgeflogen.

Bundesinnenminister Horst Seehofer hat sich ausdrücklich zur Aufnahme der afghanischen Ortskräfte und ihrer Familien bekannt. Er versicherte nach seinem Auftritt im Innenausschuss des Bundestages:

Es ist vollkommen unbestritten, dass die Ortskräfte und ihre Familienangehörigen nach Deutschland kommen sollen und dass es dafür auch eine moralische Verantwortung gibt.

Gleichzeitig hob er die Möglichkeit hervor, Visaverfahren und Sicherheitsüberprüfung auch erst nach der Einreise der Betroffenen durchzuführen. Seehofer räumte ein, dass dies ein gewisses Sicherheitsrisiko beinhalte, betonte aber: "Wenn man hier eine Lösung will, dann muss man dieses Risiko eingehen." Zudem sei die notwendige Sicherheitsüberprüfung keine Sache von Tagen oder Wochen, sondern lediglich von Sekunden.

Prognose zur Zahl der Flüchtlinge nicht möglich

Eine Prognose darüber, mit wie vielen afghanischen Flüchtlingen wegen der Machtübernahme der Taliban insgesamt zu rechnen sei, wollte er nicht geben. Die Bandbreite der Schätzungen gehe von einigen Tausend Menschen bis zu einigen Millionen, so Seehofer. Er warnte in diesem Zusammenhang vor einem Vertrauensverlust in westliche Werte:

Die westliche Gemeinschaft ist in Afghanistan gescheitert. Wenn jetzt die westliche Gemeinschaft und die Europäische Union, die ich hier besonders erwähnen möchte, auch bei der Folgenbewältigung scheitert, dann hätten wir ein riesiges Vertrauensproblem in unsere Wertegemeinschaft.

Bundesländer bereit für Aufnahme von Afghanen

In Deutschland gibt es eine große Bereitschaft, die Ortskräfte aufzunehmen. So sagte der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Thomas Strobl (CDU), die Bundesländer wollen den Bund bei der Aufnahme unterstützen. "In den Ländern gibt es die große Bereitschaft, sich dieser Menschen dann anzunehmen", sagte der baden-württembergische Ressortchef.

Evakuierungsflüge laufen

Die Bundeswehr brachte bislang mehr als 1200 Menschen aus Kabul auf den Weg nach Deutschland. In Kabul starteten am Donnerstagabend mehrere Bundeswehr-Maschinen in Richtung Usbekistan.

Insgesamt wurden bereits 244 deutsche Staatsbürger aus Afghanistan ausgeflogen - weit mehr als ursprünglich erwartet. Und immer noch könnten sich mehrere Hundert im Land aufhalten. Auf der Krisenliste des Auswärtigen Amts hat sich inzwischen "eine mittlere dreistellige Zahl" Deutscher registriert, wie die Deutsche Presse-Agentur aus dem Ministerium erfuhr.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 19. August 2021 um 14:00 Uhr.