Friedrich Merz | dpa

Parteitag der CDU Merz und die Schwarmintelligenz

Stand: 09.09.2022 04:05 Uhr

Friedrich Merz hat sich schnell in die Rolle des Oppositionsführers eingefunden. Bei der Modernisierung der Partei gibt es in der CDU aber auch Kritik - unter anderem an der Frauenquote. Merz hofft trotzdem auf Zustimmung.

Von Sabine Henkel, ARD-Hauptstadtstudio

Friedrich Merz blickt dem heute beginnenden Parteitag mit Zuversicht und Süffisanz entgegen. "Es gibt eine gewisse Schwarmintelligenz auch in der CDU Deutschlands." Die CDU Deutschlands hat schließlich ihn zum Vorsitzenden gewählt. Zwar erst im dritten Anlauf, aber immerhin. Seitdem sind die Personaldebatten verstummt, es geht seit vielen Monaten auf einem Parteitag mal wieder um Inhalte. Die Delegierten sollen ihrem Chef nun im Schwarm folgen, intelligent abstimmen, also Ja sagen - auch zur Frauenquote. Die ist in keiner Partei so umstritten wie in der CDU.

Sabine Henkel ARD-Hauptstadtstudio

Ausgerechnet Merz will mehr Frauen in der Parteiführung - und das per Quote. Aber Merz ist eben nicht mehr einfach nur Merz. Er ist weit entfernt von Merkel, aber das bisschen "Merzel" reicht. Einzelne Konservativen kommen nicht mehr mit, sagt Karin Prien, eine von Merz' Stellvertreterinnen. "Es gibt einzelne Enttäuschte, die offenbar erwartet hatten, dass Friedrich Merz nur ihr Vorsitzender werden würde, aber das war natürlich nicht zu erwarten."

One-Man-Show funktioniert in Partei nicht

Zu erwarten war, dass Merz zunächst mal den Oppositionsführer gibt. Und das macht er auch. Fraktionschef Merz - das funktioniert. Er treibt die Regierung und lockt den Bundeskanzler aus der Reserve. In der Partei sieht es anders aus. Da funktioniert die One-Man-Show nicht.

Merz braucht ein Team, aber das Team um ihn herum ist blass. Oder wer sind noch gleich seine fünf Stellvertreter und Stellvertreterinnen? Hinzu kommt, dass Generalsekretär Mario Czaja eher Sekretär als General ist, Attacke ist seine Sache nicht. Dabei geht es gerade jetzt darum, der Regierung Paroli zu bieten, aber auch der Partei ein Programm zu geben, festzulegen, wofür die Merz-CDU eigentlich steht.

"Ich bin nicht der Vorsitzende, der von oben anordnet, wohin die Partei zu laufen hat", sagt Merz. Wohin sie zu laufen hat, soll eine Kommission festlegen. Sie arbeitet ein Grundsatzprogramm aus. Carsten Linnemann, übrigens einer der fünf Stellvertreter, spielt dabei eine entscheidende Rolle und gibt das Ziel vor. "Wir müssen attraktiver werden, für junge Menschen, für Frauen, für Zugewanderte, wir müssen viel attraktiver werden."

Die Euphorie des Anfangs ist verflogen

Attraktiver will die Partei auch für junge Wähler werden, das heißt: Die CDU muss deren Themen besetzen. Merz und viele andere in der Partei können sich vorstellen, ein soziales Pflichtjahr für junge Leute einzuführen, aber ob das die Generation Z überzeugt, CDU zu wählen? Die Junge Union jedenfalls ist nicht begeistert von der Idee. Ihr Verhältnis zu Merz ist nicht mehr das, was es mal war. Die Euphorie in der größten Fanbase ist verflogen.

Auch die Mittelstandsunion fällt nicht mehr in Ekstase, wenn Merz den Raum betritt. Sie will keine Frauenquote und nimmt es in Kauf, ihrem Parteichef in der Abstimmung eine Niederlage beizubringen - und das kurz vor der nächsten Landtagswahl. Aber wer weiß, vielleicht kommt es ja anders und Merz hat recht mit seiner süffisanten Zuversicht der "Schwarmintelligenz" in der Partei.