Airbus A310 MedEvac | picture alliance/dpa

Kleeblatt-System aktiviert Luftwaffe fliegt Corona-Patienten aus

Stand: 26.11.2021 15:22 Uhr

Die Luftwaffe verlegt erstmals Covid-19-Patienten innerhalb Deutschlands, um Kliniken in bestimmten Regionen zu entlasten. Am Nachmittag soll eine spezielle Maschine sechs Schwerkranke von Bayern nach Nordrhein-Westfalen ausfliegen.

Angesichts der eskalierenden Coronalage hilft die Bundeswehr heute erstmals, Intensivpatienten in Deutschland überregional zu verlegen. Ein Airbus A310 MedEvac soll am Nachmittag vom Flughafen bei Memmingen abheben, um Schwerkranke zum Flughafen Münster-Osnabrück in Nordrhein-Westfalen zu bringen, teilte die Luftwaffe mit. Die Ankunft der Maschine ist demnach für den frühen Abend geplant.

Das Bundeswehr-Flugzeug hat sechs Intensivbehandlungsplätze an Bord. Wie ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Berlin vor Journalisten sagte, entspricht dies auch der Zahl der Patienten, die bei dem Verlegungsflug an Bord sein sollen.

Notfallplan früh entwickelt

Die Bundeswehr hilft damit erstmals dabei, Krankenhäuser in Regionen mit besonders vielen Corona-Patienten zu entlasten. Die Luftwaffe hält zwei Flugzeuge für den Hilfseinsatz bereit. Dazu gehören der Airbus A310 MedEvac sowie eine umgerüstete Spezialmaschine, das Überwachungsflugzeug A319OH. In dieses waren zwei Plätze zur Intensivbehandlung eingebaut worden. Daneben steht in Wunstorf noch ein Transportflugzeug vom Typ A400M bereit, das für medizinische Evakuierungsflüge ausgerüstet ist.

Die Bundesländer hatten wegen der zunehmenden Überlastungen ihrer Kliniken jüngst das sogenannte Kleeblatt-Konzept aktiviert. Dieser Notfallplan war bereits in einer früheren Phase der Coronapandemie entwickelt worden: Wenn in einzelnen Regionen der Kollaps von Krankenhäusern droht, können Covid-19-Patienten in andere Landesteile verlegt werden, wobei diese jeweils zu Kleeblättern zusammengefasst sind.

Südosten besonders betroffen

Da vor allem Thüringen, Bayern und Sachsen von der vierten Corona-Welle betroffen sind, müssen von dort mehr als 50 Patienten ausgeflogen werden. Neun Bundesländer haben sich bereit erklärt, die Schwerkranken aufzunehmen.

Weltärztebund-Chef Frank Ulrich Montgomery plädierte dafür, Patienten nicht nur innerhalb Deutschlands, sondern auch in Kliniken in anderen EU-Ländern zu verlegen. Diese "systematische Verlegung von Covid-Patienten ins Ausland" müsse sofort eingeleitet werden, um deutsche Krankenhäuser zu entlasten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 26. November 2021 um 15:00 Uhr.