Menschen stehen vor einem Testzentrum in der Schlange. | dpa

Corona-Lage in Deutschland Erstmals mehr als 80.000 Neuinfektionen

Stand: 12.01.2022 07:45 Uhr

Es ist ein neuer Rekordwert in Deutschland: Das RKI verzeichnete 80.430 Corona-Neuinfektionen binnen 24 Stunden. Angesichts der Omikron-Variante gehen Experten davon aus, dass eine Ansteckung bald kaum noch zu vermeiden sein wird.

Die Zahl der binnen eines Tages ans Robert Koch-Institut übermittelten Corona-Neuinfektionen hat erstmals die Schwelle von 80.000 Fällen überschritten. Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten nach RKI-Angaben 80.430 Fälle in 24 Stunden. Vor genau einer Woche waren es 58.912 erfasste Neuinfektionen, wobei es im Zuge der Feiertage Lücken bei Tests und Meldungen gegeben hatte.

Sieben-Tage-Inzidenz steigt auf über 400

Die Sieben-Tage-Inzidenz gab das RKI mit 407,5 an. Zum Vergleich: Am Vortag hatte der Wert bei 387,9 gelegen. Vor einer Woche lag die bundesweite Inzidenz bei 258,6 (Vormonat: 390,9).

Regional liegen die Inzidenzwerte weit auseinander. Das Bundesland Bremen verzeichnet mit 1296,8 nach wie vor die höchste Inzidenz. Mit deutlichem Abstand folgt Berlin, dort liegt der Wert bei 856,4. Schleswig-Holstein (633,0) und Hamburg (568,9) melden ebenfalls eine Inzidenz über 500, in den übrigen Bundesländern liegt sie darunter. Am niedrigsten ist der Wert mit 239,5 derzeit in Sachsen - dem Bundesland, das noch vor kurzem die höchsten Werte hatte.

Vermutet wird, dass diese Unterschiede einerseits mit der im Norden früher begonnenen Verbreitung der Omikron-Variante zusammenhängen und andererseits mit der größeren Ansteckungsgefahr in Großstädten.

Ansteckung bald wohl nicht mehr vermeidbar

Mit Blick auf Omikron gehen internationale Experten davon aus, dass eine Ansteckung bald kaum noch zu vermeiden sein wird. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnte am Dienstag unter Berufung auf eine Hochrechnung davor, dass sich in zwei Monaten schon über die Hälfte der Menschen in Europa mit der Omikron-Variante infiziert haben könnten.

Auch der Corona-Berater der US-Regierung, Anthony Fauci, rechnet damit, dass Omikron früher oder später fast alle Menschen treffen wird. "Mit der außergewöhnlichen und beispiellosen Effektivität der Übertragung wird Omikron letztlich fast jeden finden", sagte der Immunologe. Auch Geimpfte würden infiziert werden, aber die meisten von ihnen würde es nicht so schwer treffen, sagte Fauci im Gespräch mit dem Thinktank Zentrum für strategische und internationale Studien (CSIS). Am schlimmsten werde es für jene, die immer noch nicht geimpft seien.

Faucis Aussage kam nur Stunden nach einer ähnlichen Warnung der amtierenden Chefin der US-Arzneimittelbehörde FDA, Janet Woodcock. "Es ist schwer zu verarbeiten, was im Moment tatsächlich passiert, nämlich, dass die meisten Menschen Covid bekommen werden", sagte Woodcock bei einer Anhörung im US-Senat zu Omikron.

Die EU-Arzneimittelbehörde EMA hält es in diesem Zusammenhang allerdings für möglich, dass die rasante Ausbreitung der Omikron-Variante zu einer endemischen Lage führen könne. Omikron könne wie ein "natürlicher Booster" wirken, sagte Marco Cavaleri, Leiter der EMA-Abteilung biologische Gesundheitsbedrohungen und Impfstrategien, am Dienstag auf einer Online-Pressekonferenz. "Wenn viele Menschen eine starke Immunität haben, könnte das der Weg zur Endemie sein."

In einigen Ländern ist die Verbreitung der Virusvariante Omikron schon deutlich weiter vorangeschritten als in Deutschland - etwa in den USA und in Großbritannien, wo sie bereits seit einiger Zeit dominiert. Die Datenlage in Deutschland ist allerdings auch nicht besonders sicher - hierzulande werden verhältnismäßig wenige positive PCR-Tests auf die Virusvariante hin überprüft.

348 weitere Todesfälle

Deutschlandweit wurden nach den neuen Angaben binnen 24 Stunden 384 Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 346 Todesfälle. Die Zahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf insgesamt 114.735.

Die Zahl der in Kliniken aufgenommenen Corona-Patienten je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen gab das RKI am Dienstag mit 3,34 an (Montag mit 3,37). Auch diese sogenannte Hospitalisierungsinzidenz schwankt regional stark. In Bremen liegt sie bei 29,99. Alle anderen Bundesländer melden Werte unter 10.

Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie rund 7,6 Millionen nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 12. Januar 2022 um 09:00 Uhr.

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Moderation 12.01.2022 • 11:35 Uhr

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