Das unbeleuchtete Humboldt-Forum in Berlin | picture alliance/dpa
Überblick

Wie Kommunen Energie einsparen Licht aus

Stand: 04.08.2022 15:06 Uhr

Das Völkerschlachtdenkmal liegt im Dunkeln, die Ampeln leuchten nachts nicht mehr, die Schwimmbäder bleiben kalt: So wollen die Kommunen Energie einsparen - ein Überblick mit Beispielen aus einigen Bundesländern.

Berlin

In Berlin gehen nachts die Lichter aus: Das Land strahlt einige seiner Wahrzeichen, wie etwa die Siegessäule, den Berliner Dom, das Humboldt-Forum, die Gedächtniskirche und das Rote Rathaus nicht mehr an. Auf rund 200 Objekte wolle das Land Berlin seinen Beleuchtungsstopp ausweiten, um Energie zu sparen. Das Licht am Schloss Bellevue und Reichstagsgebäude leuchtet nachts nur noch stark reduziert.

Selbst die Beleuchtung der Weihnachtsmärkte steht in der Hauptstadt zur Debatte. Berlins Wirtschaftssenator Stephan Schwarz (parteilos) schließt nicht mehr aus, dass sie in diesem Jahr geringer ausfallen könnte.

Mitte August will der Berliner Senat ein umfassendes Konzept zum Energiesparen vorlegen. Der Senat wolle mindestens zehn Prozent des Energieverbrauchs seiner Verwaltungen einsparen, so Schwarz. Zu klären bleibt auch die Frage, ob öffentliche Gebäude, wie Ämter und Bibliotheken in der kalten Jahreszeit offen und beheizt bleiben, damit sich Menschen hier aufwärmen können.

Sachsen-Anhalt

In Sachsen-Anhalt hat etwa der Burgenlandkreis einen Mitarbeiter eingestellt, der bei allen neuen Bauvorhaben die Art der Beheizung prüft, um nachhaltigere Lösungen zu finden. Zudem wurde eine E-Mail-Adresse eingerichtet, an die sich die Menschen mit konkreten Vorschlägen zum Energiesparen wenden können.

Im Landkreis Anhalt-Bitterfeld wird geprüft, ob sich im Herbst die Raumtemperatur in öffentlichen Gebäuden senken lässt. Im Freizeitbad Woliday in Wolfen und im Sportbad Bitterfeld wurde bereits die Wassertemperatur reduziert.

Die Stadt Halle will laut einem Bericht der "Mitteldeutschen Zeitung" bis Ende 2023 alle Lampen in den städtischen Gebäuden von Halogenleuchtstoffröhren auf LED umstellen. Außerdem wird geprüft, ob auf Gebäuden wie der Eissporthalle, der Schwimmhalle und der Feuerwehr Photovoltaikanlagen installiert werden.

Im Landkreis Wittenberg prüft die Stadt Bad Schmiedeberg, die auf Gasbasis betriebenen Blockheizkraftwerke abzuschalten. Außerdem sollen historische Häuser, wie der denkmalgeschützte Kurpavillon, im Winter nicht mehr bewirtschaftet werden.

Eissporthalle in Halle an der Saale | picture alliance / ZB

Die Eissporthalle in Halle an der Saale - bald mit Photovoltaikanlage auf dem Dach? Bild: picture alliance / ZB

Thüringen

Die Stadt Jena schaltet an 15 Gebäuden das Licht aus und will so 30.000 Kilowattstunden Strom pro Jahr sparen. Die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten verzichtet bereits seit längerer Zeit auf die Illumination ihrer historischen Gebäude.

In Erfurt berät jetzt ein Energiebeirat die Stadt, wo Potenziale für Einsparmöglichkeiten herrschen. Diskutiert wird in der Landeshauptstadt, ob auch der Krämerbrücke die nächtliche Dunkelheit droht. Die Stadt Gotha will Energie sparen, indem sie die Heizungen in einigen öffentlichen Gebäuden bis Herbst abstellt.

In Nordhausen wird über die Ferien das Warmwasser in den Turnhallen abgestellt. Und im Thüringer Landtag soll im Sommer die Kühlung und im Winter die Heizung gedrosselt werden.

Krämerbrücke in Erfurt | picture alliance / Zoonar

Krämerbrücke in Erfurt : Droht auch hier bald die nächtliche Dunkelheit Bild: picture alliance / Zoonar

Sachsen

Die Messestadt Leipzig hat einen Maßnahmenkatalog verabschiedet, der helfen soll, Energie einzusparen. Der Masterplan der Stadt umfasst vier Stufen. Die Raumtemperatur in Verwaltungsgebäuden soll auf 19 Grad gesenkt werden. Zudem bleibt die Effektbeleuchtung an 238 öffentlichen Gebäuden, Plätzen, Brücken und Gewässern nachts künftig aus.

