Kurt Biedenkopf | picture alliance/dpa

Trauer um CDU-Politiker Biedenkopf Wie "König Kurt" seine zweite Chance nutzte

Stand: 13.08.2021 16:13 Uhr

"König Kurt" wurde er in Sachsen genannt: Als Ministerpräsident prägte Kurt Biedenkopf, der im Alter von 91 Jahren gestorben ist, den Freistaat nachhaltig.

Von Matthias Koch, MDR

Elf Jahre lang regierte Kurt Biedenkopf den Freistaat Sachsen. Obwohl er aus dem Westen kam, eroberte er schnell die Herzen der Sachsen. Für sie war Biedenkopf ganz einfach "König Kurt". Schon früh war er gefragter Gesprächspartner und machte Karriere: mit 37 Jahren als jüngster Hochschulrektor, mit 41 Jahren als Mitarbeiter des Waschmittelkonzerns Henkel.

In den 1970er-Jahren wird er CDU-Generalsekretär. Sein Ziehvater: Helmut Kohl. Biedenkopf erwirbt sich schnell den Ruf eines brillanten Ideenspenders, der die CDU reformiert. Kohl sieht in Biedenkopf bald einen Rivalen und entzieht ihm in den folgenden Jahren seine Gunst. Nach verlorenen Wahlen in NRW zieht sich Biedenkopf 1988 aus der Politik zurück - vorerst.

Von der Uni in die Staatskanzlei

Doch der Fall der Mauer bringt ihm eine zweite Chance: Als erster westdeutscher Gastprofessor hält er 1989 an der Leipziger Universität seine Antrittsvorlesung. Ein Jahr später folgt das Comeback auf der politischen Bühne - in Sachsen. Er verschafft der CDU als Spitzenkandidat die absolute Mehrheit und wird am 27. Oktober 1990 zum Ministerpräsidenten gewählt.

Den Freistaat Sachsen führt er binnen acht Jahren aus seiner katastrophalen Wirtschaftslage an die Spitze der neuen Bundesländer. Er holt dank seiner Kontakte und durch geschickte Ansiedlungspolitik Großkonzerne der Chip- und Autoindustrie nach Sachsen. Nach der Jahrtausendwende trübt sich das Bild vom glanzvollen Landesvater. Vorwürfe gegen Biedenkopf werden laut: Er soll Unternehmerfreunde bei großen Bauvorhaben unterstützt und dienstliche und private Dinge auch in anderen Fällen vermischt haben.

Milbradt und der Abschied von der Politik

Politisch kommt es zu einem für ihn schmerzhaften Generationswechsel: Gegen seinen Widerstand wird Georg Milbradt neuer Ministerpräsident, den er zuvor als Finanzminister entlassen hatte. Biedenkopf wirft seiner CDU Intrigen vor und ist verbittert. Im Juni 2004 hält er seine Abschiedsrede im sächsischen Landtag und verlässt als einfacher Abgeordneter die politische Bühne. 

Sein Rat als Wissenschaftler ist aber weiter gefragt. Er gründet in Dresden eine eigene Universität, hat eine Forschungsprofessur und ist gern gesehener Gast auf vielen Veranstaltungen. Im April 2021 wird Kurt Biedenkopf - mit 91 Jahren - für seine Verdienste um die ostdeutsche Hochschullandschaft mit der Ehrendoktorwürde der Universität Leipzig gewürdigt. 

Kurt Biedenkopf mit seiner Frau Ingrid bei seinem letzten größeren öffentlichen Auftritt im April 2021. | dpa

Kurt Biedenkopf - hier mit seiner Frau Ingrid - bei seinem letzten größeren öffentlichen Auftritt im April 2021. Bild: dpa

Sorge über das Erstarken der AfD

Privat bleiben Biedenkopf und seine Frau Ingrid ihrer Wahlheimat Sachsen verbunden. Der Zuwachs der AfD dort machten ihm Sorgen, dazu kommt in der Rückschau auch ein bisschen Selbstkritik: "Mir ist nicht bekannt, dass die politischen Parteien sich die Mühe gemacht haben, sich selbst zu analysieren, was haben wir eigentlich falsch gemacht."

Doch politische Ratschläge wollte Kurt Biedenkopf, dessen Erfahrung und Wissen sein Leben lang gefragt waren, zuletzt keine mehr geben.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 13. August 2021 um 14:00 Uhr.