Ein Zettel mit der Aufschrift "Häusliche Quarantäne Bitte Abstand halten!!!" hängt an einer Tür | picture alliance / Jochen Tack

Debatte über Corona-Regeln Was für verkürzte Quarantäne spricht

Stand: 04.01.2022 17:17 Uhr

Eine Verkürzung der Quarantänezeiten ist heute Thema beim Expertengremium der Bundesregierung, am Freitag sollen Bund und Länder darüber entscheiden. Was sind die Argumente dafür - was dagegen. Ein Überblick.

Um was geht es?

Mit dem deutlichen Anstieg der Omikron-Fälle müssen auch immer mehr Menschen in Quarantäne. Experten befürchten, dass es dadurch zu massiven Personalausfällen im Bereich der kritischen Infrastruktur kommt. Besonders bei Krankenhäusern, Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienste, Telekommunikation sowie der Strom- und Wasserversorgung könnte dies Folgen für die Bevölkerung haben.

Im Gespräch sind deshalb kürzere Quarantäne- und Isolierungszeiten - insbesondere für Beschäftigte wichtiger Versorgungsbereiche.

Andere Staaten haben bereits reagiert. In England gilt zum Beispiel seit Ende Dezember eine verkürzte Isolierung für positiv Getestete von zehn auf sieben Tage. Wer am sechsten und am siebten Tag nach einem positiven PCR-Test jeweils ein negatives Resultat bei einem Antigen-Selbsttest erhält, darf die Isolierung beenden.

In den USA wurde die Quarantäne im Dezember verkürzt. Fünf Tage Quarantäne und weitere fünf Tage konsequentes Maskentragen gilt dort für Menschen, die zwar positiv auf das Coronavirus getestet wurden, aber keine Krankheitssymptome entwickelt haben.

Wie sind derzeit die Regeln in Deutschland?

Bei engem Kontakt zu einer positiv auf Corona getesteten Person gilt - laut RKI-Empfehlung - eine zehntägige häusliche Quarantäne. Diese kann mit einem negativen Antigen-Schnelltest auf sieben Tage verkürzt werden, mit einem negativen PCR-Test auf fünf Tage. Ausnahmen gibt es bei vollständig Geimpften und Genesenen. Die Entscheidung über die Quarantäne liegt beim zuständigen Gesundheitsamt.

Anders ist es bei einer sogenannten Isolierung. Wer infiziert ist, soll sich - laut Empfehlung - bisher 14 Tage nach Symptombeginn isolieren. Bei vollständig Geimpften sollen es fünf Tage sein, wenn sie danach symptomfrei und negativ PCR-getestet sind. Das Gesundheitsamt entscheidet auch hier.

Für Omikron-Fälle sind die aber Vorgaben strenger. Nach den aktuellen RKI-Empfehlungen sollen Kontaktpersonen von Omikron-Inifizierten immer in Quarantäne - auch wenn sie geimpft oder genesen sind.

Argumentiert wird von Experten nun auch mit einer möglicherweise kürzeren infektiösen Periode bei Omikron. Noch gibt es dazu aber keine gesicherten Erkenntnisse. "Eine kürzere infektiöse Periode dürfte aber wohl die Regel sein, weil viele bereits eine Grundimmunität haben - entweder durch eine Impfung oder nach einer überstandenen Infektion", sagte etwa Wolfgang Preiser, Professor für Virologie an der Stellenbosch-Universität in Kapstadt zu tagesschau.de.

Wer fordert was?

Mehrere Wissenschaftler befürworten eine Verkürzung der Quarantäne oder Isolierung. Allerdings nur nach einem negativen Test. Der Immunologe Carsten Watzl sprach von fünf bis sieben Tagen, wenn es um die kritische Infrastruktur gehe. Schließlich könnten besonders Menschen mit vollem Impfschutz, die sich infizierten, durch die Immunreaktion das Virus auch schneller und früher bekämpfen, sagte er.