So wird unter anderem das Neue Rathaus, die Thomaskirche, das Gewandhaus oder das Wahrzeichen der Stadt, das Völkerschlachtdenkmal, bis auf Weiteres nicht mehr angestrahlt. Laut Plan gilt aktuell die Stufe B. Sollte Stufe C in Kraft treten, wird die Stilllegung einzelner Objekte auf freiwilliger Basis in Betracht gezogen. Sollte sich die Situation noch weiter verschärfen und der Krisenfall D eintreten, käme es zu einer Priorisierung besonders schützenswerter Einrichtungen und einer Zuteilung der Versorgung durch die Bundesnetzagentur.

Um auch bei akutem Gasmangel durch den Winter zu kommen, hat die Stadt Stollberg eine Reserve von 300.000 Liter Heizöl angeschafft. Gegen die sich verschärfende Gas-Krise hat auch Chemnitz Maßnahmen festgelegt. Dazu gehören Einschränkungen in den städtischen Schwimmbädern, wie eine Absenkung der Wassertemperaturen und verlängerte Sommerschließzeiten im Saunabetrieb.

Das beleuchtete Gewandhaus in Leipzig am Abend | picture alliance / imageBROKER

Das beleuchtete Gewandhaus in Leipzig: Bis auf Weiteres wird es nicht mehr angestrahlt. Bild: picture alliance / imageBROKER

Saarland

In den Farben Blau und Gelb leuchtete der Schornstein des Heizkraftkraftwerks an der Römerbrücke in Saarbrücken seit dem Beginn des russischen Angriffskriegs. Schon aus weiter Entfernung sollte sichtbar werden: Der Betreiber Energie SaarLorLux steht solidarisch an der Seite der Ukraine. Aber um Strom zu sparen, will er das Kraftwerk in der Dunkelheit ab sofort nicht mehr anstrahlen. Auch der knapp zwei Kilometer entfernte Firmensitz in der Innenstadt bleibt nun nachts dunkel.

Kraftwerk an der Römerbrücke in Saarbrücken | picture alliance/dpa

Das Kraftwerk an der Römerbrücke in Saarbrücken: Hier die Beleuchtung vor dem Krieg Bild: picture alliance/dpa

In der kommenden Heizperiode soll zudem nicht nur die Wassertemperatur in einigen Hallenbädern fallen, sondern auch die Raumtemperatur in Verwaltungsgebäuden, Sport- und Mehrzweckhallen. Die Gemeinde Bous im Landkreis Saarlouis denkt darüber nach, Beschäftigte verstärkt ins Homeoffice zu schicken. Als weiteren Schritt sollen die öffentlichen Gebäude ihre Öffnungszeiten verkürzen.

Auch die Straßenbeleuchtung steht in den Städten und Kommunen auf dem Prüfstand. LED-Leuchten sollen vielerorts die energiefressenden Natriumlampen ersetzen. Manche Kommunen wie Wallerfangen im Landkreis Saarlouis prüfen sogar, ob Straßenleuchten gänzlich überflüssig sind. Sicher ist, dass die Kommune die Leuchtzeiten der Laternen verkürzen wird. In öffentlichen Gebäuden, beispielsweise in der Gemeinde Nalbach, auch im Landkreis Saarlouis, sollen Zeitschaltuhren und Dämmerungssensoren zudem weitere Einsparungen ermöglichen.

Rheinland-Pfalz

15 Prozent Energie wollen Land und Kommunen in Rheinland-Pfalz einsparen. In landeseigenen Gebäuden soll in den Sommermonaten das Warmwasser komplett abgestellt werden, Klimaanlagen sollen heruntergeregelt, nächtliche Außenbeleuchtung abgeschaltet werden.

Dunkler wird es von jetzt an nachts auch in vielen Städten. Öffentliche Gebäude werden nicht mehr angestrahlt, etwa in Kaiserlautern und Ludwigshafen. In Koblenz werden Kirchen und das Deutsche Eck am Zusammenfluss von Rhein und Mosel nicht mehr beleuchtet, auf den großen Durchfahrtsstraßen und an Brücken wird jeder zweite Beleuchtungshochmast abgeschaltet. Zusätzlich wird die Betriebsdauer der Lampen je um eine Viertelstunde morgens und abends reduziert - 8000 "Brennstunden" werden so täglich eingespart. Wie auch in anderen Städten sollen außerdem einige Ampeln nachts ausgeschaltet werden.

Deutsches Eck am Abend - Zusammenfluss von Rhein und Mosel in Koblenz | picture alliance / imageBROKER

Deutsches Eck am Abend - Rhein und Mosel fließen nun ohne Beleuchtung zusammen. Bild: picture alliance / imageBROKER

Einsparmöglichkeiten beim Licht gibt es nicht nur bei Gebäuden und Verkehrswegen - viele Städte haben bereits angekündigt, in diesem Jahr auf die Weihnachtsbeleuchtung zu verzichten. In Kaiserlautern ist davon unter anderem der Weihnachtsmarkt betroffen, dort müssen die Bürgerinnen und Bürger zudem auf die winterliche Eisbahn verzichten.

Auch der Landauer Oberbürgermeister Thomas Hirsch (CDU) kündigte an, die Beleuchtung in der Weihnachtszeit in jedem Fall nicht wie gewohnt installieren zu lassen. Hirsch ist auch Vorsitzender des rheinland-pfälzischen Städtetags. Die Vorgabe, 15 Prozent der Energie einzusparen, sei "nicht trivial" - alleine für die Liegenschaften seiner Stadt entspreche das dem Jahresverbrauch von 200 Einfamilienhäusern.

An der TU Kaiserslautern sollen Hörsäle und Seminarräume künftig auf maximal 20 Grad geheizt werden, die Uni Trier denkt über verkürzte Öffnungszeiten nach. Uni-Präsident Michael Jäckel, gleichzeitig Vorsitzender der Landeshochschulpräsidentenkonferenz, sagte, die Hochschulen in Rheinland-Pfalz würden sich auf Energieengpässe vorbereiten und prüfen, wie Vorlesungen, Seminare und andere Veranstaltungen mit einem möglichst effizienten Energieeinsatz gehalten werden könnten.

Nordrhein-Westfalen

Die nordrhein-westfälische Stadt Hilden hat schon vor rund einem Monat die Warmwasser-Versorgung in Schulen und öffentlichen Gebäuden abgestellt, auch die Duschen in Sportstätten sind betroffen. Das gilt zunächst bis Ende September. "Wir möchten einfach ein starkes Signal setzen und als Kommune beispielhaft vorangehen", begründete Hildens parteiloser Bürgermeister Claus Pommer diesen Schritt gegenüber dem WDR. Auch in seinem Rathaus bleibt das Wasser kalt.

Nur wenige Kilometer von Hilden entfernt, in Ratingen, hat die Stadtverwaltung schon Anfang des Jahres eine Energiesparkampagne durchgeführt. Verwaltungsmitarbeiter sollten zu energiesparendem Verhalten angeregt werden. Nach Angaben der Stadt gab in einer Umfrage rund die Hälfte der Mitarbeiter an, ihr Verhalten aufgrund der Kampagne geändert zu haben.

Ende März führte die Stadt Ratingen eine angekündigte Verbrauchsmessung in einigen öffentlichen Gebäuden durch. Die Verwaltungsmitarbeiter wurden aufgefordert in dieser Zeit, besonders auf ihren Energieverbrauch zu achten. Tatsächlich lag der Wärmeverbrauch in der Messwoche um ganze 35 Prozent niedriger als noch Anfang März, als die Stadt eine unangekündigte Messung in denselben Gebäuden durchgeführt hatte.

Allerdings war in der Messwoche die Außentemperatur wesentlich höher als in der Vergleichswoche, was das Heizverhalten beeinflusst haben dürfte. Beim Stromverbrauch betrug die Differenz zwischen beiden Wochen hingegen nur fünf Prozent.

In der 40.000-Einwohner-Stadt Hückelhoven gibt es Überlegungen, das Rathaus nur noch an vier Tagen in der Woche zu öffnen: "Der Freitag würde geschlossen bleiben, die Arbeitsstunden auf Montag bis Donnerstag übertragen", so Bürgermeister Bernd Jansen (CDU). Ob eine Schließung an Freitagen tatsächlich realisierbar ist, werde aber noch geprüft.

Karlsbrunnen in Aachen am Abend | picture alliance / blickwinkel/S

Der beleuchtet Karlsbrunnen in Aachen: Die Lichter bleiben nun aus. Bild: picture alliance / blickwinkel/S

In Aachen bleiben die Pumpen und Lichter der städtischen Brunnen nachts aus. Außerdem werden einige historische Gebäude, darunter das Rathaus, kürzer beleuchtet als bisher. Die 50 betroffenen Gebäude werden bereits mit effizienten LED-Leuchten angestrahlt und "verbrauchen jährlich so viel Strom wie zehn drei- bis vierköpfige Familien", so die Stadt. Der Einspareffekt sei also eher überschaubar.

Von den Autorinnen und Autoren des MDR, WDR, SWR, RBB und SR

Über dieses Thema berichtete NDR 1 Radio MV am 02. August 2022 um 12:00 Uhr und rbb 88,8 03. August 2022 um 06:25 Uhr.