Schulkinder laufen in einer Gruppe an einer Bushaltestelle vorbei. | dpa

Omikron und Unterricht Bleiben Schulen offen?

Stand: 05.01.2022 14:18 Uhr

Die Zahl der Omikron-Fälle steigt auch in Schulen. Wie kann der Unterricht nun weiter stattfinden? Die Kultusminister sind sich einig: Schulschließungen soll es nicht geben. Aber ist das realistisch? Ein Überblick.

Die Ausgangslage

In einigen Bundesländern hat der Schulunterricht bereits begonnen, in anderen enden die Weihnachtsferien nächste Woche. Und wieder stellt sich die Frage: Präsenzunterricht, Distanzunterricht, irgendwas dazwischen? Flächendeckende Schulschließungen wie im vergangenen Jahr will kaum jemand mehr, sie sind nach derzeitiger Rechtslage auch nicht möglich.

Etliche Kultusbehörden haben aber die Präsenzpflicht für Schülerinnen und Schüler ausgesetzt. Doch verbreitet sich die hochansteckende Omikron-Variante rasch - ist der Schulbetrieb also in den nächsten Wochen verantwortbar? Die Formel lautet derzeit: Schulen sollten so lange wie möglich auf bleiben, Schließungen könnten aber nicht ausgeschlossen werden.

Welche Schutz- und Hygieneregeln gelten an Schulen?

Schnelltests, Maskenpflicht, Lüften. Mit Blick auf die Omikron-Variante wurden vielerorts die Maßnahmen weiter verschärft. Beispiel Hamburg. Hier sind seit diesem Mittwoch die rund 200.000 Schülerinnen und Schüler wieder im Präsenzunterricht. Zu den Schutzmaßnahmen gehören nach Angaben der Schulbehörde in den ersten beiden Schulwochen nach Ferienende drei Tests pro Woche, danach wöchentlich zwei Tests.

Darüber hinaus dürfen Beschäftigte Schulen nur betreten, wenn sie geimpft, genesen oder getestet sind. Außerdem gelte weiterhin in allen Schulgebäuden eine Maskenpflicht. Klassenräume müssen alle 20 Minuten für fünf Minuten gelüftet werden. Zudem stehen in rund 90 Prozent aller mehr als 11.000 Unterrichts- und Fachräume mehr als 21.000 mobile Luftfilter.

Was sagt die Bundesbildungsministerin?

Bildung ist bekanntlich Ländersache, daher bleiben der Bundesbildungsministerin lediglich Appelle. Und Hilfszusagen, um den Schulbetrieb aufrecht zu erhalten: "Wir unterstützen als Bund mit allem, was notwendig ist, um das zu ermöglichen," versprach Bettina Stark-Watzinger. Die Schulen seien durch Testen, Maskentragen und Hygienemaßnahmen "weitgehend sichere" Orte". Präsenzunterricht sei eine Frage der "Chancengerechtigkeit", so die FDP-Politikerin auch mit Blick auf das Bundesverfassungsgericht, das jüngst das Recht auf Bildung noch einmal unterstrichen hatte.

Was wollen die Länder?

Die Kultusministerkonferenz (KMK) dürfte bei ihren Gesprächen heute wohl ein erneutes Bekenntnis zu offenen Schulen ablegen. Konkrete Beschlüsse sind nicht zu erwarten, jedes Bundesland entscheidet am Ende selbst.

KMK-Vorsitzende ist seit Jahresbeginn die CDU-Politikerin und Bildungsministerin aus Schleswig-Holsteins Bildungsministerin, Karin Prien. Sie sprach sich klar gegen erneute Schulschließungen aus. Deutschland habe bisher auf Kosten der Schulkinder die Corona-Pandemie bekämpft. Während hierzulande an über 180 Tagen die Schulen geschlossen oder im eingeschränkten Betrieb gewesen seien, seien es in Frankreich 50 Tage und in Schweden rund 30 Tage gewesen. "Das dürfen wir so nicht weitermachen." 

Die Einschätzung, dass der Schulbetrieb verantwortbar sei, begründete die KMK-Vorsitzende auch mit dem nach Ferienende in allen Bundesländern strengeren Testregime, mit konsequenten Hygienebedingungen wie dem Tragen von Masken über alle Schularten und Klassenstufen hinweg sowie einem klaren Lüftungskonzept.

Zur Debatte stehen aber vereinfachte Quarantäneregeln auch an Schulen. Hessens Kultusminister Alexander Lorz, Koordinator für die CDU-regierten Länder in der KMK, forderte mit Blick auf den am Freitag anstehenden Corona-Krisengipfel von Bund und Ländern eine Entscheidung zur Reduzierung der Quarantänezeiten. "Denn die Schulen zählen mit bundesweit elf Millionen Schülerinnen und Schülern sowie 800.000 Lehrkräften für mich zur kritischen Infrastruktur, die jetzt besonders geschützt werden muss", sagte der CDU-Politiker der dpa.

Was sagen Bildungsverbände?

Die Bildungsgewerkschaften wollen offenbar die Schulen offen halten, schließen aber auch keine weitere Maßnahmen aus. Unterricht in Präsenz sei erste Wahl, "aber auch nicht um jeden Preis", sagte etwa die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Maike Finnern, zu n-tv. Und: "Ganz ehrlich, es werden nicht alle Schulen aufbleiben können. Das muss man deutlich so sagen."

Ähnlich äußerte sich der Vorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann. "Der VBE spricht sich weiter dafür aus, den Präsenzunterricht aufrechtzuerhalten, aber eben nicht um jeden Preis."

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, fordert hingegen einen Notfallplan. "Jetzt einfach zu sagen, es ist alles prima, wir haben die Lage im Griff, die getroffenen Maßnahmen reichen aus, wird nicht ausreichen."

Wie sieht es konkret in einzelnen Bundesländern aus?

Es ist, wie so häufig in der Pandemie: unübersichtlich. Flächendeckende Schulschließungen sind nach Änderungen am Infektionsschutzgesetz durch die Ampel-Parteien auch nicht mehr möglich. Thüringen musste deshalb seinen Plan zurückziehen, im ganzen Freistaat mit Distanzunterricht ins neue Jahr zu starten. Nun wird es den Schulen selbst überlassen, wie sie vorgehen wollen.

Auch in Mecklenburg-Vorpommern sollen die Schulen selbst entscheiden. Das Bildungsministerium in Schwerin hat einen Drei-Stufen-Plan erstellt. Die Einrichtungen sollen immer am Donnerstag mit Blick auf die aktuelle Personallage festlegen und Eltern, Schulträger und Schulämter informieren, ob es in der kommenden Woche Unterricht in voller Präsenz (Phase 1), mit wechselnden Gruppen bei älteren Schülern (Phase 2) oder auch Distanzunterricht (Phase 3) gibt.

Auch in Brandenburg, Berlin, Sachsen, Rheinland-Pfalz, im Saarland und in Hamburg öffneten die Schulen wieder ihre Türen. In Berlin gilt - außer für geimpfte Schüler - zunächst eine tägliche Testpflicht. Die andere Hälfte der Bundesländer nimmt den Schulbetrieb nach derzeitiger Planung in der kommenden Woche wieder auf.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 05. Januar 2022 um 10:00 Uhr.

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