Joshua Kimmich im Trikot der Nationalmannschaft | AP

STIKO-Chef zu Impfstatus "Kimmich-Debatte ist grenzenloser Unfug"

Stand: 26.10.2021 11:43 Uhr

Die Diskussion um den ungeimpften Nationalspieler Kimmich ist "grenzenloser Unfug" - so sieht es der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission, Mertens. Der Sportwissenschaftler Froböse warnt vor Long-Covid bei Leistungssportlern.

Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (STIKO), Thomas Mertens, hält die öffentliche Diskussion um den Impfstatus von Fußball-Nationalspieler Joshua Kimmich für überzogen. "Es ist die persönliche Entscheidung von Kimmich, und die soll es auch bleiben. Die Debatte um Kimmich ist ein grenzenloser Unfug", sagte Mertens der "Bild". Man würde niemals über private medizinische Entscheidungen von Kimmich diskutieren, "wäre er als Fußball-Profi nicht derart exponiert", erklärte der STIKO-Vorsitzende.

Der Bayern-Profi hatte am Samstag eingeräumt, nicht gegen das Coronavirus geimpft zu sein und das mit fehlenden "Langzeitstudien" begründet. Es sei zwar "möglich, dass ich mich in Zukunft impfen lasse", betonte Kimmich, wollte sich aber nicht festlegen, ob oder wann dies passieren könnte.

Wissenschaftler widersprechen

Die Bedenken Kimmichs hatten zahlreiche Wissenschaftler, darunter Mertens oder der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, Carsten Watzl, deutlich entkräftet. In der Wissenschaft sei man sich einig, dass spät auftretende Nebenwirkungen nach einer Impfung "nicht vorkommen, beziehungsweise eine extrem seltene Rarität bei einzelnen Impfstoffen" gewesen seien, so Mertens. Immunologe Watzl sagte: "Dass ich heute geimpft werde und nächstes Jahr eine Nebenwirkung auftritt, das gibt es nicht, hat es noch nie gegeben und wird auch bei der Covid-19-Impfung nicht auftreten."

Die Satirezeitschrift "Der Postillon" hatte in einem nicht ernst gemeinten Beitrag geschrieben, dass Kimmich aus Angst vor Langzeitfolgen nun auch auf Kopfbälle verzichten werde. Im Gegensatz zur Corona-Impfung sind hierzu zahlreiche Studien erschienen, die einen Zusammenhang zwischen häufigen Kopfbällen und schweren Hirnerkrankungen oder neurologischen Erkrankungen wie Demenz nahelegen. Mehrere Mediziner fordern deshalb, das Kopfball-Spiel ganz oder zumindest im Jugendbereich zu verbieten.

Sportwissenschaftler warnt Kimmich

Ingo Froböse, Professor für Prävention und Rehabilitation im Sport an der Deutschen Sporthochschule Köln, warnt vor Langzeitfolgen bei ungeimpften Sportlern durch Long-Covid. Auch Kimmich gehöre zur gefährdeten Gruppe, nach einer möglichen Corona-Infektion möglicherweise an Spätfolgen zu leiden. "Das Risiko, das er hier eingeht, ist ziemlich groß. Die großen Probleme bei den nichtgeimpften Sportlern ergeben sich durch Long-Covid", sagte Froböse im ARD-Morgenmagazin.

Long-Covid sei eine Langzeitfolge "und was für eine", sagte der Sportwissenschaftler. Diese könne im schlimmsten Fall, wie schon bei anderen Sportlern eingetreten, zum Karriereende führen. An der Sporthochschule in Köln seien mittlerweile viele Sportler in der Betrachtung und Betreuung, "die langwierige Folgen haben, dadurch, dass sie nicht geimpft" seien, sagte Froböse.

Die Argumentation von Kimmich könne er nicht ganz nachvollziehen: "Falsch macht er, dass er einen falschen Blick auf die Impfung wirft." Es gebe natürlich Nebenwirkungen, "aber das sind immer nur akute Reaktionen durch die Impfung", sagte Froböse.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 26. Oktober 2021 um 06:00 Uhr in den Nachrichten.