Menschen spazieren durch die Fußgängerzone in der Innenstadt Münchens. | picture alliance/dpa

Studie zu Corona-Folgen Wie die Pandemie Großstädte verändert

Stand: 06.07.2021 11:30 Uhr

Die Corona-Pandemie hat offenbar auch auf die Stadtentwicklung Auswirkungen. Das Wachstum in fast allen deutschen Großstädten sei im Jahr 2020 ausgebremst worden, erklären Forscher des Helmholtz-Zentrums in Leipzig.

Das Wachstum der Großstädte in Deutschland ist durch die Corona-Pandemie ausgebremst worden - zu dieser Einschätzung kommen Forscher des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig. Sie werteten für eine Studie Einwohnermeldedaten der 15 größten deutschen Städte aus.

Verantwortlich dafür seien eine geringere Zuwanderung, weniger Geburten und mehr Sterbefälle im ersten Corona-Jahr 2020, schreiben die Forscher um Professor Dieter Rink in einem Diskussionspapier. Auch für 2021 sehen die Wissenschaftler eher negative Vorzeichen.

Nur drei Großstädte mit etwas Wachstum

Die Wissenschaftler haben sich die Bevölkerungsentwicklung in Berlin, Hamburg, Frankfurt, Köln, München, Leipzig, Dresden, Hannover, Düsseldorf, Essen, Bremen, Stuttgart, Nürnberg, Dortmund und Duisburg angeschaut. Am Ende der 2010er-Jahre seien diese Städte fast ausnahmslos gewachsen, im Mittel um rund ein halbes Prozent zwischen 2017 und 2018. 2019 habe das Wachstum bei 0,36 Prozent gelegen. Im Jahr 2020 habe es dagegen ein durchschnittliches Minus von 0,18 Prozent gegeben.

Mit Leipzig, Hamburg und München hätten nur noch drei der Städte ein kleines beziehungsweise moderates Wachstum verbuchen können. Für die Großstädte sei die Zuwanderung - aus dem Ausland sowie aus dem ländlichen Raum - zuletzt von großer Bedeutung gewesen. 2020 habe es in dieser Hinsicht Einbrüche gegeben.

Forscher sehen mehrjährige Trends unterbrochen

Bei den Zuzügen schlug in allen Kommunen ein Minus von knapp 17 Prozent zu Buche, während die Fortzüge um neun Prozent sanken. Auch das Verhältnis von Geburten zu Sterbefällen sei voriges Jahr ungünstig gewesen: Einem Geburtenrückgang von 2,5 Prozent stand in den Städten ein Anstieg der Sterbefälle um knapp fünf Prozent gegenüber. "Wie es aussieht, wurden im ersten Corona-Jahr 2020 langjährige Trends der Einwohnerentwicklung in Deutschlands 15 größten Städten gebremst beziehungsweise unterbrochen", schreiben die UFZ-Forscher.

Auch für 2021 erwarten sie weiter rückläufige Einwohnerzahlen. Es sei zu vermuten, dass sich "nur noch geringe Wachstumsraten, Stagnation und vermehrt Schrumpfung beobachten lassen".

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Nova am 06. Juli 2021 um 16:30 Uhr in den Wissensnachrichten.