Jahresbilanz 2010 - Die Köpfe des Jahres (1): Karl-Theodor zu Guttenberg - Der Aufsteiger

Stand: 21.12.2010 21:11 Uhr

Er lässt alle anderen Politiker in den Meinungsumfragen weit hinter sich: Verteidigungsminister zu Guttenberg ist so etwas wie der politische Gewinner des Jahres. Auch radikale Positionswechsel haben sein Ansehen nicht beschädigt, Kritik perlt an ihm ab.

Von Stephan Ueberbach, SWR, ARD-Hauptstadtstudio

Der Überflieger, der Gentleman-Politiker, der Mann des Jahres. Oder: Adel verpflichtet. Und: diese Guttenbergs. Was für ein Aufstieg: Vor zwei Jahren war Karl-Theodor zu Guttenberg noch Hinterbänkler mit Fachgebiet Außenpolitik, heute ist er Medienstar mit Obama-Appeal. In der Politikerhitliste liegt der Verteidigungsminister meilenweit vorn. Und hinter "KT" kommt lange nichts.

Verteidigungsminister zu Guttenberg und seine Frau Stephanie in Kundus
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Punkteten bei den Soldaten und beim Boulevard: Ehepaar zu Guttenberg auf Truppenbesuch in Afghanistan

Kritik perlt einfach an ihm ab. Sein schneidiges Urteil über den verheerenden Luftangriff von Kundus? Längst vergessen. Dass er sich erst als Fan der Wehrpflicht outet, um sie dann kurzerhand auszusetzen? Genauso abgehakt wie der umstrittene Familienausflug mit Gattin Stephanie nach Afghanistan samt Small-Talk auf der Kerner-Couch: "Ich werde meine Frau selbstverständlich wieder zu den Soldaten mitnehmen, wenn wir das für richtig halten, so wie es gestern richtig war", so zu Guttenberg. Dass der Krieg als Show-Kulisse herhalten muss, die Truppe als Staffage - geschenkt, das Publikum verzeiht einfach alles.

Bilanz 2010

Zum Jahresende 2010 zieht tagesschau.de Bilanz. Welche Politiker haben in den vergangenen zwölf Monaten für Schlagzeilen gesorgt, welche Themen haben die Agenda bestimmt und wie hat sich die Parteienlandschaft verändert? Reporter aus dem ARD-Hauptstadtstudio blicken zurück auf ein Jahr, das geprägt war von überraschenden Rücktritten, unerwarteten Popularitätszuwächsen und Reformen, die die politische Landschaft verändern.

Es wirkt, als habe der fränkische Freiherr in Drachenblut gebadet. "Eine quengeln jetzt: Der Guttenberg, der kriegslüsterne Minister. Es gehört sich, dass man dort unten vor Ort ist, sich die Dinge anschaut, das nicht nur vom Schreibtisch aus macht. Wo kommen wir dann hin", so der Minister.

Die Guttenbergs erscheinen wahlweise als Bürgerkönige oder deutsche Kennedys. Und der Boulevard ist begeistert, krakeelt, "Wir finden die gutt!" oder "Marschmarsch, ins Kanzleramt!". Auch in der zunehmend vermerkelten Union gilt Guttenberg vielen als kanzlertauglich. Der Baron aber will davon nichts wissen.

Karl-Theodor zu Guttenberg
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Vor kurzem noch galt die Wehrpflicht der Union noch als unverzichtbar - nun folgt sie der Position zu Guttenbergs.

Stattdessen Sacharbeit. Die Bundeswehrreform, zum Beispiel - durchaus ein politischer Leistungsnachweis. Denn die Union, die selbsternannte Partei der Wehrpflicht, ist in Rekordzeit auf Guttenberg-Linie gebracht. "Was wir nicht in diesem Lande haben dürfen, ist eine Bundeswehr nach Kassenlage. Wir brauchen keine Bundeswehr, die sich daraus definiert, was wir wir uns noch leisten können, sondern es geht auch darum, was uns die Sicherheit in diesem Lande eigentlich wert ist?", so zu Guttenberg.

Sehnsucht nach anderen Typen

Seine Popularität ist messbar. Sie scheint Ausdruck einer tiefen Sehnsucht nach authentischen Persönlichkeiten zu sein, nach eigenständigen Typen. Die frisch wirken und unabhängig, die anders klingen, und - weit weg vom verschwurbelten Polit-Sprech - einfach mal sagen, was ist, zum Beispiel in Afghanistan. Guttenberg, der Tabubrecher: "Da dürfen wir auch nicht um den heißen Brei herumreden, und ich glaube, das ist das wiederum, was die Soldaten von uns erwarten, dass wir deutlich das ansprechen, was vor Ort herrscht. Ich habe von kriegsähnlichen Zuständen gesprochen und ich hatte auch den Eindruck, dass das auch eine wichtige Klarstellung war."

Bundeswirtschaftsminister zu Guttenberg in New York
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Der Minister kennt den Wert guter Bilder - und die Kritik daran verpufft schnell.

Ganz bewusst grenzt sich Guttenberg ab von den grauen Berliner Apparatschiks. Inszeniert sich als Gegenentwurf zur politischen Kaste. Und lässt PR-Experten am Image des Anti-Politikers feilen. Aus Zufall passiert da rein gar nichts.

Und 2011? Im Herbst wählt die CSU einen neuen Vorsitzenden. Ein gutes Sprungbrett für die weitere Karriere. Seine Partei jedenfalls wäre bereit. "Er ist ein toller Mann, der viele Fähigkeiten mitbringt und der für unsere Partei von großer Wichtigkeit ist für die Zukunft", heißt es an der Parteibasis, oder: "Auf den Herrn von Guttenberg warten noch höhere Weihen", oder "Der Mann der CSU der Zukunft wird Karl-Theodor zu Guttenberg sein".

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