Gesichtserkennung am Bahnhof Berlin-Südkreuz (Archivbild) | Bildquelle: dpa

Fazit nach Testphase Gesichter zu mehr als 80 Prozent erkannt

Stand: 11.10.2018 20:11 Uhr

Ein Experiment zur automatischen Gesichtserkennung am Berliner Bahnhof Südkreuz hat eine Trefferquote von mehr als 80 Prozent erreicht. Das von Datenschützern kritisierte Projekt soll nun fortgesetzt werden.

Das Bundesinnenministerium wertet das Pilotprojekt zum Test von Gesichtserkennungssystemen am Berliner Bahnhof Südkreuz als Erfolg. Die jetzt abgeschlossene Auswertung der am 31. Juli beendeten Tests zeige, "dass Gesichtserkennungssysteme in Zukunft einen wesentlichen Mehrwert für die polizeiliche Arbeit, insbesondere der Bundespolizei, darstellen können", erklärte das Ministerium. Innenminister Horst Seehofer äußerte sich zuversichtlich mit Blick auf eine künftige Einführung.

80 Prozent korrekte Identifizierungen

Die durchschnittliche Trefferrate lag der Mitteilung zufolge bei dem besten getesteten System unter realistischen Testbedingungen bei mehr als 80 Prozent. Dabei sei unerheblich gewesen, "ob eine oder mehrere Personen den Testbereich durchschreiten, die Personen eine Brille oder einen Schal tragen". In weniger als 0,1 Prozent der Fälle sei ein Mensch von der Software verwechselt worden.

Gesichtserkennung am Bahnhof Berlin-Südkreuz (Archivbild) | Bildquelle: dpa
galerie

Vier Fünftel der im System gespeicherten Gesichter wurden wiedererkannt.

"Die Systeme haben sich in beeindruckender Weise bewährt, so dass eine breite Einführung möglich ist", erklärte Seehofer. Gespräche dazu sollen laut Innenministerium nun zeitnah aufgenommen werden. Dabei sollten "auch der Datenschutz und das Recht auf informationelle Selbstbestimmung beachtet werden".

Positiv äußerte sich auch der Chef der Bundespolizei, Dieter Romann: "Die Technik erleichtert es, Straftäter ohne zusätzliche Polizeikontrollen zu erkennen und festzunehmen. Dies bedeutet einen erheblichen Sicherheitsgewinn", erklärte er.

Datenschützer sehen Probleme

Datenschützer kritisieren die automatisierte biometrische Gesichtserkennung scharf. Sie sagen, durch die Technik würden Persönlichkeitsrechte von Menschen verletzt, der Überwachungsstaat weite sich aus.

Bisher nur freiwillige Probanden

Der Test an dem Bahnhof hatte am 1. August 2017 begonnen. Dafür meldeten sich 312 Pendler freiwillig. Fotos der Teilnehmer des Versuchs wurden im Testzeitraum automatisch - bei Tag und Nacht - mit den Aufnahmen von an dem Bahnhof installierten Videokameras abgeglichen.

Nächste Phase wahrscheinlich im Januar

In einem zweiten Versuch soll voraussichtlich ab Januar 2019 getestet werden, inwieweit Computerprogramme gefilmte Situationen und Gegenstände analysieren können. Damit will die Deutsche Bahn feststellen, wie gut die Programme seltene oder gefährliche Abweichungen von der Normalität im Bahnhof erkennen können.

Dazu zählen beispielsweise hilflose Menschen und Gegenstände, die stehengelassen wurden oder Menschengruppen, die ein auffälliges Verhalten zeigen - etwa indem sie alle schnell zu einer bestimmten Stelle laufen.

Bundesinnenministerium wertet Projekt zur Gesichtserkennung aus
Julia Barth, ARD Berlin
12.10.2018 06:47 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. Oktober 2018 um 20:00 Uhr in den Nachrichten.

Darstellung: