Am Fenster einer Bar in Friedrichshagen hängt ein Schild mit der Aufschrift "Wieder hier mit Freunden treffen" | dpa

Corona-Maßnahmen Lockern - aber wie?

Stand: 22.02.2021 11:59 Uhr

Berliner Amtsärzte wollen bei den Corona-Maßnahmen weg von der Fokussierung auf die Inzidenz, auch Berlins Regierender Bürgermeister Müller plädiert für weitere Kriterien. Kanzlerin Merkel will Lockerungen offenbar an mehr Tests koppeln.

Berlins Amtsärzte fordern nach einem Medienbericht einhellig, Lockerungen nicht mehr an generelle Inzidenzwerte zu knüpfen. Es sei "nicht zielführend, Eindämmungsmaßnahmen an Inzidenzen von 20/35/50" zu koppeln, heißt es dem "Tagesspiegel" zufolge in einer Stellungnahme aller zwölf Amtsärzte, die am Wochenende an die Senatskanzlei geschickt worden sei.

Die Inzidenzen seien von Testkapazitäten und dem Testwillen der Menschen abhängig. Dadurch komme es zu Schwankungen, die die infektiologische Lage nicht widerspiegelten, schreiben die Ärzte laut dem Bericht.

Ärzte fordern "Frühwarnsystem"

Stattdessen schlagen die Mediziner demnach "intensive Maßnahmen der Infektionsprävention" für Alte und Kranke und gleichzeitig eine Abmilderung der Maßnahmen für andere Gruppen wie Schulkinder vor. Außerdem sprachen sie sich für eine nach Altersgruppen ausgerichtete Inzidenzanalyse als "Frühwarnsystem" vor.

Es sei ein "großer Unterschied", ob bei einer Sieben-Tage-Inzidenz von 50 Menschen über 80 durchgeimpft und alle Infizierten symptomfreie Kinder seien - oder ob vor allem Risikogruppen betroffen seien. Danach müsse man die politischen Maßnahmen ausrichten.

Merkel spricht von "Paketlösungen"

Die Ministerpräsidenten und Kanzlerin Angela Merkel hatten am 10. Februar bekräftigt, eine Öffnungsstrategie erarbeiten zu wollen. Merkel plant offenbar, mögliche Lockerungen mit umfangreichen Tests zu begleiten.

Nach Angaben von Teilnehmern in Online-Beratungen des CDU-Präsidiums sagte sie, Öffnungsschritte müssten "mit vermehrten Tests klug eingeführt werden". Zudem habe sie "Paketlösungen" für drei verschiedene Bereiche vorgeschlagen - nämlich für persönliche Kontakte, für Schulen und Berufsschulen sowie Sportgruppen, Restaurants und Kultur.

Müller kündigt eigenen Stufenplan an

Der Vorsitzende der Ministerpräsidentenkonferenz, Michael Müller, kündigte einen Vorschlag für einen Stufenplan "ohne die Werte 25 oder 10" an, wie sie von einigen vorgeschlagen wurde. Der Stufenplan solle sich nicht nur an den Neuinfektionen orientieren, sagte Müller der "Stuttgarter Zeitung" und den "Stuttgarter Nachrichten".

"Auch ein R-Wert deutlich unter 1 und eine sinkende Auslastung der Intensivmedizin werden wichtige Kriterien für nächste Lockerungsschritte sein, so Berlins Regierender Bürgermeister. Müller sagte, wenn Bundesländer "stabil über mehrere Wochen" unter den Inzidenzen 35 oder 50 blieben, "können weitere Schritte in der Kultur und der Gastronomie folgen".

Angesichts der am Wochenende wieder gestiegenen Fallzahlen und der Gefahr durch Virusmutationen stellte er klar, der Stufenplan sei "keine Einbahnstraße in Richtung von Lockerungen". Der SPD-Politiker sagte: "Wir werden notfalls auch wieder Einschränkungen beschließen müssen, wenn die Zahlen wie in anderen europäischen Ländern wieder stark steigen."

Montgomery warnt vor Lockerungen

Der Vorstandsvorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, warnte dringend vor weiteren Lockerungen. "Wer in Zeiten steigender R-Werte über Lockerungen spricht, handelt absolut unverantwortlich", sagte der Mediziner den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Der Inzidenzwert zeigt, wo wir aktuell stehen. Der R-Wert zeigt, wohin wir gerade gehen. Bei einem Wert klar über 1,0 droht wieder exponentielles Wachstum - und genau das ist jetzt der Fall."

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 22. Februar 2021 um 12:30 Uhr.

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Moderation 22.02.2021 • 16:48 Uhr

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