Polizisten vor der Synagoge in Hagen | dpa

Synagoge in Hagen Verdächtiger bestreitet Anschlagspläne

Stand: 17.09.2021 13:02 Uhr

Nach dem offenbar vereitelten Anschlag auf die Synagoge in Hagen laufen die Ermittlungen: Der Hauptverdächtige soll Kontakt zu einem Islamisten gehabt haben, bestreitet aber einen Anschlagsplan. Er wird heute einem Haftrichter vorgeführt.

Nach dem Bekanntwerden mutmaßlicher Anschlagspläne auf die Synagoge in Hagen steht ein jugendlicher Syrer im Mittelpunkt der Ermittlungen. Der Verdächtige soll Kontakt zu einem bekannten Islamisten im Ausland gehabt und sich mit Fragen des Bombenbaus beschäftigt haben, hieß es aus Sicherheitskreisen. Der Hinweis soll von einem ausländischen Geheimdienst an den Bundesnachrichtendienst (BND) gegangen sein. Weder der Jugendliche noch seine Familienangehörigen seien dem Staatsschutz zuvor als Islamisten bekannt gewesen.

Sicherheitskreisen zufolge gab der Jugendliche zwar zu, dass er sich über den Messengerdienst Telegram von einem Kontaktmann den Bau einer Bombe habe erklären lassen. Anschlagsabsichten auf das jüdische Gotteshaus bestritt er aber.

Die Synagoge in Hagen und ihre Umgebung war mit Sprengstoffspürhunden abgesucht worden, gefährliche Gegenstände wurden dabei nicht entdeckt. Auch die Durchsuchungen bei dem 16-Jährigen brachten keine Bombenbauteile ans Licht. Es wurden aber elektronische Medien wie Handys und Speichermedien sichergestellt, die ausgewertet werden sollten.

Staatsanwaltschaft beantragt Haftbefehl

Nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft in Düsseldorf wird der Tatverdächtige im Laufe des Tages dem Haftrichter vorgeführt. Die Ermittler sehen demnach einen dringenden Tatverdacht gegen den Jugendlichen und beantragten daher einen Haftbefehl. Der Haftrichter soll noch heute darüber entscheiden.

Der Anwalt des Jugendlichen rechnete zuvor hingegen mit der zügigen Freilassung seines Mandanten. "Es hat sich kein Tatvorwurf erhärtet, der das rechtfertigen würde", sagte der Hagener Strafrechtler der Nachrichtenagentur dpa zu der Festnahme. Zu Einlassungen des 16-Jährigen in dessen Vernehmung wollte er sich nicht äußern.

Vater und Brüder bereits wieder frei

Am Mittwoch waren Hinweise auf eine mögliche Gefährdungslage für die Synagoge in Hagen eingegangen. Schwer bewaffnete Polizisten umstellten daraufhin das Gotteshaus. Eine Hundertschaft war im Einsatz, der Bereich um das Gebäude war weiträumig abgesperrt.

Mit Durchsuchungen und Festnahmen war die Polizei einem "sehr ernst zunehmenden und konkreten Hinweis" nachgegangen, wie NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) am Donnerstag gesagt hatte. Der Hinweis lasse auf eine "islamistisch motivierte Bedrohungslage" schließen. Der 16-jährige Syrer war wegen des Verdachts der Vorbereitung eines Terroranschlags festgenommen worden. Sein Vater und zwei Brüder kamen in Polizeigewahrsam. Gegen sie bestand kein Tatverdacht. Am Abend kamen sie wieder frei.

Zentralrat der Juden entsetzt

Die mögliche Vereitelung eines Anschlags löste in der jüdischen Gemeinde Entsetzen aus. "Der Vorfall weckt schlimme Erinnerungen an den Anschlag an Jom Kippur vor zwei Jahren in Halle", sagte der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster. Er dankte auch der Polizei: "Wir danken den Sicherheitsbehörden, die offenbar einen Anschlag auf die Synagoge in Hagen verhindert haben." An Jom Kippur vor zwei Jahren hatte ein bewaffneter Rechtsextremist in Halle in Sachsen-Anhalt versucht, gewaltsam in die dortige Synagoge einzudringen. Als die Tür standhielt, erschoss er in der Nähe zwei Menschen und verletzte auf der Flucht zwei weitere.

Die frühere Präsidentin des Zentralrats, Charlotte Knobloch, erklärte, der mutmaßliche Anschlagsversuch zeige erneut, "dass jüdisches Leben ohne Angst in Deutschland noch immer nicht möglich ist, allen guten Worten zum Trotz." Ohne Polizeischutz sei es weiterhin undenkbar. "Wer mit Kippa unterwegs ist, wer eine Davidsternkette trägt oder wer am Abend des höchsten jüdischen Feiertages zu seiner Synagoge aufbricht, der begibt sich in Gefahr - so denken inzwischen viele in der jüdischen Gemeinschaft", sagte die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 17. September 2021 um 17:00 Uhr.

IHRE MEINUNG

KOMMENTARE

Avatar
Moderation 17.09.2021 • 12:15 Uhr

Schließung der Kommentarfunktion

Sehr geehrte User, die Meldung wurde bereits sehr stark diskutiert. Entscheidende neue Aspekte, die einer konstruktiven Diskussion förderlich wären, sind nicht mehr hinzugekommen. Deshalb haben wir beschlossen, die Kommentarfunktion zu schließen. Die Moderation