In Berlin sitzen viele Menschen in einem Park | dpa

Corona-Pandemie Inzidenz sinkt - Sorge wegen Delta-Variante

Stand: 17.06.2021 07:17 Uhr

Die Corona-Fallzahlen in Deutschland sinken weiter: Inzwischen liegt die Inzidenz nur noch bei 11,6. Mit Sorge beobachten Experten jedoch die Ausbreitung der Delta-Variante. Ihr Anteil steigt deutlich.

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen in Deutschland bleibt auf einem niedrigen Niveau: Binnen eines Tages meldeten die Gesundheitsämter dem Robert Koch-Institut (RKI) 1330 Neuinfektionen. Zum Vergleich: Vor einer Woche hatte der Wert bei 3187 gelegen.

Auch die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz sank weiter und liegt nun bei 11,6. Gestern hatte die Inzidenz bei 13,2 gelegen, vor einer Woche bei 19,3. Deutschlandweit wurden den Angaben zufolge binnen 24 Stunden 105 neue Todesfälle verzeichnet.

Delta breitet sich aus

Auch wenn die Zahlen in Deutschland derzeit niedrig sind, verbreitet sich die in Indien entdeckte Corona-Variante Delta. Nach RKI-Angaben hat sich ihr Anteil an den Neuinfektionen binnen einer Woche deutlich gesteigert und liegt nun bei 6,2 Prozent. In der Woche zuvor hatte der Anteil der Delta-Variante an den untersuchten Proben noch bei 3,7 Prozent gelegen. "Man muss auf dem Radar haben, dass sich diese Variante auch durchsetzen kann", warnt der Berliner Physiker Dirk Brockmann vom Institut für Biologie der Humboldt-Universität.

Die derzeit am häufigsten auftretende Mutante bleibt jedoch mit einem Anteil von gut 86 Prozent Alpha (B.1.1.7, entdeckt in Großbritannien). Ihr Anteil sinkt allerdings langsam. Die weiteren besorgniserregenden Varianten Beta und Gamma spielen nach wie vor eine untergeordnete Rolle.

Immunologe: "Wir müssen aufpassen"

Für den Dortmunder Immunologen Carsten Watzl ist die deutliche Zunahme bei der Delta-Variante allein noch kein Indikator für eine drohende vierte Welle. "Wir müssen aber aufpassen, dass die Inzidenzen nicht durch leichtsinnige Öffnungen wieder nach oben gehen", schreibt er auf Twitter.

Watzl schätzt aus kleineren Datenerfassungen, dass der Anteil der Delta-Variante in Deutschland aktuell bereits bei über zehn Prozent liegt. Das sei aber immer noch niedrig - zum Beispiel im Vergleich zu Großbritannien. Dort ließ sich in den vergangenen Wochen beobachten, wie schnell die Delta-Variante die Infektionslage trotz einer weit fortgeschrittenen Impfkampagne verschlechtern kann.

Im April wurden in England die ersten Fälle dieser Mutante nachgewiesen, die zum großen Teil auf Reisende aus Indien zurückgehen soll. Sie kamen an, bevor die britische Regierung Indien auf die sogenannte "rote Liste" mit verpflichtender, zehntägiger Hotel-Quarantäne setzte.

Entwicklung in Großbritannien als Warnung

Anfang Mai, als die britische Gesundheitsbehörde Public Health die Mutante als "besorgniserregende Variante" einstufte, machte Delta bereits rund ein Viertel der Fälle aus. Mitte Mai überholte diese Mutante dann schon die Alpha-Variante. Nur zwei Wochen später gab es fast nur noch Delta-Fälle. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt in Großbritannien derzeit wieder bei rund 70 - vorher rangierte sie wochenlang bei um die 20. Die Inzidenzen legten also rasant zu, obwohl mittlerweile bereits mehr als 57 Prozent der Erwachsenen in Großbritannien vollständig geimpft sind.

Experten halten die Delta-Variante für deutlich gefährlicher und ansteckender als die bisher kursierenden Mutationen. Lediglich Menschen mit zweifacher Impfung seien gut vor ihr geschützt. Bei guter Impfquote bis zum Herbst von über 80 Prozent ist Watzl zuversichtlich, dass Deutschland trotz dann wahrscheinlich dominierender Delta-Variante gut durch den Winter kommt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 17. Juni 2021 um 12:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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bolligru 17.06.2021 • 12:15 Uhr

Neue Virusvarianten

So langsam dürfte es jedem klar sein, daß auch das Coronavirus ständig mutiert und das läßt sich auch mit noch so drastischen Maßnahmen nicht verhindern. Der bereits vor einem Jahr ausgesprochene Rat einiger Fachleute bewahrheitet sich somit: "Das Virus ist in der Welt, wir werden mit dem Virus leben müssen." Es werden auch neue, gefährliche Vieren auftreten. Auch damit muß die Menschheit rechnen. Es stellt sich somit die Frage, wie ein demokratischer Staat darauf reagieren will und kann. Aus meiner Sicht ist eindeutig, daß im Falle einer nationalen Notlage ein Staat reagieren MUSS indem bestimmte Freiheitsrechte eingeschränkt werden. Es bleibt aber die Frage, wann genau eine Notlage von nationaler Tragweite vorliegt. Die Begründung im Falle von Corona war, den Krankenhäusern drohe die Überlastung ("triage"). Ist das jetzt der Fall? Droht eine Überlastung? Liegt eine nationale Notlage vor? Wenn nein, dann müssen ALLE freiheitseinschränkenden Maßnahmen unverzüglich eingestellt werden.