Mehr als 300 Deutsche warten auf dem internationalen Flughafen in Manila auf einen Lufthansa-Flug, der von der deutschen Botschaft auf den Philippinen wegen der Covid-19-Pandemie gechartert wurde. | Bildquelle: dpa

Touristen in der Corona-Krise Rückflüge für 14.000 Euro

Stand: 27.03.2020 17:48 Uhr

Noch immer sitzen Tausende deutsche Urlauber im Ausland fest. Viele fühlen sich von Botschaften und Airlines im Stich gelassen - und in einigen Ländern spitzt sich die Sicherheitslage zu.

Von Marcel Kolvenbach, SWR

Im Paradies gestrandet - so geht es Jonas H. 25, der mit seiner Freundin und weiteren Deutschen aus dem Raum Karlsruhe in der philippinischen Provinz Palawan festsitzt. Die Hotels wurden für Ausländer geschlossen, überall sind Straßensperren, die man ohne Sondergenehmigung nicht passieren darf. Auf der Straße werden sie von Einheimischen beschimpft. "Wir wurden angerempelt und auf Englisch ausgeschimpft, weil die Menschen glauben, wir würden das Coronavirus ins Land bringen", berichtet der IT-Experte. "Seitdem verlassen wir nicht mehr das Haus. Unsere philippinischen Gastgeber müssen jetzt für uns einkaufen gehen."

Ob sie hier bleiben können, ist ungewiss. "Jeden Tag patrouillieren drei bis vier uniformierte Militärs und kontrollieren, ob wir noch alle da sind", sagt Jonas. Es gebe eine große Unsicherheit bei den Deutschen, wie die Regierung in den kommenden Tagen mit den Ausländern umgehen werde. Nun sind sie provisorisch untergebracht bei Einheimischen und versuchen, das Beste aus ihrer Lage zu machen. Vergeblich haben sie versucht, die Botschaft zu erreichen.

Urlauber an einem Lagerfeuer auf den Philippinen | Bildquelle: Kevin H.
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Jonas H. (L.) und ein Freund an einem Lagerfeuer auf den Philippinen. Wie es die nächsten Tage weitergeht, weiß keiner.

Vom Hotel in die Jugendherberge

So ergeht es auch Heinz und Doris Frost in Australien. Die beiden Rentner wären vor genau einer Woche wieder nach Deutschland zurückgekehrt, doch dann konnten sie ihren Rückflug mit "Emirates" nicht antreten. Seit einer Woche pendeln sie nun immer wieder mit dem Taxi zum Flughafen auf der Suche nach Flügen. Ihr deutscher Nachbar hat aus der Ferne versucht, Unterstützung vom Auswärtigen Amt zu mobilisieren. Die Deutsche Botschaft in Australien empfiehlt, sich um eine Rückreise zu bemühen. "Noch sind einige Rückwege offen."

Der Nachbar hat für die Frosts nachgeschaut, tatsächlich gebe es noch Flüge nach Deutschland: für 14.000 Euro pro Person. Es soll Verzweifelte geben, die Kredite aufgenommen haben, um sich so einen Flug zu leisten. Für die Frosts keine Option. Sie überlegen, ob sie, wenn die Hotels weiterhin die Preise erhöhen, demnächst in die Jugendherberge ziehen müssen.

Urlauber sitzen auf einer Bank in Australien. | Bildquelle: AnnePohls
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Heinz (L.) und Doris Frost - hier mit ihrem Neffen - sitzen in Australien fest.

Online-Petition #HoltUnsHeim

Autorin und Netzaktivistin Ayesha Khan betreut von Deutschland aus aktuell rund 130 Personen, die in Pakistan gestrandet sind. Viele von ihnen haben Familie im Land. Jetzt sitzen sie in der Provinz Sindh im Süden fest und können wegen der Ausgangssperre ohne die Hilfe der Deutschen Botschaft überhaupt nicht bis Islamabad reisen.

Vor Ort sind sie als Minderheit mit deutschem Pass nicht mehr erwünscht. Gleichzeitig haben sie selbst den Eindruck, als Deutsche mit familiären Wurzeln vor Ort nicht mit der gleichen Priorität behandelt zu werden wie gestrandete Touristen. In ihrer Verzweiflung haben sie jetzt eine Online-Petition gestartet: Lieber Herr Maas, #HoltUnsHeim.

Auch Memet Kilic, der Vorsitzende des Bundesintegrationsrates hat sich mit einem Brief an Bundesaußenminister Heiko Maas gewandt - "weil wir uns Sorge um die Menschen machen, die ihren Lebensmittelpunkt dauerhaft in Deutschland haben, aber nicht die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen". Gegenüber dem SWR sagte Kilic, dass es fatal wäre, wenn in Krisenzeiten zwischen Deutschen erster und zweiter Klasse unterschieden würde. Bisher habe er noch keine Antwort auf seinen Brief erhalten.

Das Bangen um einen Rückflug

Aus dem Auswärtigen Amt heißt es zu der Situation: "Die Bundesregierung will gestrandeten Deutschen eine Rückkehr nach Deutschland ermöglichen. Über 160.000 Menschen sind in den letzten Tagen bereits zurückgekehrt. Wo noch Möglichkeiten zur Rückreise mit eigenen Mitteln bestehen, sollten diese genutzt werden. Wo dies nicht mehr möglich ist, bemühen sich das Auswärtige Amt und seine Auslandsvertretungen mit Hochdruck um Lösungen."

Mit jedem Tag der Ungewissheit wird die Lage der Gestrandeten verzweifelter. Nur wenige richten sich jetzt auf einen längeren Aufenthalt ein. Jonas H. aus Karlsruhe hat Glück im Unglück, denn er kann als IT-ler ab sofort von seinem Laptop aus auf den Philippinen für seinen deutschen Arbeitgeber arbeiten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. März 2020 um 11:00 Uhr.

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