Ein Arzt impft eine Frau in einer Hausarztpraxis mit dem Impfstoff von Pfizer/Biontech. | dpa

Corona-Pandemie Hausärzte fordern gerechte Impfstoffverteilung

Stand: 22.05.2021 10:22 Uhr

Der Hausärzteverband beklagt eine Benachteiligung der Praxen bei der Versorgung mit Impfstoffen und fordert eine gerechte Verteilung der Dosen. Unterdessen sinkt die bundesweite Sieben-Tages-Inzidenz weiter.

Angesichts des angekündigten Endes der Impfpriorisierung am 7. Juni fordern die deutschen Hausärzte eine gerechte Verteilung von Impfstoffen. Der Vorsitzende des Hausärzteverbands, Ulrich Weigeldt, sagte dem NDR, man solle jede Gelegenheit nutzen, um zu impfen. "Die Einbeziehung der Betriebsärzte, der Privatärzte, all das mag helfen. Wir müssen ja unser Hauptziel im Auge behalten, möglichst viele Menschen möglichst schnell zu impfen." Aber man könne nicht akzeptieren, dass andere Strukturen bevorteilt werden. "Wenn nicht alle beliefert werden können, muss man das wenigstens gleichmäßig verteilen."

Die aktuelle Situation in Hausarztpraxen beschrieb Weigeldt als belastend. Er warnte davor, dass das angekündigte Ende der Impfpriorisierung am 7. Juni zu einem massiven Ansturm auf die Praxen führen könnte. "Für unsere Mitarbeiterinnen in den Praxen ist es sehr belastend, wenn hier sehr viel Druck kommt, den wir nicht verantworten können und den wir nicht bedienen können. Da ist Frustration im Spiel, die man verstehen kann."

Ein Grund sei der nach wie vor bestehende Mangel an Impfstoff, so Weigeldt. Es gebe ein Missverhältnis zwischen der Menge an Impfwilligen und der Anzahl der Dosen, die zur Verfügung stünden. Weigeldt beklagte zudem fehlende Planungssicherheit bei Impfstoff-Bestellungen. Impfwillige Bürgerinnen und Bürger rief der Verbandvorsitzende zur Geduld auf. "Man muss jetzt die Ruhe bewahren und den Frust darüber, dass man nicht sofort geimpft wird, nicht bei unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern abladen."

Spahn: "Seien Sie sauer auf mich"

Einen ähnlichen Appell hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn gestern an die Bevölkerung gerichtet. Voraussichtlich noch weit vor Ende September könne jedem ein Impfangebot gemacht werden, sagte Spahn. "Es geht jetzt um Wochen, nicht um Monate", ergänzte er. Doch es könne nicht jeder sofort drankommen. Der Minister bat um Verständnis und Geduld mit Praxisteams. "Wenn Sie unbedingt sauer sein wollen, seien Sie sauer auf mich", sagte Spahn. Die Praxen gäben ihr Bestes, um schnellstmögliche Termine zu vereinbaren.

Apotheken wollen digitale Impfpässe ausstellen

Während sich die Hausärzte gegen eine nachträgliche digitale Erfassung der Impfungen in den Praxen wehren, will eine Mehrheit der Apotheken diese Aufgabe in Zukunft übernehmen. Der Vorsitzende des Apothekerverbands Nordrhein, Thoma Preis, sagte der "Rheinischen Post", dass derzeit die entsprechende technische Plattform entwickelt werde. Ab Mitte Juni könnte mit der Umschreibung des Impfnachweises in den von der EU beschlossenen elektronischen Ausweis begonnen werden.

Weigeldt hatte zuvor die nachträgliche Digitalisierung für die Hausärzte als zu aufwendig bezeichnet. "Jeglicher zusätzliche Aufwand ist definitiv zu viel", hatte der Verbandschef der Nachrichtenagentur Reuters gesagt. "Daher kann man unseren Praxen auch nicht zumuten, dass wir zusätzlich noch die nachträgliche Erfassung der Impfungen übernehmen. Wir sind Hausärzte und nicht das Passamt."

RKI meldet 7082 Neuinfektionen

Unterdessen sanken die bundesweiten Corona-Zahlen weiter. Das Robert Koch-Institut meldete am Samstagmorgen für die vergangenen 24 Stunden 7082 registrierte Neuinfektionen. Das waren etwa 800 Fälle weniger als noch vor einer Woche. Die Sieben-Tages-Inzidenz sank auf 66,8. Tags zuvor hatte der Wert bei 67,3 gelegen, in der Vorwoche bei 87,3. Zudem wurden 170 neue Todesfälle registriert. Vor einer Woche waren es 177 Tote gewesen.

Die Gesamtzahl der seit Beginn der Pandemie registrierten Corona-Infektionen in Deutschland liegt jetzt bei 3.642.244. Die Zahl der Todesopfer liegt bei 87.298.

Über dieses Thema berichtete NDR 90,3 am 22. Mai 2021 um 06:30 Uhr.

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Sausevind 22.05.2021 • 14:41 Uhr

13:35 von Kaneel

<< 12:52 Sausevind / 12:48 Desinteresse 21 / 12:16 von Carina F Interview mit Herrn Spahn im ZDF am 04.01.21: "https://www.zdf.de/nachrichten/politik/corona-impfung-ziele-spahn-100.html" Spahn stellt in Aussicht allen im zweiten Impfquartal ein Impfangebot machen zu können ein und schränkt diese Hoffnung gleichzeitig ein, indem er dies von Liefermengen sowie weiteren Zulassungen anderer Impfstoffe abhängig macht. "Das Ziel ist und bleibt es, allen Deutschen im Sommer ein Impfangebot zu machen", erklärte Spahn. Zuvor hatte der Gesundheitsminister bereits in einer digitalen Fraktionssitzung der Union ein Impfangebot "wohl im zweiten Quartal 2021" in Aussicht gestellt. Quelle: "https://www.tagesschau.de/inland/spahn-impfstrategie-kritik-101.html" << .-.-. Vielen Dank, Kaneel. Und aus Spahns "Das Ziel ist und bleibt es" hat Carina F "bis zum Sommer hat Jede/r ein Impfangebot erhalten!" gezaubert. Zum Glück weiß man, wer hier meist oder immer Aussagen verfälscht.