Auch die Deutsche Stiftung Patientenschutz fordert engmaschige Corona-Labortests als Bedingung. Für Krankenhäuser, Pflegeheime und Beschäftigte in der ambulanten Pflege müssten tägliche PCR-Tests angeordnet werden, sagte Vorstand Eugen Brysch.

Der Präsident des Verbands der Leitenden Krankenhausärzte (VLK), Michael Weber, forderte ebenso eine Verkürzung für Menschen, die in wichtigen Versorgungsbereichen arbeiten. "Die Leute werden bald zwingend gebraucht", sagte Weber der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Und auch in der Wirtschaft war in den vergangenen Tagen vor Personamangel gewarnt worden. "Wenn die zu erwartende Omikron-Welle auch nach Deutschland überschwappt, wird das durch einen flächendeckenden Ausfall vieler Beschäftigten schnell zu einer Herausforderung für die Wirtschaft in ihrer ganzen Breite", sagte DIHK-Präsident Peter Adrian.

Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) rief zu schnellen Änderungen bei Quarantäneregeln auf. Bei symptomlosen Infizierten und Kontaktpersonen müsse eine verkürzte Quarantäne möglich sein, wenn der Betrieb der Infrastruktur gefährdet wäre.

Der Berliner Virologe Christian Drosten sagte zuletzt im Deutschlandfunk, er gehe davon aus, dass es bei der Quarantäneregelung künftig Verkürzungen geben könne, auch wenn dann "einige wenige Fälle" übersehen werden könnten. Zudem könnte man mit einer Freitestung Infizierte nach der Selbstisolationszeit durchaus auch nach weniger Tagen als bislang wieder als nicht-infektiös betrachten.

Was sind die Risiken?

Der Frankfurter Virologe Martin Stürmer hat bei tagesschau.de vor Jahreswechsel auch auf die Gefahren hingewiesen. "Das ist ein zweischneidiges Schwert: Verkürzt man die Quarantäne, kann man produktiver sein. Aber man riskiert auch Infektionen, die durch eine längere Isolation verhindert werden könnten. Dieses Risiko muss man genau abwägen."

Der Gesundheitsexperte der Grünen, Janosch Dahmen, äußerte sich ebenso zurückhaltend. "Ich bin bei der Verkürzung der Quarantäne ganz pauschal sehr vorsichtig", sagt Dahmen im ARD-Morgenmagazin. Es sei in Ordnung bei Geimpften, die sich infizierten aber keine Symptome zeigten, die Quarantäne am fünften Tag mit einem negativen PCR-Test zu beenden. Das gelte auch für sehr spezialisierte Beschäftigte mit geringen Kontakten. "Aber die Krankenschwester, die sich um den Herzinfarkt oder Schlaganfall kümmert, aus den Quarantäneregeln auszunehmen, die dann möglicherweise weitere Patienten ansteckt, das öffnet für Omikron zu viele Türen."

Wie geht es weiter?

Gesundheitsminister Karl Lauterbach hat am Wochenende angekündigt, dass es am Freitag beim Bund-Länder-Treffen Beschlüsse zu Quarantänefristen geben kann. Heute berät das Expertengremium der Bundesregierung. Es ist aber unklar, ob es eine Stellungnahme geben wird.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 04. Januar 2022 um 06:25 Uhr.

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KOMMENTARE

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WirSindLegion 05.01.2022 • 00:01 Uhr

@23:35 Uhr von DrBeyer: Lunge ist das Hauptproblem

Bei Delta ist die Lunge das Hauptproblem - was übrigens viele der "Multi" Symptome nach sich zieht. Ohne Lunge kann man nicht leben und auch eher schlecht mit der Hälfte. Mit einer Niere kann man leben (sogar mit einer halben) und zerstörte Geschlechtsorgane ist für die betroffene Hauptgruppe (sorry......) nicht relevant. Mich interessiert nur noch, ob und wie stark Omikron auf die Gefäße geht.