Carsten Linnemann, Vorsitzender der Mittelstands- und Wirtschaftsunion der CDU/CSU und stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, steht vor einem Wahlplakat | dpa

Carsten Linnemann Der junge Merz

Stand: 30.10.2021 03:55 Uhr

Carsten Linnemann gilt in der CDU als Teamplayer. Aber auch als einer, dem der letzte Biss fehlt. Nun wird er als ein Anwärter für den Parteivorsitz gehandelt. Doch lässt ihn die Partei auch?

Von Kristin Schwietzer, ARD-Hauptstadtstudio

Er ist ein Macher, aber keiner, der die Macht um jeden Preis will. Carsten Linnemann geht es auch um Zusammenhalt, die berühmte Geschlossenheit in der Union. Im Notfall in den Dienst der Partei stellen - viele in der CDU finden gerade das sympathisch. Vor allem bei den Jüngeren ist Linnemann beliebt.

Kristin Marie Schwietzer ARD-Hauptstadtstudio

Beim "Deutschlandtag" der Jungen Union in Münster vor zwei Wochen war das hinter den Kulissen deutlich zu spüren. Linnemann sei der Kandidat der Herzen. Ob er will? Vielleicht.

Die Frage ist, ob er sich auch aus der Deckung wagt. Das Profil, das sie in der Partei gerade suchen, hätte er. Jung, modern, unverbraucht und konservativ. In der Partei gilt Linnemann oftmals als der "neue Merz".

Keiner, der allein in die Offensive geht

Doch anders als Merz ist Linnemann keiner, der allein in die Offensive geht. Kein Solist - ein echter Teamplayer sagen seine Unterstützer. Ihm fehle der letzte Biss, auch nach der Krone zu greifen, sagen ebenfalls Unterstützer. Wenn man mit jenen redet, die sich Linnemann in einer führenden Rolle der Partei vorstellen können, dann hört man schnell Sätze wie diesen. "Ein guter Typ, aber fraglich, ob er auch springen wird."

Dabei hat Linnemann durchaus eine Vorstellung davon, wie er die Partei oder die Fraktion neu aufstellen würde. Immer ein Ohr an der Basis - das hat ihm auch trotz schlechtem Wahlergebnis ein Direktmandat gesichert. Bodenständig und bürgernah. Beim Skat, sagt er von sich selbst, bekäme er den Kopf frei.

Kein Draufhauer

Beim Joggen tankt er Energie auf. Linnemann ist kein Draufhauer, keiner, der breitbeinig sein Revier verteidigt. Linnemann gilt als Fachpolitiker mit klarem Kompass. Dass er auch führen kann, zeigt sein Standing in der Mittelstandsunion. Der mächtige Wirtschaftsflügel der Partei wird seit Jahren von Linnemann angeführt. Unter Angela Merkel fühlten sie sich oftmals zu selten gehört.

Linnemann hat es trotzdem geschafft, das Gesicht der Wirtschaftsliberalen in den eigenen Reihen zu werden. Ob er Chancen hat, in Zukunft eine größere Rolle zu spielen, wird auch davon abhängen, wieviel Geduld die Partei hat.

Lässt sie sich und nimmt sie sich die Zeit, einen Parteichef aufzubauen oder drückt der Schuh schon im nächsten Jahr? Vier Landtagswahlen stehen bevor, zu denen die CDU wieder liefern will und muss. In Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und im Saarland gilt es, Ministerpräsidenten zu verteidigen.

Wer ist am ehesten als CDU-Vorsitzender geeignet?

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Schlechte Karten bei Mitgliederbefragung

Die Kreisvorsitzenden könnten schon an diesem Samstag einen Vorgeschmack darauf geben, in welche Richtung die Reise gehen wird. Bei einer Mitgliederbefragung hätte Linnemann wohl eher schlechte Karten. Viele trauen ihm laut dem jüngsten ARD-Deutschlandtrend eben noch nicht zu, die Partei zu führen, auch nicht in den eigenen Reihen.

Da würde die Bezeichnung Generalsekretär Linnemann schon besser klingen. Auch das ist aus der CDU in den vergangenen Tagen und Wochen zu hören. Wie auch immer sich Linnemann in der zukünftigen Aufstellung der CDU selbst einsortiert. Er kann im Team spielen. Das rechnen ihm in der Partei viele hoch an.