Senioren und Pflegdienstmitarbeiterinnen warten im Impfzentrum in den Messehallen auf ihre Impfung | dpa

Coronavirus in Deutschland Wo es beim Impfen in den Ländern hakt

Stand: 12.01.2021 05:01 Uhr

Zu wenig Impfdosen, Probleme bei der Terminvergabe, lange Wartezeiten: Gut zwei Wochen nach dem Impfstart ruckelt es noch immer. Woran es liegt - und wie Bundesländer darauf reagieren. Fünf Beispiele.

Thüringen

Wer sich in Thüringen impfen lassen will, benötigte bisher Geduld und Nerven. Ein Hacker-Angriff legte gleich zu Beginn das Thüringer Online-Impfportal lahm, bei dem sich Thüringer neben der telefonischen Hotline Impftermine holen können. Die Termine mehrerer 100 Menschen verfielen daraufhin.

Doch auch telefonisch lief bisher nicht alles rund. Die Hotline war einen Tag wegen eines Stromausfalls nicht erreichbar. Dadurch konnten kaum Impftermine vereinbart werden. Allgemein beklagen viele Thüringer, dass sie lange Wartezeiten in Kauf nehmen müssen.

Die Thüringer Impfstrategie sieht vor, dass zunächst in Pflegeheimen und Krankenhäusern geimpft wird. Der meiste Impfstoff geht dorthin. Erst im zweiten Schritt werden die Thüringer in 30 Impfzentren versorgt. Das ist auch der Grund, weshalb die Zentren erst am kommenden Mittwoch öffnen - und dann erst die Hälfte aller Einrichtungen. Die übrigen Zentren öffnen im Februar. Einige Impfzentren sind nicht barrierefrei. Bei der Terminvergabe ist im Impfportal gekennzeichnet, welche frei zugänglich sind und welche nicht.

Die 94-Jahre alte Martha Nadolph (l) erhält im Seniorenpark Am Birkenwäldchen von Doktor Juliane Mühlberg zum Impfstart in Thüringen die erste Corona-Impfung. | dpa

Sie war die erste Thüringerin: Die 94 Jahre alte Martha Nadolph wurde am 27. Dezember geimpft. Nicht immer lief es in dem Bundesland so reibungslos. Bild: dpa

In die Kritik geriet Thüringen auch wegen der bundesweit niedrigsten Impfquote auf die Einwohnerzahl gerechnet. Mantrahaft betont Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) seitdem, dass der Freistaat kein Impfproblem habe, sondern ein Meldeproblem. Krankenhäuser übermittelten nur verzögert Daten zu Impfungen. Das verzerre die Statistik. Der Grund sei, dass es momentan noch keine Schnittstelle zwischen Kliniken und dem Robert Koch-Institut gebe.

Ein weiteres Problem war - zumindest zu Beginn - die verhaltene Impfbereitschaft in den Krankenhäusern. Ministerpräsident Ramelow beklagte, dass sich nur ein Drittel der Klinik-Beschäftigten impfen lassen wolle. Eine Umfrage unter den Krankenhäusern ergab tatsächlich, dass die Bereitschaft in einigen Einrichtungen zunächst verhalten ausfiel. Mittlerweile hat sich die Situation aber verbessert.

Die Thüringer Pannenserie bringt die rot-rot-grüne Landesregierung in die Defensive. Opposition und einige Landräte stellen der Ramelow-Regierung und vor allem Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) ein schlechtes Zeugnis aus. Selbst der Koalitionspartner SPD forderte eine Überarbeitung der Impfstrategie: Zum Schutz der Gesamtbevölkerung müsse der Großteil des Impfstoffs an die Impfstellen gehen und dürfe nicht erstrangig an Pflegeheime und Krankenhäuser verteilt werden.

Von Sascha Richter, MDR

Hamburg

Auch in der Hansestadt ruckelt es. Das zeigte sich erst am Montag wieder: Das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) musste vorübergehend das Impfen von Beschäftigten stoppen. Bereits zugesagte Termine wurden kurzfristig abgesagt. Grund ist nach Angaben des Klinikums, dass das UKE keine neue Lieferung mit Corona-Impfstoff bekommt. Das UKE kritisiert die Sozialbehörde. "Wir haben kein Verständnis dafür, dass der bereits fest zugesagte neue Impfstoff kurzfristig doch nicht geliefert wird", schreibt das UKE in einem Rundbrief an seine Beschäftigten.

