Feuerwehrleute arbeiten auf Bahngleisen an umgestürzten Bäumen | dpa

Neues Sturmtief im Anmarsch Auf "Ylenia" und "Zeynep" folgt "Antonia"

Stand: 20.02.2022 04:15 Uhr

Mehrere Tote und immense Schäden sind die Bilanz der vergangenen Sturmtage. Ruhe soll erst am Dienstag einkehren - zuvor erfasst Sturmtief "Antonia" Deutschland. Vor allem umstürzende Bäume können gefährlich werden.

Das ganze Ausmaß der von "Ylenia" und "Zeynep" verursachten Schäden ist noch gar nicht erfasst, da droht bereits neues Ungemach: Sturmtief "Antonia" soll im Tagesverlauf zunächst starke bis stürmische Böen bringen. Turbulent könne dann die Nacht zum Montag werden, teilte der Deutsche Wetterdienst (DWD) mit. Schwere Sturmböen oder orkanartige Böen seien möglich.

Besondere Gefahr geht von Bäumen aus, wie DWD-Meteorologe Adrian Leyser erklärte. "Die ohnehin durch die vorangegangenen Stürme in Mitleidenschaft gezogenen und in teilweise stark aufgeweichten Böden stehenden Bäume können dabei leicht umstürzen."

Großer finanzieller Schaden

Orkantief "Zeynep" hatte zum Start ins Wochenende für Sturmflut im Norden, Ausfälle im Bahnverkehr und Unfälle auf den Straßen gesorgt. Auch in anderen europäischen Ländern sorgte der Sturm für Tote und Schäden, teils schon am Freitag. Insgesamt starben in Europa 13 Menschen, berichtete die Nachrichtenagentur AFP. Hunderttausende Menschen in England, Polen und Tschechien waren zeitweise ohne Strom.

Nach einer ersten Schätzung verursachte "Zeynep" in Deutschland versicherte Schäden von über 900 Millionen Euro. Der Sturm sei der intensivste seit "Kyrill" im Jahr 2007 gewesen, teilte die auf Versicherungsmathematik spezialisierte Unternehmensberatung Meyerthole Siems Kohlruss (MSK) mit.

Die versicherten Schäden des vorangegangenen Sturms "Ylenia" hatte das Unternehmen auf 500 Millionen Euro geschätzt. Die Gesamthöhe der Schäden dürfte noch größer sein, denn als versicherte Schäden werden nur solche gezählt, für die am Ende tatsächlich eine Versicherung aufkommt.

Spitzenwert bei 162 Kilometern pro Stunde

Das Sturmtief hatte Deutschland mit Windgeschwindigkeiten von örtlich mehr als 160 Kilometern pro Stunde überquert. Der höchste Wert wurde in der Nacht zum Samstag mit rund 162 Kilometern pro Stunde am Nordsee-Leuchtturm "Alte Weser" gemessen, wie der DWD mitteilte. Bei Büsum an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste erreichte der Orkan demnach Geschwindigkeiten von rund 143 km/h. Am Flugplatz Nordholz bei Cuxhaven und am Leuchtturm Kiel wurden in der Spitze rund 140 km/h registriert. Auf der ostfriesischen Insel Spiekeroog blies der Orkan mit rund 135 Kilometern in der Stunde.

Auf den Gipfeln der Mittelgebirge wurden ebenfalls hohe Geschwindigkeiten gemessen. Der 1141 Meter hohe Brocken im Harz etwa meldete laut DWD rund 146 km/h.

Hamburg erlebte beim "Zeynep"-Durchzug erstmals seit 2013 wieder eine sehr schwere Sturmflut mit mehr als 3,5 Metern über dem mittleren Hochwasser. In Bremen stürzte ein 55 Meter großer Baukran in ein im Rohbau befindliches Bürogebäude, in Hamburg stürzten bei einem viergeschossigen Wohnhaus Teile der Fassade ein. In Bad Zwischenahn kippte eine rund neun Meter hohe Fichte auf ein Klinikgebäude, verletzt wurde niemand. Die Nordseeinseln Wangerooge und Langeoog büßten erhebliche Teile ihres Badestrandes ein.

Bahnausfälle bis Montag

Immense Folgen hatten die Sturmtage auch für den Reiseverkehr. Die Deutsche Bahn (DB) hatte den Zugverkehr am Freitag teilweise eingestellt, die vor allem den Norden betreffenden Ausfälle hielten am Wochenende vielfach an. "Die Prognose für den Sonntag und auch den Montag bleibt schwierig", sagte DB-Sprecher Achim Stauß am Samstagabend.

Auf mehr als 1000 Streckenkilometern gebe es Schäden an der Bahninfrastruktur. Räumtrupps seien rund um die Uhr im Einsatz, um umgestürzte Bäume zu beseitigen und Oberleitungen zu reparieren. Aufgrund der Unwetterschäden sei im Norden Deutschlands und in Nordrhein-Westfalen bis mindestens Montagnachmittag mit Verspätungen und Zugausfällen zu rechnen, teilte die DB auf ihrer Seite mit. Weiterhin verkehren keine Fernverkehrszüge nördlich von Dortmund und Berlin. Zwischen Berlin, Hannover und Köln sowie München, Hannover, Bremen und Hamburg verkehren demnach vereinzelt ICE-Züge.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 19. Februar 2022 um 23:25 Uhr.