Autos fahren bei leichtem Regen über eine winterliche Landstraße in Niedersachsen. (Archivbild) | dpa

Extremwetter am Wochenende Viel Schnee und Eis im Norden erwartet

Stand: 06.02.2021 09:00 Uhr

Bis zu 20 Grad könnte der Temperaturunterschied zwischen Nord- und Süddeutschland am Wochenende betragen. Die möglichen Folgen an der Grenze zwischen warm und kalt: heftiger Schneefall und Eisregen. Die Bahn warnt, es könnten Züge ausfallen.

Schneesturm und Dauerfrost im Norden, Eisregen in der Mitte und frühlingshafter Föhn im Süden: Deutschland steht am Wochenende eine Extremwetterlage bevor. Meteorologen sprechen bereits von einem "denkwürdigen Ereignis mit Seltenheitswert" und ziehen Vergleiche zum Winter 1978/79, der in Norddeutschland für ein Chaos gesorgt hatte.

Zwischen Nord- und Süddeutschland erwarten Experten ein Temperaturgefälle von rund 20 Grad Celsius. "So etwas kommt nicht alle Tage vor", sagte ein Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes (DWD).

Ein Jogger läuft durch den verschneiten Bürgerpark in Bremen.  | dpa

Vor allem in Bremen und Niedersachsen wird unwetterartiger Schneefall erwartet. Bild: dpa

Bis zu 40 Zentimeter Neuschnee möglich

Vor allem in einem breiten Streifen von Niedersachsen und dem Münsterland bis nach Brandenburg und Sachsen kann es kräftig und teils unwetterartig schneien. Bis zum Montag könnten gebietsweise zehn bis 25 Zentimeter Neuschnee zusammenkommen, vor allem im Nordwesten sind nach DWD-Angaben auch Mengen von 30 bis 40 Zentimeter nicht ausgeschlossen. Zudem frischt der Ostwind von der Ostseeküste her in Böen auf und kann den frischen Neuschnee verwehen.

Im Ruhrgebiet, dem Siegerland, in Mittelhessen und Oberfranken hingegen besteht von Sonntagnachmittag bis Montag die Gefahr von gefrierendem Regen, der eine mehrere Zentimeter dicke Eisschicht zur Folge haben könnte.

Ursache für das seltene Wetterphänomen ist zum einen das über Gibraltar liegende Tiefdruckgebiet "Tristan", das einen kräftigen Schwall feucht-milder Luft in den Süden strömen lässt. Vom Nordmeer bis ins östliche Mitteleuropa herrscht hingegen hoher Luftdruck. Dadurch fließt extrem kalte Luft aus der Polarregion direkt in den Norden Deutschlands. Diese bringt dem Nordosten und Norden in der Nacht zum Dienstag Temperaturen bis minus 15 Grad Celsius.

Am eingeschneiten Ostseestrand von Graal-Müritz sind Spaziergänger unterwegs. | dpa

Starker Wind von der Ostseeküste kann den frischen Neuschnee verwehen Bild: dpa

Bahn ändert Stornierungregeln

Der DWD rechnet mit "erheblichen Verkehrsbehinderungen" durch den unwetterartigen Eisregen und Schäden an der Natur durch Eisbruch. Die Deutsche Bahn warnte wegen des angekündigten Schneefalls bereits vor Ausfällen und Verspätungen im Zugverkehr. Kunden können ihre bereits gebuchten Tickets im Fernverkehr "bis einschließlich sieben Tage nach Störungsende entweder flexibel nutzen oder kostenfrei stornieren".

Die Bahn bereitet sich eigenen Angaben zufolge darauf vor, vor allem ab Samstagmittag schnell reagieren zu können. Schneeräumtrupps stehen demnach für Bahnhöfe bereit, mit schweren Räumfahrzeugen könnten Schienen von Eis und Schnee befreit werden.

Auf den norddeutschen Autobahnen bereitet sich der Winterdienst auf einen Schneeeinsatz vor. Die Autobahnmeistereien stünden mit rund hundert Räum- und Streufahrzeugen und 250 Mitarbeitern rund um die Uhr bereit, um am Wochenende die etwa 750 Kilometer Autobahn im Norden schnee- und eisfrei zu halten, teilte die Niederlassung Nord der Autobahn GmbH des Bundes mit. Sie ist für die Autobahnen in Schleswig-Holstein, Hamburg und dem nördlichen Niedersachsen zuständig.

Angebote für Obdachlose ausgeweitet

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAGW) befürchtet angesichts der teilweise frostigen Temperaturen weitere Kältetote. Kommunen sollten in dieser Situation zusätzliche Kälteschutzangebote rund um die Uhr öffnen, forderte die Organisation. Bürgerinnen und Bürger sollten auf Hilfsbedürftige achten. In diesem Winter seien deutschlandweit bislang mindestens 17 Wohnungslose erfroren, davon fünf in Hamburg, drei in Berlin und zwei in Mainz. Seit dem Winter 2009/2010 habe es nicht mehr so viele erfrorene Wohnungslose in Deutschland gegeben.

In vielen norddeutschen Städten weiten die Wohlfahrtseinrichtungen ihre Angebote für Obdachlose aus. In Hamburg will etwa die Diakonie ihre Tagesaufenthaltsstätte für Wohnungslose am Wochenende öffnen.

Auch in Niedersachsen und Bremen stellen sich die Dienste auf arbeitsreiche Tage ein. In Hannover, Oldenburg und Bremen ist die beispielsweise die Johanniter-Unfall-Hilfe mehrfach in der Woche jeweils abends mit "Kältebussen" unterwegs und verteilt heiße Getränke, Suppe, Schlafsäcke, Isomatten, Bekleidung und Masken. Besonders gefragt seien gerade warme Handschuhe, Schals und vor allem dicke Socken, teilte die Organisation mit. Die Marktkirche in Hannover kündigte an, ab Sonntag, 18 Uhr, Obdachlosen auch über Nacht Unterschlupf zu gewähren. Das Angebot gilt zunächst bis zum 14. Februar.

Über dieses Thema berichtete NDR am 05. Februar 2021 um 16:00 Uhr.