Klara Geywitz (SPD), Bundesbauministerin, steht am Eingang des Bundesinnenministeriums. | dpa
Porträt

Bundesbauministerin Geywitz Eine, die Höhen und Tiefen kennt

Stand: 18.12.2021 15:51 Uhr

In der Politik ist sie schon mehrfach gescheitert. Aber nun führt Klara Geywitz das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen - dort warten nicht wenige Herausforderungen.

Von Isabel Reifenrath, ARD-Hauptstadtstudio

Kurzhaarschnitt, Brille, Ostdeutsche, geboren in Potsdam, Lehrerkind, viele Jahre aktiv für die SPD in Brandenburg. Klara Geywitz sagt über sich selbst, sie sei eine einfache Person aus dem Volk, die nach Berlin gehe.

Die neue Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen muss sie sich erst noch daran gewöhnen, mit "Frau Ministerin" angesprochen zu werden. "Ich habe immer geguckt, ob noch jemand hinter mir ist. Ich glaube, ein bisschen dauert das noch", sagt die 45-Jährige.

"Fröhliche Christin"

Geywitz wirkt bodenständig, sie ist verheiratet, Mutter von drei Kindern und beschreibt sich auf Twitter als "fröhliche Christin". Zusammen mit Olaf Scholz wollte sie 2019 SPD-Chefin werden. Damals sagte sie, sie wolle mehr sein als ein dekoratives Salatblatt. Das hat sie wirklich so gesagt, sie hat eine witzige Ader.

Das Thema Gleichberechtigung ist ihr tatsächlich sehr wichtig. Sie hat sich stark gemacht, dass es bei der SPD eine Doppelspitze gibt, und zu ihren Brandenburger Zeiten hat sie am Paritätsgesetz gearbeitet - im Brandenburger Landtag sollten gleich viele Frauen und Männer als Abgeordnete sitzen.

Am Verfassungsgericht scheiterte das Gesetz allerdings. Auch die Verwaltungsstrukturreform in Brandenburg scheiterte, sie wurde bewusst aufgegeben, damals wurde sie nicht in die Pläne eingebunden, deshalb trat sie als SPD-Generalsekretärin zurück. Konsequent ist die Frau.

Höhen und Tiefen

Geywitz kennt Höhen und Tiefen in der Politik. 2019 verlor sie ihr Landtagsmandat in Brandenburg nach drei Legislaturperioden. "Mit meinem Lastenfahrrad bin ich durch die Gegend gefahren, habe alle Potsdamer, die ich treffen konnte, angesprochen - habe dann auch 2000 Stimmen mehr gekriegt als bei der Wahl davor, aber wie Mathematik so ist, hat es nicht gereicht.

Danach überstand sie 23 Regionalkonferenzen, SPD-Vorsitzende wurde sie aber auch nicht. Scholz und sie scheiterten. Die beiden scheint das nur enger zusammengeschweißt zu haben. In Scholz Kabinett war sie zunächst als Bildungsministerin gehandelt worden, dann als Entwicklungsministerin oder als Staatsministerin für die neuen Bundesländer. Jetzt aber ist es das Bauministerium.

Und hier bringt sie durchaus Erfahrung mit. Zuletzt arbeitete sie im Landesrechnungshof für Prüfungen im Bereich Bauen, Wohnen und Verkehr.

400.000 neue Wohnungen

Angefangen mit der Arbeit hat Geywitz schon, wie sie dem rbb verriet: "Ich bin ein Planungsmensch", sagte sie. "Ich fange jetzt an, eine Tabelle zu machen, mit allen Aufgaben, die im Koalitionsvertrag für mein Ressort stehen, überlege mir, wer zuständig ist, ob mein Haus das alleine machen kann oder ob wir noch wen anderes brauchen." Sie sei sozusagen in der Sortierphase.

Die studierte Politikwissenschaftlerin hat ein klares Ziel: 400.000 neue Wohnungen sollen pro Jahr entstehen. So steht es im Koalitionsvertrag. Dafür will sie mehr Baukapazitäten aufbauen, den Fachkräftemangel im Bauhandwerk angehen und den Kommunen helfen, Bauflächen auszuschreiben. Mit dem Lastenrad wird sie dafür wohl nicht bei den Kommunen vorbeifahren müssen - sondern eher vom Schreibtisch aus delegieren und leiten.

 

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 18. Dezember 2021 um 09:43 Uhr.