Michael Müller, Angela Merkel und Markus Söder | AFP

Ergebnisse des Impfgipfels Ein "nationaler Impfplan", der vage bleibt

Stand: 01.02.2021 22:56 Uhr

Ein Impfangebot für alle bis Ende des Sommers - das sei auch mit den drei bislang zugelassenen Impfstoffen möglich, so Kanzlerin Merkel. Nach dem Impfgipfel versprach sie zudem einen "nationalen Impfplan" - bei dem vieles vage bleibt.

Mehrere Stunden lang haben Bundeskanzlerin Angela Merkel, die Regierungschefs der Bundesländer, mehrere Bundesminister, Vertreter der Impfstoffhersteller sowie der EU-Kommission bei einem Corona-Impfgipfel beraten. Bei der anschließenden Pressekonferenz verkündeten sie als zentrale Veränderung einen "nationalen Impfplan". Dort sollten "nach bestem Wissen" die bevorstehenden Lieferungen an Impfstoffen aufgeführt werden, versprach Merkel.

Spahn nennt keinen Zeitpunkt

Wie genau und wann dieser Impfplan zustande kommen und wie er aussehen soll, ist noch nicht klar. Merkel sagte, Ziel sei es, "mehr Sicherheit zu geben, wie das Einladungsmanagement für die Menschen erfolgen kann". Bayerns Ministerpräsident Markus Söder sagte, der Plan werde eine "gemeinsame Plattform" darstellen, die für "so viel Planbarkeit wie möglich" sorgen solle.  Eine "punktgenaue Planung" der bevorstehenden Impfstoff-Lieferungen sei aber nicht möglich. Die Hersteller könnten ihre Liefermengen lediglich pro Gesamtquartal zusagen, weil bei Produktion und Auslieferung "zu viele Variablen im Spiel" seien.

Auch Gesundheitsminister Jens Spahn blieb beim Thema Impfplan vage. Auf die Frage im tagesthemen-Interview, ab wann der Plan denn nun vorliegen soll, nannte er keinen Zeitpunkt sondern verwies allgemein auf die Bedeutung des Impfgipfels und die Komplexität des Themas.

"Langsamer - aber dafür gab es gute Gründe"

Die Impfungen in Deutschland und der EU hatten kurz vor dem Jahreswechsel begonnen. Begleitet waren die ersten Wochen von Lieferschwierigkeiten einzelner Hersteller, Problemen bei der Terminvergabe und viel Unmut über fehlenden Impfstoff.

Merkel verteidigte das Vorgehen der EU, die sich dagegen entscheiden hatte, Impfstoffe mit einer Notzulassung auf den Markt zu bringen. Dieser Weg sei langsamer gewesen, aber dafür habe es gute Gründe gegeben. Mehrfach betonte sie, dass es wichtig sei, bei den Menschen Vertrauen in die Impfung zu schaffen.

Am Ziel, jedem in Deutschland bis zum Ende des Sommers ein Impfangebot zu machen, hielt Merkel fest. Dies sei selbst dann zu schaffen, wenn keine weiteren Impfstoffe in der EU zugelassen werden. Derzeit haben die Vakzine von drei Herstellern eine Zulassung in der EU: die von BioNTech/Pfizer, Moderna und AstraZeneca. Die EU hat Verträge mit weiteren Herstellern geschlossen, deren Impfstoffe bislang aber noch keine Zulassung haben.

"Sehr wertvoll und aufschlussreich"

Der Impfgipfel sei für Bund und Länder "sehr wertvoll und aufschlussreich" gewesen, so Merkel. Ähnlich äußerte sich auch Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller. "Wir haben gelernt, wie kompliziert die gesamten Lieferketten zusammenhängen." Er räumte ein, dass es im ersten Quartal bei den Impfstoffen "knapp" bleiben werde, weil die Produktion nicht beliebig zu erweitern sei. Ab dem zweiten Quartal werde sich die Lage aber entspannen, so der SPD-Politiker.

Auch Söder äußert sich zufrieden mit den Gesprächen mit der Industrie, betont aber gleichwohl mit Blick auf die Impfungen in Deutschland: "Das wird für die Geduld der Menschen noch mal eine echte Herausforderung." Eine "ständige Fehleranalyse" nutze jetzt aber nichts. Ziel sei, künftig "so viel und schnell wie möglich" zu impfen.

FDP-Chef Christian Lindner kritisierte das Ergebnis des Impfgipfels als "leider enttäuschend". Bislang sei es nicht gelungen, den Rückstand gegenüber anderen Ländern wegen der unzureichenden Bestellungen aufzuholen, sagte Lindner den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Aus den langsamen Fortschritten dürfe sich aber kein Dauer-Lockdown bis zum Sommer ergeben.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 01. Februar 2021 um 22:30 Uhr.

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KOMMENTARE

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grübelgrübel 02.02.2021 • 00:09 Uhr

um 23:47 von Tino255

…Schweden hingegen ermöglicht seiner Bevölkerung weiter ein lebenswertes Leben. Gastronomie bis auf Alkohol abends geöffnet, 8 beliebige Personen dürfen sich weiter treffen. Anders als in Ländern mit hartem Lockdown fallen die Infektionszahlen und die Todeszahlen sind nicht höher als im Frühling 2020. Trotzdem gelingt es immer noch, der Bevölkerung glaubhaft zu machen, der schwedische Weg sei angeblich gescheitert. aerzteblatt.de: Stockholm – Schweden hat vor dem Hintergrund der Coronakrise im November die höchste Zahl an Todesfällen binnen eines Monats seit der Spanischen Grippe verzeichnet. Insgesamt starben im vergangenen Monat landesweit 8.088 Menschen, wie die staatliche Statistikbehörde (SCB) gestern mitteilte. Die Zahl liegt etwa zehn Prozent über der durchschnittlichen Sterberate der Jahre 2015 bis 2019.