Harald Kujat | picture alliance/dpa

Ex-Generalinspekteur der Bundeswehr Kujat kritisiert Umgang mit Schönbach

Stand: 23.01.2022 13:56 Uhr

Der ehemalige Generalinspekteur der Bundeswehr, Kujat, hat den Umgang mit dem "Fall Schönbach" kritisiert. Er hätte sich hinter den Vizeadmiral gestellt, sagte er im Interview mit tagesschau24.

Der ehemalige Generalinspekteur der Bundeswehr, Harald Kujat, hat den Umgang mit dem in die Kritik geratenen und nun abgetretenen Marinechef Kay-Achim Schönbach kritisiert. Im Interview mit tagesschau24 sagte Kujat: "Wenn ich noch im Amt wäre, hätte ich mich vor Admiral Schönbach gestellt, und ich hätte versucht, seine Entlassung zu verhindern - und zwar mit allen Mitteln."

Kujat stellte in Zweifel, dass es sich bei den Äußerungen Schönbachs um Dienstvergehen handelt. "Ein Dienstvergehen hätte er begangen, wenn er gegen das Soldatengesetz verstoßen hätte und das Ansehen der Bundeswehr oder die Achtung und das Vertrauen, dass seine dienstliche Stellung erfordern, ernsthaft beeinträchtigt hätte." Das sehe er nicht, sagte Kujat.

"Zu einer Entspannung kommen mit Russland"

Die Kritik an der Art der Formulierungen Schönbachs sei gerade in einer "aufgeheizten Situation" zwar verständlich. Im Kern habe dieser aber die amerikanische Position wiedergegeben und damit die des "engsten Verbündeten" Deutschlands.

Mit Blick auf die derzeit angespannte Lage sagte Kujat: "Es muss doch unser Interesse sein, zu einem vernünftigen Ergebnis zu kommen, zu deeskalieren und auch zu einer Entspannung zu kommen mit Russland und natürlich immer unter Berücksichtigung auch der Sicherheitsinteressen der Ukraine. Das ist doch völlig klar." Es könne nicht sein, "dass wir immer nur von Krieg reden und nicht davon, wie ein Krieg verhindert werden kann".

Kritik wegen Aussagen zur Ukraine

Schönbach hatte bei einer Veranstaltung in Indien unter anderem gesagt: "Die Halbinsel Krim ist weg, sie wird nicht zurückkommen." Den von westlichen Staaten befürchteten Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine bezeichnete er als "Nonsens". Was Russlands Präsident Wladimir Putin wirklich wolle, sei "Respekt auf Augenhöhe", sagte der Vizeadmiral.

Die Aussagen hatten scharfe Kritik hervorgerufen, auch in der Ukraine. Das ukrainische Außenministerium bestellte wegen der Angelegenheit die deutsche Botschafterin in Kiew, Anka Feldhusen, ein. Das Verteidigungsministerium distanzierte sich von seinen Aussagen.

Schönbach bat schließlich um seinen Rücktritt. Er soll nun übergangsweise von Konteradmiral Jan Christian Kaack ersetzt werden.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 23. Januar 2022 um 12:00 Uhr.