Der Sprecher der Hamburger Sozialbehörde, Martin Helfrich, bestreitet das erst gar nicht. "Es hakt natürlich an der Impfstoffmenge." Man sei gezwungen zu priorisieren. Auch, weil die Ministerpräsidenten gemeinsam mit der Bundeskanzlerin vorgegeben haben, dass bis Mitte Februar alle Alten- und Pflegeheime "durchgeimpft" werden müssen. Für Hamburg heißt das 30.000 Bewohner und Beschäftigte in insgesamt 150 Einrichtungen. Ein Kraftakt für die mobilen Teams, die quasi von Zimmer zu Zimmer gehen müssen. Die Behörde will jetzt "das Tempo nochmal erhöhen".

Gleichzeitig sorgt die Strategie dafür, dass es im zentralen Impfzentrum in den Messehallen vergleichsweise langsam vorangeht. Seit dem 5. Januar werden hier 500 bis 600 Menschen pro Tag geimpft. Möglich wären 7000. Eine Covid-19-Impfung haben bisher laut Robert Koch-Institut 12.695 Hamburgerinnen und Hamburger erhalten.

Die Stadt drängt deshalb auf mehr Impfstoff. Man versorge nicht nur die rund 1,8 Millionen Hamburger, hatte Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher gemahnt, sondern sei medizinisch für die gesamte Metropolregion mit deutlich mehr Menschen Anlaufpunkt.

Doch die Zahlen verheißen noch keinen Durchbruch: In diesem Monat sollen noch einmal rund 14.000 Dosen des BioNTech-Impfstoffs geliefert werden. Auch der Hersteller Moderna wird wohl noch im Januar mit der Auslieferung an die Elbe beginnen - zunächst allerdings in sehr kleinen Stückzahlen.

Von Marcel Müller, NDR

Saarland

Mittlerweile wurden laut RKI rund 9000 Menschen im Saarland geimpft, gut 800 weitere kommen täglich dazu. Reibungslos verlief das Impfen aber bisher noch nicht.

Die ersten mobilen Impfteams sind seit dem 27. Dezember in den Alten- und Pflegeheimen im Saarland im Einsatz. Einen Tag später öffneten auch die drei Impfzentren des Landes. Dort können pro Tag 4000 Menschen geimpft werden - theoretisch. Tatsächlich erhielten in den ersten Tagen jeweils nur 400 Menschen eine Impfung.

Residenzleiter Thorsten Sprengart (r) empfängt zwei Mitarbeiter des Impfteams mit dem Impfstoff am Eingang der Senioren-Residenz Losheim am See in Saarland. | dpa

Impfstoff für die Senioren-Residenz Losheim am See: Am 27. Dezember haben auch im Saarland die Impfungen begonnen, einen Tag später öffneten die drei Impfzentren. Bild: dpa

Probleme gab es bei der Vergabe der Termine. Seit Heiligabend können sich über 80-Jährige, Pflegekräfte und medizinisches Personal für einen Impftermin anmelden. Die Telefon-Hotline ist allerdings schnell überlastet. Zudem musste ein Anmeldeportal im Internet kurz nach Freischaltung wieder offline genommen werden - es war ebenfalls überlastet. Viele Impfwillige wissen nicht, ob ihre Anmeldung funktioniert hat. Das führte dazu, dass Menschen vor den Impfzentren wieder abgewiesen werden.

Beim Gesundheitsministerium gingen daraufhin massenhaft Beschwerden ein. Menschen beklagten sich über eine Terminvergabe nach dem Windhundprinzip - wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Das Ministerium reagierte, indem es unter anderem am 10. Januar eine Warteliste einführte. Um allen berechtigten Bürgern die gleiche Chance auf eine baldige Impfung zu geben, hat der Zeitpunkt des Eintrags keinen Einfluss mehr auf die Reihenfolge der Terminvergabe.

Von Emil Mura, SR

Bayern

In Bayern haben bis zum 10. Januar rund 124.000 Menschen die erste von zwei Impfungen mit dem BioNTech-Impfstoff erhalten. Unter ihnen sind rund 40.500 Beschäftigte in Altenheimen und Impfzentren sowie rund 19.200 Klinikbeschäftigte, so ein Sprecher des bayerischen Gesundheitsministeriums. Zweitimpfungen gab es demnach noch nicht.

Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks verteilen eine Lieferung mit Impfstoff-Fläschchen. | dpa

Heikler Transport zum Impfauftakt am 26. Dezember in Bayern: Der Impfstoff muss gekühlt werden. Nicht überall gelang dies so gut. Bild: dpa

Bayern erhielt bisher knapp 322.000 BioNTech-Impfdosen. Für Dienstag wird die erste Lieferung des inzwischen auch zugelassenen Moderna-Impfstoffs erwartet. Wie viele Impfdosen künftig insgesamt wöchentlich geliefert werden sollen, lässt das Ministerium offen.

Aber auch in Bayern gab es Kritik am Impfstart. So wurde beim Impfstoff-Transport für kurze Wege auch auf Kühlboxen für den Camping-Bedarf gesetzt. Anfangs wurden dabei Hunderte Impfdosen wohl falsch gekühlt und dadurch unbrauchbar. Das Ministerium wies den Spott über die Kühlboxen zurück - diese hätten "nach allen vorliegenden Erkenntnissen einwandfrei funktioniert".

Der Arzt Klaus Weiner applaudiert der Leiterin des Seniorenzentrums Albrecht Dürer in Bamberg, Christine Lechner (l), zur Impfung gegen das Coronavirus. | dpa

Bild: dpa

Seit Montag kann man sich in Bayern über ein Online-Portal für eine Corona-Impfung registrieren - und zusätzlich zu den 99 Impfzentren soll es demnächst sogenannte Impfbusse geben.

Von Maximilian Heim, BR

Nordrhein-Westfalen

Vielen ging der Anfang beim Impfen in NRW zu langsam: zu wenig Impfdosen, mangelnde Impfbereitschaft bei den Pflegekräften und Impfzentren, die für viele zu spät öffneten. Inzwischen hat das Land nachgebessert.

Nach der ersten Woche waren rund 80.000 Menschen geimpft, nach der zweiten Woche sind es laut Landesgesundheitsministerium rund 160.000 (Stand 11. Januar). Das entspricht ungefähr der Menge der verfügbaren Dosen, die für zwei Impfungen notwendig sind. Damit erreicht das Bundesland laut Robert Koch-Institut eine Impfquote von 6,4 Impfungen pro 1000 Einwohner und liegt damit im bundesweiten Mittelfeld. Bis 21. Februar sollen statt der bisher geplanten 920.000 jetzt insgesamt 1,3 Millionen Impfdosen des Herstellers BioNTech/Pfizer in NRW ankommen. So kann es künftig  schneller vorangehen.

Eine 92-jährige Pflegeheimbewohnerin des Seniorenzentrums Riehl wird als erste Kölnerin gegen das Coronavirus geimpft. | dpa

Eine 92-jährige Pflegeheimbewohnerin des Seniorenzentrums Riehl wurde am 27.12. als erste Kölnerin gegen das Coronavirus geimpft. Auch in Nordrhein-Westfalen gab es zu Beginn Kritik am schleppenden Start - inzwischen wurde nachgebessert. Bild: dpa

Noch warten viele Über-80-Jährige auf ihren Impftermin. Aber zunächst sollen ab spätestens 18. Januar die Bediensteten in Krankenhäusern eine Impfung bekommen, wenn sie nah an Covid-19-Patienten arbeiten. Anfang Februar öffnen die 53 Impfzentren - für viele viel zu spät. Etwa eine Million Menschen über 80 leben in Nordrhein-Westfalen, die in den folgenden zehn Wochen eine Impfung bekommen sollen, so das Gesundheitsministerium.

Wer nicht mobil genug ist, um in ein Zentrum zu kommen, sondern nur zu Hause geimpft werden kann, muss noch auf die Zulassung des Impfstoffs von AstraZeneca warten. Denn dieses Vakzin ist weniger empfindlich, weil es nicht bei tiefen Minusgraden transportiert werden muss. In NRW sollen 14 Millionen Impfdosen davon ankommen. Die Zulassung wird für Ende Januar erwartet.

Anmerkung: Anders als ursprünglich berichtet, wird die Öffnung der Impfzentren in NRW doch nicht auf den 25. Januar vorgezogen. Dies Stelle wurde korrigiert.

Von Ingrid Bertram, WDR

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 04. Januar 2021 um 22:45 Uhr.