Annalena Baerbock | AP

Winterspiele in Peking "Sorgen über Menschenrechte nicht überdecken"

Stand: 03.02.2022 03:32 Uhr

Außenministerin Baerbock hat die Menschenrechtssituation in China erneut kritisiert, lehnt aber einen offenen diplomatischen Boykott der Olympischen Winterspiele ab. Allerdings werden sie und Innenministerin Faeser nicht nach Peking reisen.

Kurz vor dem Start der Olympischen Winterspiele in China hat Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) ihre Kritik an Peking erneuert. "Ich mag Olympia und drücke unseren deutschen Sportlerinnen und Sportlern kräftig die Daumen", sagte die Ministerin den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. "Gleichzeitig mache ich mir natürlich große Sorgen über die Lage der Menschenrechte in China, das kann ein solches Sportfest nicht überdecken."

Einen offenen diplomatischen Boykott der Olympischen Winterspiele in dem Land lehnte Baerbock ab. Sie stellte klar, dass sie mit der für Sport zuständigen Innenministerin Nancy Faeser (SPD) vereinbart habe, nicht zu den Olympischen Spielen nach Peking zu reisen, die am Freitag eröffnet werden. Auch Kanzler Olaf Scholz hatte im ZDF erklärt, dass er nicht vorhat, nach China zu fahren.

Nancy Faeser | dpa

Ist sich mit Baerbock einig: Auch die für Sport zuständige Innenministerin Faeser reist nicht nach Peking. Bild: dpa

"Über Menschenrechte und andere sehr problematische Fragen diskutieren wir mit China auf politischer Ebene", sagte Baerbock. "Sportlerinnen und Sportler, die sich jahrelang auf die Olympischen Spiele vorbereitet haben, dürfen das aber nicht ausbaden müssen".

Großereignisse an Einhaltung von Kriterien knüpfen

Prinzipiell sollten sportliche Großereignisse wie Olympische Spiele oder Fußballweltmeisterschaften an die Einhaltung zentraler Kriterien wie Pressefreiheit, Menschenrechte und Arbeitsbedingungen geknüpft werden, forderte sie. "Man kann große Sportfeste nur wirklich feiern, wenn andere Menschen dafür nicht mit ihrem Leben bezahlen müssen", erklärte Baerbock. Die Fußballweltmeisterschaft im Golfstaat Katar im November und Dezember sei ein Beispiel dafür, dass Druck über die Medien etwas bewirken könne. "Im Zusammenhang mit Katar und den zahlreichen Berichten über die schlimmen Bedingungen auf den Baustellen für die Fußballstadien sieht man aber auch, dass internationale Aufmerksamkeit durchaus auch hilfreich sein und Dinge zum Besseren verändern kann."

Die Olympischen Winterspiele in Peking beginnen am Freitag und dauern bis zum 20. Februar. Die USA und andere westliche Länder wie Großbritannien, Kanada, Australien und Dänemark haben einen diplomatischen Boykott des Sportereignisses angekündigt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 03. Februar 2022 um 06:30 Uhr.