Ältere Menschen warten in einem Impfzentrum in Köln. |

Kapazitäten in Impfzentren Stau auf der Impfstraße?

Stand: 24.02.2021 14:42 Uhr

Die Impfzentren in Deutschland sind derzeit nicht ausgelastet. Das liegt am fehlenden Impfstoff. Ende März könnte sich das ändern. Aber sind die Impfzentren darauf vorbereitet?

Von David Zajonz, WDR

Innerhalb weniger Wochen wurden Ende vergangenen Jahres Impfzentren aus dem Boden gestampft. Seitdem laufen sie auf Sparflamme, weil nicht genügend Impfstoff da ist. In den kommenden Wochen sind aber große Lieferungen angekündigt: Für die Impfzentren kommt es dann zur Belastungsprobe. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat das bereits angedeutet. Mit Blick auf den Zeitraum Ende März und April sagte sie im ZDF: "Da werden wir Mühe haben, alles zu verimpfen."

David Zajonz

Impfzentren noch nicht ausgelastet

Droht Deutschland nach der Impfflaute der vergangenen zwei Monate bald also der Impfstau, weil die Kapazitäten nicht reichen? "Ausschließen kann man in diesen Zeiten grundsätzlich nichts", sagt Tobias Krebber, Leiter des Impfzentrums Wuppertal. Ähnlich äußert sich eine Sprecherin der Stadt Essen. Dort sind derzeit nur sechs der zwölf Impfstraßen geöffnet.

Weiteres Personal eingeplant

Pro Tag werden in Essen rund 900 Personen geimpft. Das ist gerade einmal ein Viertel von dem, was das Zentrum eigentlich leisten könnte. Dennoch laufen die Vorbereitungen für die kommenden Wochen, weiteres Personal wird eingeplant. Im Fall größerer Lieferungen könne das Impfzentrum "quasi über Nacht" auf 18 Impfstraßen erweitert werden, sagt die Sprecherin.

Große Lieferungen bis Ende März

Aber auch mit ausgeweiteten Kapazitäten werden die Impfzentren die Herausforderung nicht alleine bewältigen können. Deshalb werden die Rufe lauter, die Hausarztpraxen schon bald in die Impfungen einzubinden. Der Impfstoff von AstraZeneca gilt dafür als besonders gut geeignet, weil für das Präparat keine aufwändige Kühlung notwendig ist.

Größere Lieferungen von AstraZeneca stehen bevor: Allein zwischen dem 18. März und dem 1. April sollen nach Angaben des Bundesgesundheitsministerium mehr als zwei Millionen frische Dosen des Impfstoffs in Deutschland ankommen.

Hinzu kommen von Mitte bis Ende März etwa drei Millionen neue Dosen des Impfstoffs von BioNTech/Pfizer. Arztpraxen sollen helfen. Tobias Krebber vom Wuppertaler Impfzentrum fordert, dass die Hausarztpraxen "so schnell wie möglich" einbezogen werden, "spätestens für die Zweitimpfungen von AstraZeneca".

Wann genau es soweit sein wird, ist noch offen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn spricht zurzeit noch recht vage vom zweiten Quartal. Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, warnt, die Impfungen drohten "schon bald in einem gigantischen Stau" steckenzubleiben.

"Mit einer gewissen Trägheit"

Der Verband will die Hausärzte mit diesem Argument zeitnah einbinden. 50.000 der bundesweit rund 75.000 Arztpraxen stünden potenziell dafür bereit, so der Verband. Damit könnten etwa eine Million Menschen pro Tag in den Praxen geimpft werden.

Schon jetzt agierten die Impfzentren aufgrund ihrer Größe "mit einer gewissen Trägheit", sagt Gassen: "Wir glauben, dass das in den Praxen organisatorisch schneller geht."

Wie verlässlich sind die Lieferzusagen?

Erschwert wird die Planung insgesamt dadurch, dass unklar ist, welche zusätzlichen Impfstoffe wann zugelassen werden. Außerdem sind die Lieferzusagen der Hersteller nicht immer verlässlich.

Aktuell deutet sich an, dass AstraZeneca deutlich hinter seinen Zusagen für das zweite Quartal zurückbleiben könnte. Die Impfzentren und Arztpraxen müssen aber schon jetzt so planen als würde tatsächlich die größtmögliche Menge an Impfstoff geliefert werden. Andernfalls droht die Impfung vor Ort zum neuen Flaschenhals in der Impfstrategie zu werden.

Dieser Beitrag lief am 25. Februar 2021 um 07:06 und 07:37 Uhr auf WDR 5.