Passanten gehen durch eine Innenstadt | picture alliance / dpa

VdK-Studie zu Renten Härter arbeiten, weniger Rente, kürzer leben

Stand: 16.08.2021 18:39 Uhr

In Deutschland gibt es große Unterschiede, wer wieviel von seinem Ruhestand hat. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie im Auftrag des Sozialverbands VdK. Beamte sind gleich mehrfach im Vorteil.

Von Andre Kartschall, RBB

Beamte leben länger. Und das nach einem Arbeitsleben, in dem sie weniger stark belastet sind als andere Bevölkerungsgruppen. Das sei zumindest im Durchschnitt so, befindet eine neue Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) im Auftrag des Sozialverbands VdK.

Andre Kartschall

Demnach haben Beamte aktuell eine Lebenserwartung von 87,2 Jahren - mehr als Angestellte, Selbstständige und vor allem Arbeiter, die mit 83,1 Jahren am schlechtesten abschneiden.

Weniger Leben, weniger Rente

Hinzu kommt, dass Arbeiter - aufgrund eines geringeren Einkommens - im Durchschnitt auch mit weniger Geld in ihrem kürzeren Ruhestand auskommen müssen. Das sei "doppelt ungerecht", findet der VdK. Der Verband fordert daher ein flexibles Renteneintrittsalter, gestaffelt nach Schwere der Tätigkeit und der Höhe der Rente. Einen festen Zeitpunkt für den Renteneintritt mit 67 Jahren lehnt der VdK ab.

Die Studie zeige eines sehr deutlich, sagt die Verbandspräsidentin Verena Bentele: "Gerade wer in körperlich oder psychisch herausfordernden Berufen arbeitet, schafft es nicht, noch länger zu arbeiten, und muss Abschläge in Kauf nehmen. Da lässt sich die Schraube nicht noch fester anziehen."

Viele Arbeitnehmer die in Berufen arbeiten, die als besonders belastend eingestuft wurden, verdienen weniger Geld, erhalten weniger Rente und haben eine kürzere Lebenserwartung. Die unterste Einkommensgruppe lebt dabei im Durchschnitt fast fünf Jahre weniger als die höchste: 82,6 statt 87,5 Jahre.

Andere sollen länger arbeiten

Die Autoren der Studie schlagen vor, dass besonders belastete Arbeitnehmer in Zukunft eher in Rente gehen dürfen - ohne finanzielle Einbußen. Das müsste finanziert werden, vor allem durch andere Beitragszahler. Peter Haan vom DIW sagt, "dass die Beitragssätze in der Sozialversicherung ansteigen müssten, der Bundeszuschuss könnte angehoben werden. Und natürlich muss man auch drüber nachdenken, ob man durch eine Erhöhung des Renteneintrittsalters für Leute, die eben länger leben können und länger arbeiten können, das gegenfinanzieren kann."

Die Studie fällt in die Zeit des Bundestagswahlkampfes, in dem die Rentenpolitik auch Thema ist. An der gesetzlich festgeschriebenen Einführung der Rente mit 67 will grundsätzlich nur Die Linke rütteln. Grüne und SPD planen nur in Ausnahmefällen davon abzuweichen. Da aber auch die Union bereits Gesprächsbedarf für einen groß angelegten "Rentenkompromiss" für die Zeit nach der Wahl angekündigt hat, ist damit zu rechnen, dass eine neue Regierungskoalition an dem Thema prinzipiell nicht vorbeikommt.

VdK kritisiert höhere Beamtenpensionen

Besonders das Thema der Beamtenpensionen haben VdK und DIW wieder in den Fokus genommen. Denn die Altersbezüge der Pensionäre seien deutlich höher als die von Rentnern - und das bei gleichen Bezügen im Arbeitsleben. VdK-Chefin Bentele rechnet vor: "Bei einem Verdienst von 31.872 Euro im Jahr muss eine Angestellte 45 Jahre bis 67 arbeiten, um eine gesetzliche Rente von 1058 Euro zu erhalten. Eine Beamtin mit demselben Einkommen muss nur 40 Jahre bis 67 arbeiten und darf sich dann über eine Pension von 1902 Euro freuen. Das ist fast das Doppelte."

Daher sollen laut VdK in Zukunft alle Erwerbstätigen - also auch Beamte und Selbstständige - in eine gemeinsame Altersvorsorge einzahlen. Das würde das System gerechter machen, so der Verband.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 16. August 2021 um 18:00 Uhr.

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