Screenshot aus Handyvideo der Schüsse in Halle | Bildquelle: AFP

Anschlag in Halle Vier Kilo Sprengstoff im Auto

Stand: 10.10.2019 15:25 Uhr

Der Angreifer von Halle wollte nach Erkenntnissen der Ermittler ein "Massaker" anrichten. Im Auto des Rechtsextremisten seien vier Kilo Sprengstoff gefunden worden, sagte Generalbundesanwalt Frank.

Generalbundesanwalt Peter Frank hat die Tat von Halle als Terror bezeichnet. "Was wir gestern erlebt haben, war Terror", sagte er in Karlsruhe. Der mutmaßliche Täter habe sich zum Ziel gesetzt, in der Synagoge ein Massaker anzurichten. In seinem Auto seien insgesamt vier Kilo Sprengstoff in zahlreichen Sprengvorrichtungen sichergestellt worden. Nur durch glückliche Umstände sei es dem Täter nicht gelungen, in die Synagoge einzudringen.

Dem mutmaßlichen Täter Stephan B. werde zweifacher Mord und versuchter Mord in neun Fällen vorgeworfen, sagte Frank. Die Bundesanwaltschaft habe Haftbefehl beantragt. Der Täter werde noch heute dem Ermittlungsrichter beim Bundesgerichtshof vorgestellt, sagt Frank. 

Nach Angaben des Generalbundesanwalts wollte der Täter mit seinem Video und einem Manifest weltweite Wirkung erzielen. Ein Vorbild des Mannes sei der Attentäter von Christchurch gewesen. Noch sei unklar, wie sich der Tatverdächtige radikalisierte und warum er sich zu der Tat entschloss. Auch werde ermittelt, ob er Unterstützung bei der Beschaffung von Waffen und Sprengstoff bekam. Seine Wohnung war bereits durchsucht und Beweismittel sichergestellt worden.

Christine Lambrecht und Peter Frank | Bildquelle: AFP
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Justizministerin Lambrecht und Generalbundesanwalt Frank bei der Pressekonferenz.

Wie es jetzt weitergeht

Der Beschuldigte Stephan B. muss bis spätestens heute 24 Uhr einem Richter vorgeführt werden. Der entscheidet darüber, ob der Beschuldigte in Untersuchungshaft kommt. Das läuft folgendermaßen ab: Die Bundesanwaltschaft hat in diesem Ermittlungsverfahren die Rolle der Staatsanwaltschaft inne. Sie beantragt einen Haftbefehl gegen Gericht. Zuständig ist in diesem Fall der Ermittlungsrichter beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe.

Der Beschuldigte wird daher aller Voraussicht nach (und wenn sein Gesundheitszustand nicht dagegen spricht) im Laufe des Nachmittags zum Ermittlungsrichter nach Karlsruhe gebracht. In der Regel passiert das erst per Hubschrauber, dann per Autokolonne zum Gericht - streng bewacht von Beamten der GSG9. In einer Anhörung hat Stephan B. dann die Möglichkeit, sich zu den Vorwürfen zu äußern. Er kann aber auch von seinem Schweigerecht Gebrauch machen. Nach diesem Termin entscheidet der Ermittlungsrichter, ob er den beantragten Haftbefehl erlässt und der Beschuldigte in Untersuchungshaft kommt.

Von ARD-Rechtsexperte Frank Bräutigam

Justizministerin Christine Lambrecht sprach bei der gemeinsamen Pressekonferenz von einem "rechtsextremistischen Terroranschlag" eines Einzeltäters. Der Schütze habe aus antisemitischen und rechtsextremistischen Gründen gehandelt, sagte die SPD-Politikerin. Rechtsextremismus sei eine der aktuell größten Bedrohungen, denen der Rechtsstaat mit allen Mitteln gegenübertreten müsse. Der Nährboden beginne oft zunächst mit Worten, denen dann Taten folgten. Lambrecht kündigte an, Vorschläge zu machen, wie Internetplattformen verpflichtet werden könnten, rechtsextreme Äußerungen zu verhindern.

"Wir müssen an der Stelle ganz deutlich machen, dass wir unsere jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger deutlich besser schützen müssen", räumte sie ein. Es gehöre zur Staatsräson, dass Juden in Deutschland sicher leben könnten.

Selbst gebaute Waffen?

ARD-Terrorismus-Experte Michael Götschenberg berichtete, der Beschuldigte werde mit einem Hubschrauber der Bundespolizei von Halle nach Karlsruhe gebracht. Bisher gehen alle davon aus, dass er transportfähig ist. Wie jetzt bekannt wurde, hatte Stephan B. die Waffen selbst gebaut. Er bestellte die Bausätze im Darknet. Verletzt wurde er den Angaben zufolge wahrscheinlich beim Schusswechsel mit der Polizei vor dem Döner-Imbiss.

Seehofer kündigt besseren Schutz für jüdische Einrichtungen in Deutschland an
tagesschau 20:00 Uhr, 10.10.2019, Andreas Franz, MDR

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Laut MDR soll der Tatverdächtige in Benndorf bei Eisleben zusammen mit seiner Mutter gelebt haben. Er war zuvor offenbar nicht als Rechtsextremer aufgefallen. Geprüft werde, ob es Mittäter gegeben habe. Nach den Worten seines Vaters soll er ein Eigenbrötler gewesen sein, der häufig vor dem Computer saß.

Die "Bild"-Zeitung zitierte den Vater mit den Worten: "Er war weder mit sich noch mit der Welt im Reinen, gab immer allen anderen die Schuld." Der 27-Jährige habe kaum Freunde gehabt und stattdessen viel Zeit im Internet verbracht. Stephan B. hatte nach dem Abitur zwei Semester Chemie studiert, das Studium aber wegen Krankheit abgebrochen. Einer Nachbarin zufolge soll er zuletzt als Rundfunktechniker gearbeitet haben. Der Vater berichtete, sein Sohn sei zwar bei der Bundeswehr gewesen, habe aber keine Spezialausbildung gehabt.

Steinmeier in Halle

Nach einem Besuch der Synagoge in Halle sprach Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier von einem "Tag der Scham und der Schande". "Wer jetzt noch einen Funken Verständnis zeigt für Rechtsextremismus und Rassenhass, wer die Bereitschaft anderer fördert durch das Schüren von Hass, wer politisch motivierte Gewalt gegen Andersdenkende, Andersgläubige oder auch Repräsentanten demokratischer Institutionen, wenn ich an den Fall Walter Lübcke denke - wer das rechtfertigt, der macht sich mitschuldig."

Der Attentäter sei "offensichtlich zu allem bereit" gewesen. Die Gesellschaft müsse eine klare, entschiedene Haltung der Solidarität mit den jüdischen Mitbürgern zeigen. "Wir müssen jüdisches Leben schützen."

Ein schwerbewaffneter Mann hatte gestern versucht, in die Synagoge einzudringen, um dort unter Dutzenden Gläubigen ein Blutbad anzurichten. Der Versuch scheiterte, woraufhin er vor der Synagoge und danach in einem nahen Döner-Imbiss zwei Menschen erschoss und mindestens zwei weitere verletzte. Laut der Nachrichtenagentur dpa ist mittlerweile die Identität der Opfer bekannt. Bei ihnen soll es sich um eine 40-jährige Frau aus Halle sowie einen 20-Jährigen aus Merseburg handeln.

Über dieses Thema berichtete das mittagsmagazin am 10. Oktober 2019 um 13:00 Uhr.

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