Joshua Kimmich | dpa

Impfungen gegen Coronavirus Gegenwind für Kimmichs Impfskepsis

Stand: 25.10.2021 12:25 Uhr

Fußball-Profi Kimmich wartet mit einer Corona-Impfung ab, aus Sorge vor möglichen Langzeitfolgen. Experten versuchen, Bedenken solcher Art auszuräumen: Nebenwirkungen seien eine Frage von Wochen - und nicht von Jahren.

In der Debatte um Corona-Impfungen ist am Wochenende der Fußball-Nationalspieler Joshua Kimmich in den öffentlichen Fokus geraten. Er räumte ein, mit einer Impfung noch abwarten zu wollen. Nun stellen sich vor allem Mediziner möglichen Bedenken gegen eine Impfung entgegen.

Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (STIKO), Thomas Mertens, betonte im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa, dass es für jedes Vakzin, dass zur Anwendung innerhalb der Bevölkerung freigegeben werde, nicht nur Zulassungsstudien gebe, sondern auch begleitende Studien. Diese sollten genau untersuchen, ob es durch einen Impfstoff zu schwerwiegenden Nebenwirkungen kommen könne.

"Dass es bei der Anwendung eines Impfstoffes über knapp ein Jahr keine Zehnjahres-Beobachtungsstudien geben kann, ist klar", räumte Mertens mit Blick auf die Wirkstoffe gegen Covid-19 ein. Doch das sei bei jedem anderen Vakzin und neuem Medikament genauso. In der Wissenschaft sei man sich einig, dass spät auftretende Nebenwirkungen nach einer Impfung "nicht vorkommen, beziehungsweise eine extrem seltene Rarität" gewesen seien.

Und die begleitenden Studien zu den auf den Markt gebrachten Corona-Vakzinen hätten gezeigt, "dass es nur zu einigen Nebenwirkungen gekommen ist, die alle recht kurze Zeit nach der Impfung aufgetreten sind".

"Nebenwirkungen treten direkt nach der Impfung auf"

Ähnlich äußerte sich der Immunologe Carsten Watzl im ARD-Morgenmagazin. Er sprach von einem "Missverständnis", das nach wie vor in den Köpfen vieler Menschen "herumgeistere":

Sprich: Ich lasse mich jetzt impfen und habe vielleicht nächstes Jahr irgendwelche schweren Nebenwirkungen. Das gibt es so nicht. Die Nebenwirkungen der Impfung treten immer direkt nach der Impfung auf, innerhalb von wenigen Wochen.

Der Vorteil sei, dass weltweit bereits viele Menschen gegen Covid-19 geimpft worden seien. So kenne die Wissenschaft und Medizin die Nebenwirkungen und Langzeitfolgen inzwischen, etwa die Sinusvenenthrombosen, Myokarditis oder allergische Reaktionen. Dem stellte Watzl den hohen Schutz vor einer schweren Erkrankung durch den Erreger dank einer Impfung entgegen.

Kimmich: "Man sollte Entscheidung respektieren"

Kimmich hatte seinen Entschluss, sich vorerst nicht impfen lassen zu wollen, mit Bedenken zu fehlenden Langzeitstudien über die möglichen Folgen einer Impfung begründet. In einem Interview mit dem Fernsehsender Sky distanzierte sich der Spieler des FC Bayern von Gruppen der "Corona-Leugner oder Impfgegner". Aber es gebe eben auch Menschen, die aus verschiedenen Gründen Bedenken hätten. "Auch das sollte man respektieren, vor allem, so lange man sich an die Maßnahmen hält." Er finde es schade, dass es bei der Thematik "nur noch geimpft oder nicht geimpft" gebe.

Für seine Wahl, mit dem Impfen noch abzuwarten, erhielt Kimmich Zuspruch aus der AfD. Fraktionschefin Alice Weidel bekräftigte, dass die Entscheidung des Nationalspielers respektiert werden müsse. "Dass Herr Kimmich nun laufend genötigt wird, sich für seine persönliche Entscheidung zu rechtfertigen, ist übergriffig und offenbart eine bedenkliche Ausbreitung von konformistischem Bevormundungs-Denken", kritisierte Weidel.

Keine Impfpflicht für Fußball-Profis

Direkte berufliche Konsequenzen hat seine Entscheidung für Kimmich nicht. Weder bei den deutschen Vereinen noch bei FIFA und UEFA besteht eine Impfpflicht. Allerdings empfehlen die DFL und der FC Bayern offiziell, sich impfen zu lassen.

Auch die in Fußballstadien geltenden Corona-Auflagen, nach denen sich die Besucher richten müssen, gelten nicht für die Spieler der Mannschaften. Das Schutzkonzept der DFL für Angestellte und Clubs ist unabhängig vom Hygieneschutzkonzept der Stadienbetreiber für die Zuschauer. Es liegt in der Verantwortung der Vereine, das DFL-Konzept in Zusammenarbeit mit zuständigen Behörden umzusetzen.

Nicht geimpfte Fußball-Profis müssen sich zwei wöchentlichen PCR-Tests oder Fremd-Antigentests an allen Trainings-, Spiel- und Reisetagen unterziehen. Im Falle einer Infektion müssten sie grundsätzlich länger in Quarantäne, was den Mannschaftserfolg beeinflussen kann.

Auch der scheidende DFL-Geschäftsführer Christian Seifert wies darauf hin, dass die Entscheidung der Spieler über eine Impfung in gewisser Hinsicht auch eine berufliche sei. "Auf der einen Seite kann jeder für sich entscheiden, auf der anderen Seite hat man aber auch eine professionelle Verantwortung sich und seinem Körper gegenüber. Man verdient halt mit seinem Körper Geld - und sogar ziemlich viel", so Seifert.

Der langjährige Vorstandschef des FC Bayern München, Karl-Heinz Rummenigge, wies im Gespräch mit dem TV-Sender Bild auf Kimmichs öffentliche Position hin: "Als Vorbild, aber auch als Fakt wäre es besser, er wäre geimpft."

DFL spricht von 94-prozentiger Impfquote

Wie viele der Spieler in deutschen Clubs geimpft sind, ist unklar. Offizielle Zahlen müssen die Vereine nicht herausgeben. DFL-Geschäftsführer Seifert sprach von einer Impfquote von insgesamt 94 Prozent in sämtlichen Teams.

Damit würde die Quote im deutschen Fußball deutlich höher liegen als in anderen Sportarten. Die ATP etwa spricht von 65 Prozent der männlichen Tennis-Profis, die sich gegen Covid-19 haben impfen lassen. Doch auch hier gibt es Skepsis gegenüber Corona-Vakzinen. So hatte der österreichische Tennisspieler Dominic Thiem eingeräumt, noch nicht geimpft zu sein. Er wolle abwarten, ob in naher Zukunft auch ein Totimpfstoff zur Verfügung stehe. Derzeit werden gegen Covid-19 genbasierte mRNA-Impfstoffe verabreicht.

Über dieses Thema berichtete am 25. Oktober 2021 Das Erste um 06:08 Uhr im ARD-Morgenmagazin und MDR Aktuell um 07:05 Uhr.