Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet | EPA

Ex-"Bild"-Chefin berät Laschet CDU macht sich wahlkampftauglich

Stand: 09.06.2021 14:25 Uhr

Kein Programm, kaum Profil - von Wahlkampf war bei der CDU und Kanzlerkandidat Laschet bislang wenig zu spüren. Doch jetzt deutet sich der Hauch einer Offensive an. Inhaltlich und personell. Laschet holt sich eine Kommunikationsexpertin.

Während die SPD schon seit Monaten im Wahlkampfmodus ist, verharrte die CDU um ihren Kanzlerkandidaten Armin Laschet bislang im Ruhemodus. So wirkte es zumindest. Es war sogar so ruhig, dass der Verdacht aufkam, hier wolle sich einer bis zum Kanzlerlamt durchwurschteln. Kein Programm, kaum Profil - dreieinhalb Monate vor dem Ende der Ära Merkel hinkt die Union allen anderen Parteien hinterher. Eine echte Wahlkampagne für Laschet ist bislang nicht sichtbar.

40 Punkte für ein modernes Deutschland

Doch jetzt deutet sich der Hauch einer Offensive an. Mit dem Rückenwind aus Sachsen-Anhalt, langsam steigenden Umfragewerten und zugleich ersten Schwächephasen der grünen Konkurrenz erscheint der Zeitpunkt günstig. Einen ersten inhaltlichen Aufschlag legte die Unionsfraktion vor: Mit einem 40-Punkte-Programm will sie Deutschland moderner machen. "Unser Land muss einfacher, agiler, digitaler und krisenfester werden", heißt es in einem 17-seitigen Beschluss der Bundestagsfraktion. Es soll einen "App-Store für die Verwaltung" und ein Digitalministerium geben. Gesetze sollen nach den Vorstellungen der Unionsfraktion einen "Digitaltauglichkeitscheck" durchlaufen.

Das passt zu Laschets "Modernierungsjahrzehnt", das er für Deutschland ausgerufen hat. Viele Punkte, wie etwa das Digitalministerium, kommen auch schon in seinem "Zukunftspapier" vor, das er zusammen mit Jens Spahn Anfang des Jahres vorgelegt hat - damals noch als Eigenwerbung im Rennen um den Parteivorsitz. Das Zehn-Punkte-Papier ist zu der Zeit aber weitgehend unbeachtet geblieben.

Ende der Woche will die CDU konkret in die Beratungen über das Wahlprogramm einsteigen. In den vergangenen Wochen hatte die CDU sich als "Mitmachpartei" versucht und in digitalen runden Tischen über Inhalte diskutiert. Am 20. und 21. Juni sollen dann die Präsidien der Parteien über das gemeinsame Programm final entscheiden.

"Wir waren vor Bundestagswahlen immer die Letzten, wenn wir im Juni das Programm vorstellen, aber auch somit die mit dem modernsten Programm", wird Laschet von Abgeordneten aus der Fraktionssitzung zitiert.

Koch soll Laschet im Wahlkampf beraten

Doch nicht nur inhaltlich macht sich die Union wahlkampftauglich. Auch kommunikative Schwächen will die CDU künftig vermeiden und holt sich externe Verstärkung ins Konrad-Adenauer-Haus. Als Wahlkampfberaterin hat Laschet die Journalistin Tanit Koch engagiert. Die frühere Chefredakteurin der "Bild"-Zeitung soll von der Berliner CDU-Zentrale aus Laschets Wahlkampfkommunikation leiten und seine Pressearbeit koordinieren. Auch soll Koch Laschets Präsenz in den sozialen Medien ausbauen. "Wir gewinnen mit Tanit Koch eine erfahrene Journalistin und Kommunikationsexpertin - sie ist jetzt in meinem Team. Ich freue mich sehr", sagte der Kanzlerkandidat.

Tanit Koch | dpa

Die frühere "Bild"-Chefredakteurin Tanit Koch wird Wahlkampfberaterin des Unions-Kanzlerkandidaten Laschet. Bild: dpa

Laschet hatte in seiner erst kurzen Phase als Kanzlerkandidat bereits eine Reihe als unglücklich bezeichnete Auftritte absolviert, etwa in der ZDF-Talkshow "Markus Lanz". Auch sind Laschets persönliche Umfragewerte ausbaufähig. In Teilen der CDU vermisst man zudem eine Strategie für die Präsentation des Kanzlerkandidaten in sozialen Netzwerken sowie klare Botschaften.

Dass frühere Journalisten aus dem Springer-Konzern Politiker beraten, ist nicht neu: So beriet etwa der Ex-Chef der "Bild am Sonntag", Michael Spreng, den damaligen CSU-Chef Edmund Stoiber bei dessen Kanzlerkandidatur 2002.

SPD mit schriller Rhetorik

Inhaltlich und personell wappnet sich die CDU damit für einen schärfer werdenden Wahlkampf. SPD und auch Grüne sind da schon längst angekommen. Der Juniorpartner der Union verstärkte zuletzt seine Angriffe auf Unions-Minister erheblich, vor allem Jens Spahn stand im Fokus. Eine "unterdurchschnittliche Gesamtleistung" attestierte die SPD dem Gesundheitsminister. Ein eventueller Maskenskandal sorgt seit Tagen für schrille Töne in der Großen Koalition. Doch nicht nur gegen Spahn geht die SPD vor: Der Vorwurf des "Managementversagens" ging gegen Peter Altmaier und Andreas Scheuer. Die unionsgeführten Ministerien seien "bestenfalls mittelmäßig", heißt es aus der SPD.

Auch die SPD versucht, in die Offensive zu kommen. Zwar ist sie schon sehr lange im Wahlkampf, hat längst Kandidat und Programm - aber ist in den Umfragewerten meilenweit vom Kanzleramt entfernt. Absetzbewegungen von der Großen Koalition sollen nun das eigene Profil schärfen.

Grüne Kratzer

Und die Grünen? Auch die haben Probleme. Die erste Euphoriewelle ist vorüber, das Image von Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock erste Kratzer. Nachgemeldete Sonderzahlungen, Unklarheiten beim Lebenslauf werfen Fragen auf, hinzu kommen kommunikative Fehler wie bei der Benzinpreisdebatte oder Billigflügen. Am Wochenende treffen sich die Grünen zum Parteitag, um ihr Wahlprogramm endgültig festzuzurren. Hier liegt durchaus noch Konfliktpotenzial mit der grünen Basis, Stichwort Co2-Preis.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 09. Juni 2021 um 13:20 Uhr.

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Moderation 09.06.2021 • 21:21 Uhr

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