Hochhaus in Neukölln, Berlin | picture alliance / Markus C. Hur

Corona-Pandemie Mehr Impfungen in Brennpunkten gefordert

Stand: 30.04.2021 09:52 Uhr

Auf den deutschen Intensivstationen liegen überdurchschnittlich viele Ärmere und sozial Benachteiligte. Intensivmediziner sowie Städte und Kommunen fordern deshalb: Es muss verstärkt in sozialen Brennpunkten geimpft werden.

In der Debatte über Impfpriorisierungen mehren sich die Forderungen nach verstärktem Impfen in sozialen Brennpunkten. Intensivmediziner appellierten an Länder und Kommunen, möglichst rasch viele Menschen in sozial benachteiligten Stadtteilen gegen Corona zu impfen, um die Krankenhäuser zu entlasten. "Auf den Intensivstationen liegen überdurchschnittlich viele Menschen aus ärmeren Bevölkerungsschichten, Menschen mit Migrationshintergrund und sozial Benachteiligte", sagte der wissenschaftliche Leiter des Intensivregisters der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), Christian Karagiannidis, der "Rheinischen Post".

"Um diese Menschen besser zu schützen und die Intensivstationen zu entlasten, sollten alle Bürgermeister und Gesundheitsämter mobile Impfteams in die sozialen Brennpunkte ihrer Städte schicken. Das würde eine Menge bringen, denn das Impftempo ist derzeit vielversprechend", sagte Karagiannidis.

Deutscher Städtetag: Mobile Impfteams stärker einsetzen

Auch die Städte und Kommunen sprachen sich für ein derartiges Vorgehen aus. "Soziale Unterschiede dürfen nicht dazu führen, dass ein Teil der Menschen abgehängt wird, weil für sie der Zugang zu Impfungen zu schwer ist", sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetags, Helmut Dedy, den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Um mehr Menschen individuell anzusprechen, müssten auch mobile Impfteams stärker eingesetzt werden.

"Wo die Wohnsituation von Menschen beengt ist und es nur geringe Einkommen gibt, wo Menschen, zum Teil auch mit Migrationshintergrund, in sozial schwierigen Verhältnissen leben, müssen wir den Zugang zu Impfangeboten erleichtern." Viele Städte hätten bereits in den vergangenen Wochen ihre Anstrengungen verstärkt, in sozial benachteiligten Quartieren intensiver über die Einhaltung von Hygienevorgaben zu informieren. "Nun geht es darum, auch das Impfen den Menschen dort stärker nahezubringen", so Dedy.

Städte- und Gemeindebund: An Impfreihenfolge festhalten

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund unterstützt Forderungen nach mehr Impfungen in sozialen Brennpunkten, will dabei aber nicht von der festgelegten Impfreihenfolge abweichen. "In sozialen Brennpunkten ist es wichtig, die dort lebenden Menschen gezielt zu informieren und mehrsprachige Informationen zur Impfung zur Verfügung zu stellen", sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg der "Rheinischen Post". "Zudem sollten die Menschen bei der Wahrnehmung ihrer Impftermine unterstützt werden. Eine Priorisierung und damit ein Abweichen von der Impfreihenfolge halten wir derzeit nicht für zielführend."

Gerade in Ballungsräumen sei die Mobilität zwischen Stadtteilen aus unterschiedlichen Gründen sehr hoch. "Die Auswirkungen von Priorisierungsimpfungen einzelner Stadtteile würden auch nur mit einigem Zeitverzug sichtbar, abhängig vom genutzten Impfstoff", sagte Landsberg.

Mehrsprachige Informationen gefordert

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Staatsministerin Annette Widmann-Mauz (CDU), warb zudem für den systematischen Einsatz von Sprachmittlern bei Ärzten und in Krankenhäusern. "Das Problem der Sprachbarriere stellt sich ja unabhängig vom Pandemieverlauf in allen möglichen Bereichen der Gesundheitsversorgung", sagte sie der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Auch in der Impfkampagne brauche es mehrsprachige Informationen.

Das Impfen gegen das Coronavirus in Deutschland kommt immer weiter voran. Am Mittwoch gab es erstmals mehr als eine Million Impfungen am Tag. 25,9 Prozent der Menschen im Land haben mindestens eine Impfung erhalten, 7,5 Prozent bereits die zweite Spritze.