Eine Gondelkabine nähert sich der Bergstation am Feldberg. | SWR

Energiepreise Eingeschränktes Skivergnügen

Stand: 03.10.2022 07:18 Uhr

Seilbahnen, die langsamer fahren, weniger Beschneiung - und erhöhte Ticketpreise: Die Skigebiete in Deutschland bereiten sich auf einen harten Winter vor. Für Skifahrer bedeutet das Einschränkungen.

Von Eva Macht und Ina Held, SWR

Noch schweben die Gondeln am Feldberg im Schwarzwald über grüne Wiesen. Die Liftbetreiber aber denken schon an die kommende Wintersaison - ein bisschen mit Grauen, angesichts der explodierenden Energiepreise. Der Feldberg ist mit 1493 Metern nicht nur der höchste Berg im Schwarzwald, er beheimatet auch das größte Skigebiet Baden-Württembergs. Und das soll auch in diesem Winter Skifahrer und Skifahrerinnen anlocken, aber die Liftbetreiber wollen mit Bedacht agieren.

Eva Macht

"Wenn viel los ist an den Wochenenden, bei schönem Wetter müssen wir die Lifte öffnen, damit auch alle bedient werden", sagt Julian Probst, Geschäftsführer der Feldbergbahnen GmbH. "Aber umgekehrt, wenn wenig los ist, wollen wir natürlich Energie einsparen und dann eben diese Lifte stehen lassen."

Nur sechs Anlagen

14 Lifte und Bahnen bringen normalerweise die Wintersportler in das Skigebiet. Die steigenden Preise für Strom und Gas sorgen nun für neue Überlegungen. "Man könne auch mit nur sechs der Anlagen das gesamte Pistengebiet ohne Einschränkungen abdecken", so Johannes Albrecht, Bürgermeister der Gemeinde Feldberg und Liftverbundsvorsitzender der Feldbergbahnen.

Das reduzierte Angebot möchte man aber möglichst in die Nebensaison verlegen, in der Hauptsaison solle das Angebot größer bleiben. Die Wintersaison in den deutschen Skigebieten startet meistens Anfang Dezember und die ist wichtig, auch für die Region Feldberg. "Von der Wintersaison," erläutert Albrecht weiter, "hängen die direkten, ganzjährigen und unbefristeten Arbeitsplätze im Tourismus und bei Dienstleistungen ab."

Alles auf den Prüfstand

Auf die Wintersaison bereitet man sich auch beim Verband Deutscher Seilbahnen und Schlepplifte (VDS) vor. "Grundsätzlich werden in diesem Jahr alle Bereiche des Seilbahnbetriebs auf den Prüfstand gestellt", so der VDS-Vizepräsident Peter Lorenz. Man denke zum Beispiel an eine Reduzierung der Fahrgeschwindigkeit, an ein Abschalten der Sitzheizungen, aber auch an Einschränkungen der Beleuchtung und Innenraumtemperaturen. Trotz aller Bemühungen um Energieeinsparungen werde man um Preiserhöhungen bei den Tickets nicht herumkommen. Festlegen werde man die Liftpreise erst Ende Oktober, man könne aber schon jetzt von einer Preissteigerung von "etwa zehn bis zwölf Prozent ausgehen", so Lorenz.

Bei den Alpenbahnen Spitzingsee in den bayrischen Alpen rechnet man mit einer Steigerung der Energiekosten um das Drei- bis Sechsfache. Was das für die Ticketpreise konkret bedeutet, lässt man auch hier offen, will die Tarife erst im Laufe des Herbstes veröffentlichen. Wintersportler können aber davon ausgehen, dass auch im traditionsreichen und beliebten Skigebiet vor den Toren Münchens die Liftpreise steigen. Und: "Auf Beschneiung werden wir nicht verzichten", erläutert Antonia Asenstorfer von den Alpenbahnen Spitzingsee, "um eine gesicherte Skisaison zu gewährleisten. Wir steuern unsere Beschneiungsanlagen jedoch so energieeffizient wie möglich und vor allem in den Nachtstunden, in denen kein Energiemangel herrscht."

BUND gegen Schneekanonen

Beim BUND Naturschutz in Bayern hält man den Einsatz von Schneekanonen generell für nicht sinnvoll, insbesondere aber in den heutigen Zeiten der Energiekrise. "Die Skigebiete müssten sich durch den Klimawandel sowieso umstellen", fordert Bayerns BUND-Vorsitzender Richard Mergner. "Ein Verzicht auf Beschneiung könne in einem Winter zwölf Millionen Kilowattstunden Strom sparen, zudem Millionen Liter Wasser."

Im Skigebiet Sudelfeld, 80 Kilometer südlich von München, will man seine 31 Kilometer weitläufigen Abfahrten dennoch nicht ohne Kunstschnee betreiben. "Man wartet aber damit", so der Geschäftsführer der Bergbahnen Sudelfeld, Egid Stadler, "bis es richtig kalt ist." Denn je kälter die Witterung - umso weniger Energie brauche es für die Schneeproduktion.

Über dieses Thema berichtete SWR4 BW am Vormittag am 28. August 2022 um 09:00 Uhr.