Bundestag | Bildquelle: AP

Reaktionen auf Cyberangriff Politiker kalt erwischt

Stand: 04.01.2019 14:23 Uhr

Die Bundespolitiker sind angesichts des Cyberangriffs schockiert, warnen aber vor Hysterie. CSU-Landesgruppenchef Dobrindt betonte, die zuständigen Behörden würden den Fall erst einmal untersuchen.

Von Cecilia Reible, ARD-Hauptstadtstudio

Kalt erwischt worden sind offenbar die meisten Politiker, deren Daten im Internet veröffentlicht worden sind. Offenbar haben viele erst aus den Medien davon erfahren. CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt sagte, er sei spät in der Nacht über den mutmaßlichen Hackerangriff informiert worden: "Zur Zeit sind die zuständigen Behörden dabei, das aufzuarbeiten. Zu ergründen, um was geht es eigentlich, welche Daten sind betroffen und um welchen Umfang handelt es sich."

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Tino Sorge ist unter den Opfern. Unter anderem wurde seine Handynummer veröffentlicht. Der Magdeburger fordert Aufklärung darüber, wie es zu dem Vorfall kommen konnte und wer die Hintermänner sind. "Gleichzeitig rate ich uns natürlich allen, jetzt nicht in Hysterie zu verfallen und gleich wieder komplett Digitalisierung und Datenaustausch in Frage zu stellen. Es würde ja auch beim Autofahren niemand auf die Idee kommen, wenn Unfälle passieren, das Autofahren komplett zu verbieten."

Politiker aller Ebenen betroffen

Neben Unionsabgeordneten wurden auch Daten von Parlamentarier von SPD, Linken, FDP und Grünen ins Netz gestellt. AfD-Bundestagsabgeordnete sind offenbar nicht dabei. 

Die stellvertretende Regierungssprecherin Martina Fietz sagte, es handle sich um Datensätze von Hunderten Politikern und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Betroffen seien Politiker und Mandatsträger aller Ebenen, sowohl des Europaparlaments, des Bundestags, der Landtage, aber auch kommunale Mandatsträger.

Martina Fietz, stellvertretende Sprecherin Bundesregierung | Bildquelle: CLEMENS BILAN/EPA-EFE/REX
galerie

Die stellvertretende Regierungssprecherin Martina Fietz sagte, betroffen seien Abgeordnete von Bundestag, Europa- und Landesparlamenten sowie aus der kommunalen Ebene.

Mit Blick auf das Bundeskanzleramt sehe es nach erster Sichtung so aus, dass keine sensiblen Daten in den Veröffentlichungen enthalten seien, auch nicht mit Blick auf die Kanzlerin, sagte die Vize-Regierungssprecherin.

Daten des SPD-Abgeordneten Florian Post wurden dagegen ins Internet gestellt. Post sagte, nicht alle davon seien echt, es sei mindestens eine gefälschte Datei dabei. Andererseits seien aber auch zum Beispiel echte Kontoauszüge von ihm veröffentlicht worden. 

Ein Hauch von George Orwell

Entwicklungsminister Gerd Müller zeigte sich besorgt über den massiven Datenabfluss. Darauf müsse eine harte Reaktion folgen, sagte der CSU-Politiker dem Sender n-tv. "Es kann nicht sein, dass wir uns sozusagen gläsern jedem Bürger in Deutschland darstellen. Jede Kreditkartenabrechnung, wo er eingekauft hat, wo er essen war, wo er Urlaub gemacht hat. Das ist George Orwell im 21. Jahrhundert."

Veröffentlicht wurden aber nicht nur Daten von Politikern. Auch der Chef der Deutschen Umwelthilfe, Jürgen Resch, zählt zu den Opfern. Und auch YouTuber, Künstler und Journalisten sind betroffen. Inzwischen ist das nationale Cyber-Abwehr-Zentrum zu einer Krisensitzung zusammengekommen.  Die Behörden arbeiteten mit Hochdruck daran, Ausmaß und Hintergründe des Angriffs zu ermitteln und die Betroffenen zu unterstützen, sagte Vize-Regierungssprecherin Fietz. Die Aufklärung werde aber noch einige Zeit in Anspruch nehmen.

Politiker kalt erwischt vom möglichen Hackerangriff
C. Reible, ARD Berlin
04.01.2019 13:07 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 04. Januar 2019 um 15:00 Uhr.

Darstellung: