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FAQ

Coronavirus Was gilt für Reiserückkehrer?

Stand: 28.06.2021 17:22 Uhr

Bund und Länder wollen die Einreiseregeln für Urlaubsrückkehrer vorerst offenbar nicht verschärfen. Dabei ist die Sorge vor einer neuen Corona-Welle groß. An welche Vorschriften müssen sich derzeit Reisende halten?

Wie ist die Ausgangssituation?

Zahlreiche Länder haben zuletzt sinkende Neuinfektionsraten registriert - und so pünktlich zur Reisezeit die Corona-Regeln gelockert. Gleichzeitig verzeichnen Staaten wie Israel, Russland oder Portugal einen deutlichen Anstieg der Delta-Varianten-Fälle. Die Sorge vor einer neuen Corona-Welle trotz steigender Impfquote ist groß. Wie aber kann verhindert werden, dass Urlauber nach der Rückreise neue Ausbrüche anfachen? Experten und Politiker haben eine Verschärfung der Einreiseregeln und Kontrollen gefordert. So soll sichergestellt werden, dass sich mit der Delta-Variante das Virus in Deutschland nicht wieder rasant verbreitet. Doch Bund und Ländern einigten sich in einer Schaltkonferenz offenbar nicht auf neue Regeln.

Welche Regeln gelten denn nun für Reiserückkehrer?

Die Regeln für die Einreise unterscheiden sich je nach Land zum Teil erheblich. Die Seite des Robert Koch-Institus führt die Länder in einer regelmäßig aktualisierten Liste auf.

Die Bundesregierung hat die Regelungen in der sogenannten Coronavirus-Einreiseverordnung festgelegt. Dabei werden unter anderem drei wesentliche Kategorien genannt: einfache Risikogebiete, Hochinzidenzgebiete und Virusvariantengebiete. Die Einstufungen nehmen gemeinsam das Gesundheitsministerium, das Auswärtige Amt und das Bundesinnenministerium vor.

Als einfache Risikogebiete gelten die Regionen, in denen ein erhöhtes Risiko für eine Corona-Infektion festgestellt wurde. Dazu gehören zum Beispiel derzeit die Türkei oder einzelne Regionen in Irland, Spanien und Schweden. Anfang des Monats wurden unter anderem Italien von der Risikoliste gestrichen. Das heißt: Wer etwa vom Urlaub aus Österreich oder Italien auf dem Landweg zurückkehrt, muss derzeit keinen negativen Test vorweisen. Ausnahmen sind Flugreisen.

Bei einer besonders hohen Inzidenz wird von einem Hochinzidenzgebiet gesprochen. Derzeit gehören etwa Länder wie Ägypten, Tunesien und die Seychellen dazu. In einem Virusvariantengebiet sind bestimmte Varianten des Coronavirus verbreitet aufgetreten. Zuletzt wurden etwa Portugal und Russland als Virusvariantengebiete eingestuft.

Risikogebiet, Hochinzidenzgebiet, Virusvariantengebiet - wie unterscheiden sich die Regeln?

Einreisende aus einem einfachen Risikogebiet, Varianten- oder Hochinzidenzgebiet müssen ihre Einreise anmelden - etwa auf dem digitalen Einreiseportal www.einreiseanmeldung.de. Zudem gilt eigentlich eine Quarantänepflicht. Das heißt: Nach der Einreise müssen Betroffene auf direktem Weg in ihre Wohnung oder Unterkunft und dürfen keine Besuche empfangen. Allerdings gibt es Ausnahmen bei der Quarantänepflicht. So reicht zum Beispiel bei Einreisenden aus Risikogebieten ein negativer Schnelltest, um die Quarantäne zu vermeiden. Auch mit einem Genesenennachweis oder Impfnachweis ist dies möglich.

Für Hochinzidenzgebiete und Virusvariantengebiete ist ein negatives Testergebnis allein nicht ausreichend. Reisende aus einem Hochinzidenzgebiet - also aus Gebieten mit besonders hohen Fallzahlen - müssen für zehn Tage in Quarantäne. Reisende aus einem Virusvariantengebiet sogar zwei Wochen. Allerdings kann die Quarantäne bei der Einreise aus einem Hochinzidenzgebiet nach fünf Tagen verkürzt werden - mit einem Test. Ausnahmen gibt es mit einem Genesenennachweis oder Impfnachweis. Bei der Einreise aus Virusvariantengebieten gibt es keine Möglichkeit, die Quarantäne vorzeitig zu beenden.

Was gilt bei Flugreisen?

Flugreisende müssen vor dem Abflug auf jeden Fall ein negatives Testergebnis, einen Impfnachweis oder einen Genesenennachweis vorlegen, schreibt das Robert Koch-Institut. Dies gelte unabhängig vom Reiseland - und der Frage, ob es ein Risikogebiet ist oder nicht.

Was fordern Politiker und Experte?

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach schlägt vor, dass sich Urlauber vor der Rückreise und dann noch mal fünf Tage nach der Einreise testen lassen sollen. "Es wäre eine kluge Regelung, wenn man in den fünf Tagen dazwischen für diejenigen, die aus Risikogebieten kommen, sogar Quarantäne vorsehen würde", sagt er.

Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) schlägt vor, dass alle nicht geimpften Reiserückkehrer aus Risikogebieten und Hochinzidenzgebieten grundsätzlich in Quarantäne gehen. Diese solle frühestens nach fünf Tagen bei einem negativen PCR-Test aufgehoben werden dürfen, sagte Tschentscher der "Welt".

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) fordert bessere Kontrollen bei der Einreise. "Es würde schon mal sehr helfen, wenn die gesamten Kontrollpflichten, die es gibt, auch eingehalten werden und dies dann auch überprüft wird", sagte Söder.

Der Städte- und Gemeindebund lehnt strengere Regeln für Reiserückkehrer ab. "Wichtiger als eine Anpassung der Einreiseverordnung ist die Kontrolle der bestehenden Regelungen zur Einreiseanmeldung und Quarantäne", sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg der Funke Mediengruppe.

Der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Thomas Bareiß, lehnt Verschärfungen ab. "Es gelten bereits höchste Sicherheitsvorschriften für solche Gebiete, aus denen aufgrund der Delta-Variante eine Gefahr ausgeht. Dabei sollte es bleiben." Bareiß sagte, mit der bundesweiten Einreiseverordnung seien klare und nachvollziehbare Regelungen geschaffen worden. Er sprach sich aber dafür aus, besonders wachsam zu sein. "Das kann auch strengere Kontrollen der geltenden Regelungen umfassen."

Wie hat die Bundesregierung reagiert?

Nach den Beratungen von Bund und Ländern am Montag soll die geltende Einreiseverordnung offenbar nicht kurzfristig geändert werden. Der Bund hatte sich nach dpa-Informationen zunächst offen gezeigt. Allerdings habe letztlich nur Mecklenburg-Vorpommern einen konkreten Vorschlag gemacht. Demnach sollte ab einer Inzidenz von 50 Neuinfektionen wieder eine fünftägige Mindestquarantäne eingeführt werden. Das Freitesten am ersten Tag wäre dann nicht mehr möglich gewesen. Kein anderes Land folgte allerdings dem Vorschlag, meldet die Nachrichtenagentur dpa.

Über dieses Thema berichtete am 28. Juni 2021 NDR Info um 14:00 Uhr und die tagesschau um 16:00 Uhr.