Das Heck des Segelschulschiffs "Gorch Fock" | Bildquelle: picture alliance/dpa

"Gorch Fock"-Sanierung Deals mit der Holz-Mafia?

Stand: 15.03.2019 15:44 Uhr

Neue Korruptionsvorwürfe überschatten die Sanierung der "Gorch Fock": Ein Lieferant soll Deals mit der asiatischen Holz-Mafia abgeschlossen haben. Die Hamburger Firma wehrt sich.

Von Alexander Buehler, SWR

Die "Gorch Fock" steckt seit langem in der Kritik: die lange Liegezeit, die explodierenden Reparaturkosten, möglicherweise Korruption. Und nun soll der Holzlieferant des Schiffes nach Angaben der britischen Umweltorganisation EIA (Environmental Investigation Agency) auch noch zweifelhafte Deals mit einer Holzmafia in Asien abgewickelt haben, um das begehrteste Holz der Welt zu kaufen: Teak aus Myanmar, das vor allem bei Yachten, Superyachten und der "Gorch Fock" verwendet wird.

Britische Aktivisten recherchierten undercover

In jahrelangen Undercover-Recherchen, bei denen EIA-Mitarbeiter als Holzeinkäufer posierten, seien sie auf die Spur eines transnationalen Netzwerks gekommen, sagt die EIA. "Wir haben festgestellt, dass es diesem Netzwerk unter Anwendung aller Mittel darum ging, an das beste Teak - und damit wertvollste Holz - heranzukommen."

Das Heck des Segelschulschiffs "Gorch Fock" | Bildquelle: picture alliance/dpa
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Das Teak-Holz wird für das Deck der "Gorch Fock" benötigt.

Dabei sei vor allem Korruption das Mittel der Wahl gewesen, sagt Jago Wadley von der EIA. Das Netzwerk um den so genannten "Teak-König" Cheng Pui Chee habe dem Präsidenten Myanmars Millionen US-Dollar gezahlt oder beispielsweise den führenden Funktionären in Militär oder Verwaltung des südostasiatischen Landes die Privatschulen ihrer Kinder und teure Krankenhausbehandlungen finanziert.

Hochwertiges Teakholz als minderwertig deklariert

In Myanmar wird der Forstsektor von der Verwaltungsbehörde MTE, Myanmar Timber Enterprise, beaufsichtigt. Die Beamten wählen aus, welche Bäume gefällt werden, welche Unternehmen Abholz-Konzessionen erhalten und wie die Auktionen ablaufen, auf denen die gefällten Bäume verkauft werden. Und hier setzte - laut EIA - das kriminelle Netzwerk an: Diese Beamten hätten demnach hochwertiges Teak als minderwertig markiert, das dann vom Netzwerk billig eingekauft wurde.

Doch das Netzwerk um den Chinesen Cheng Pui Chee aus Hongkong kaufte auch bei Unternehmen ein, die mehr Teak fällten als festgelegt. Oder bei chinesischen Firmen, die bewaffnete Holzfäller über die Grenze schickten, damit sie den Wald auf der Jagd nach Teak plünderten.

Vorwürfe gegen Hamburger Firma

Laut EIA sei einer der wichtigsten Partner des chinesischen "Teak-Königs" in Europa die Firma Alfred N. aus Hamburg gewesen. Ausgerechnet jene Firma, die auch das Teak für die "Gorch Fock" beschafft hat. EIA zufolge soll der Geschäftsführer der Hamburger Firma sogar den Teak-König persönlich kennengelernt haben. Das habe ein involvierter Holzhändler bei einem verdeckten Interview erklärt - und hinzugefügt, dass der Deutsche 2013 einige tausend Tonnen Teakbaumstämme direkt von Cheng Pui Chee gekauft haben soll.

In einer ausführlichen Stellungnahme dementiert die Hamburger Firma dies mit dem Hinweis: "2013 kauften wir insgesamt ca. 220 Tonnen Teak Rundholz, also nicht einmal zehn Prozent der im Report genannten Zahl."

Zum Holzlieferanten der "Gorch Fock" schreibt die EIA in ihrem Bericht "State of Corruption" auch: "Im Juli 2018 sahen EIA-Rechercheure bei der Firma Yuli Wood eine Ladung Teak, die von Myanmar nach China geschmuggelt worden war. Die Mitarbeiter von Yuli Wood sagten, das Holz würde von China (…) über Malaysia (…) und zu Peter E. in Deutschland transportiert." Peter E. ist der Geschäftsführer der Firma Alfred N.

Holzlieferant wehrt sich

Das Unternehmen dementiert: "Ein Teil unserer Sorgfaltspflicht hinsichtlich EUTR (Holzhandelssicherungsgesetz) besteht auch darin, dass in unserer Lieferkette eine Verschiffung aus Yangon Bestandteil sein muss – dies ist Voraussetzung für einen legalen Import. Uns des Besitzes/Weiterverkaufs von Holz aus China zu bezichtigen ist nicht nur unwahr, es schadet auch unserer Reputation."

Renovierungsarbeiten an der Gorch Fock | Bildquelle: Bundeswehr
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Erst gestern hatte Verteidigungsministerin von der Leyen mitgeteilt, dass der Sanierungsstopp aufgehoben sei.

Sicher ist: Auch den Unterlagen der zuständigen Behörde zufolge, die dem SWR vorliegen, wurde das Teak für die "Gorch Fock" immer wieder aus Malaysia verschifft. Ein Zufall? Selbst die zuständige Behörde versah die Unterlagen mit einem Fragezeichen - allerdings ohne dem auf den Grund zu gehen.

"Das Teakholz für die 'Gorch Fock' muss als illegal betrachtet werden und stammt - laut Recherchen - aus organisierter Kriminalität. Dieser Import bricht alle deutsche und europäische Gesetzgebung im Holzhandel," sagt die Grünen-Bundestagsabgeordnete Steffi Lemke.

Dazu schreibt die Firma Alfred N.: "Die meisten Vorwürfe sind Behauptungen, generiert aus Aussagen von Personen, welche wir entweder nicht kennen, seit langem kein Kontakt mehr zu haben oder seit Jahren keine Ware von bezogen haben. (…) Das Holz für die 'Gorch Fock' wurde von der zuständigen Behörde, der BLE, gesondert geprüft."

"Hehlerware" oder legaler Import?

Doch Lemke sieht im Import ein größeres Problem: "Das Ministerium schafft mit dieser Hehlerware einen katastrophalen Präzedenzfall und wird seiner Vorbildfunktion nicht gerecht: Hier wird der Branche signalisiert, dass geltendes Recht gebrochen werden kann, ohne Konsequenzen zu befürchten." In ihrer Stellungnahme wehrt sich die  Hamburger Firma heftig und meint, direkt auf Lemkes Äußerung bezogen: "Der Begriff 'Hehlerware' ist schlichtweg eine Lüge", und wirft der Grünen eine "Falschaussage" vor.

Die Vorwürfe, die im Raum stehen, wiegen schwer. Erst eine eingehende, unabhängige Untersuchung könnte Klarheit schaffen. Das Verteidigungsministeriums bleibt bei seiner Position: Wenn das Holz schon mal da ist, kann es auch verwendet werden, obwohl Report Mainz schon vergangenes Jahr nachgewiesen hatte, dass der Holzimport gegen deutsche Gesetze verstößt. Aber: Die "Gorch Fock" soll wieder segeln, Teak-Deck inklusive.

Über dieses Thema berichtete die ARD in der Sendung "Report Mainz" am 26. September 2018 um 05:00 Uhr.

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