Westin-Hotel in Leipzig | dpa

Antisemitismus-Vorwürfe Leipziger Westin - ein Fall für den Staatsanwalt

Stand: 06.10.2021 18:03 Uhr

Nach den Antisemitismus-Vorwürfen gegen ein Leipziger Hotel hat die Staatsanwaltschaft Leipzig die Ermittlungen zu dem Fall aufgenommen. Der beschuldigte Angestellte stellte indes Anzeige wegen Verleumdung und Bedrohung.

Aufgrund der Antisemitismusvorwürfe des Musikers Gil Ofarim gegen ein Leipziger Hotel haben die Behörden nun Ermittlungen aufgenommen. "Die Staatsanwaltschaft prüft die gegen den Mitarbeiter des Hotels erhobenen Vorwürfe", teilte ein Sprecher der Anklagebehörde mit.

Zugleich stellte der beschuldigte Hotelangestellte Anzeige wegen Verleumdung. Der Mann habe den Vorfall "deutlich abweichend geschildert", sagte eine Sprecherin der Polizei. Der Mitarbeiter habe zudem eine zweite Anzeige wegen Bedrohung gestellt, weil er über seinen Instagram-Account entsprechende Drohnachrichten erhalten habe. Bei der Staatsanwaltschaft sei außerdem eine Anzeige eines unbeteiligten Dritten wegen Volksverhetzung gegen den Hotelmitarbeiter eingegangen.

Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft erklärte weiter, es lägen keine Erkenntnisse im Zusammenhang mit rechtsgerichteten und antisemitischen Straftaten gegen den beschuldigten Hotelmitarbeiter vor. Auch zu einer von Ofarim in einem Video zu dem Vorfall erwähnten zweiten Person lägen bisher keine weiteren Erkenntnisse vor.

Ofarim: "Es war genauso"

Ofarim hatte in seinem am Dienstag auf Instagram veröffentlichten Video berichtet, dass er am Montag in dem Hotel aufgefordert worden sei, seine Kette mit Davidstern abzunehmen. Erst wenn er den Stern abnehme, dürfe er einchecken, soll ihm gesagt worden sein.

Im Interview mit "Spiegel online" erklärte der Musiker Ofarim, er bleibe bei seiner Darstellung: "Es war genauso, wie ich es in dem Video gesagt habe, es gab keinen Streit oder Ähnliches." Er fände es "beschämend und traurig, dass ich mich nach diesem Vorfall auch noch rechtfertigen und erklären muss".

Umstrittene Solidaritätsbekundung

Das Leipziger Westin-Hotel beurlaubte indes zwei Mitarbeiter. Dies gilt laut einer Sprecherin der Marriott-Gruppe zunächst für die Dauer der Ermittlungen.

Mitarbeiter mit einem Banner vor dem Westin-Hotel in Leipzig | dpa

Solidaritätsaktion der Westin-Mitarbeiter nach dem Vorfall in ihrem Hotel. Bild: dpa

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hatten am Dienstagabend bei einer Solidaritätskundgebung vor dem Gebäude ein Banner hochgehalten, auf dem neben dem Hotelnamen auch die Flagge Israels und der islamische Halbmond zu sehen waren.

"Nach der antisemitischen Anfeindung gegen einen Juden in Deutschland fällt dem Hotel nichts anderes ein, als die israelische Flagge und Symbole des Islam auf ein Banner zu drucken", sagte der Präsident des Zentralrats, Josef Schuster, der Deutschen Presse-Agentur.