Dr. Wolfgang Ritter mit einem Patienten in der Arztpraxis. | BR
Reportage

Coronavirus Impfen beim Arzt des Vertrauens

Stand: 31.03.2021 17:30 Uhr

Mit Hilfe der Hausärzte soll die Corona-Impfkampagne nach Ostern Fahrt aufnehmen. In Bayern hat man den Start vorgezogen - und die ersten Erfahrungen gemacht. Ein Arztbesuch.

Von Mathias Flasskamp, BR

Wolfgang Ritter läuft ruhelos durch die Gemeinschaftspraxis in München-Sendling: Es ist ein wichtiger Tag für ihn. Die ersten Corona-Impfdosen wurden angeliefert, die ersten Patienten sind zum Impftermin einbestellt.

Später hat sich außerdem der bayerische Gesundheitsminister angekündigt, um den Impfstart bei den bayerischen Hausärzten zu würdigen. Für die Patienten hat Ritter noch frische Blumen besorgt. Ein großer, apricotfarbener Strauß schmückt den Tisch im Wartezimmer. So weit, so schön, sagt der Hausarzt und nickt zustimmend.

In einem mit Vorhängeschloss gesicherten Kühlschrank warten zwei Fläschchen AstraZeneca-Impfstoff auf ihren Einsatz. Sie stammen aus der bayerischen Notfallreserve. Gut 30.000 Dosen wurden an die Hausärzte im Freistaat abgegeben, um den Impfstart vorziehen zu können.

Start der Impfungen bei Hausärzten

Rund 1600 bayerische Hausärzte haben mit den Corona-Impfungen begonnen. Nach Ostern wird das Programm auf 8500 Hausarztpraxen in Bayern ausgeweitet. Auch die anderen Bundesländer starten nach den Feiertagen mit ihrem Impfprogramm bei Hausärzten.

Die Wochenration einer Praxis

Der Allgemeinmediziner reicht das rare Vakzin an Daniela Engelhardt, seine medizinische Fachangestellte, weiter. Die zieht aus den beiden Fläschchen insgesamt 20 Spritzen auf. Die gesamte Wochenration der Praxis. Bis Ende April wird sich daran nicht viel ändern. Dann erst werden die Liefermengen steigen.

Darauf hofft jedenfalls auch Ritter: "Wir könnten viel mehr impfen, bis zu 100 Patienten pro Tag allein in unserer Praxis." Aber das heute sei immerhin ein Anfang, meint der Hausarzt.

Dabei lächelt er zuversichtlich. Dann überprüft er noch einmal den Impfraum: aufgezogene Spritzen, Desinfektionsspray, ein Infoblatt für die Patienten, alles liegt bereit. Eine gewisse Nervosität zeigt sich an den vielen Kontrollvorgängen. Der Grund dafür liegt im Impfstoff mit dem angekratzten Image. Das viele Hin und Her rund um das AstraZeneca-Vakzin könnte bei den Patienten Verunsicherungen auslösen. Aber der Hausarzt ist auf Diskussionen vorbereitet.

Die medizinische Fachangestellte Engelhardt in der Arztpraxis. | BR

Medizinische Fachangestellte Engelhardt: 30.000 Impfdosen für Bayerns Ärzte Bild: BR

"Dann mach' ma des"

Bruno Klostereit, ein stämmiger Mann mit weißem Haarkranz, ist der erste Geimpfte an diesem Tag. Der ehemalige Kranführer ist 83 Jahre alt und hat offenbar keine großen Bedenken. "Wenn Sie sagen, Herr Doktor, dass die Impfung gut für mich ist, dann mach' ma des," kürzt er das Informationsgespräch resolut ab.

Ritter desinfiziert die anvisierte Einstichstelle am Oberarm mit dem Spray. Dann ein Piekser - Klostereit steckt ihn offenbar problemlos weg: "Als ob nix gewesen wär," bestätigt der 83-Jährige und grinst dabei von einem Ohr zum anderen. Jetzt freue er sich auf einen Sommer mit etwas mehr Freiheiten, wolle aber trotzdem auch weiterhin vorsichtig sein und Maske tragen.

Klostereit folgen noch weitere 19 Patienten mit Impfterminen. Mit der Impfung bei den Hausärzten komme das bayerische Impfprogramm jetzt so richtig in Fahrt, wird der Bayerische Gesundheitsminister, Klaus Holetschek, später nach seinem Besuch in der Hausarztpraxis erklären.

Ritter ist erleichtert, dass sich ein großer Vorteil bei der ersten Impfung des Tages bereits ausgezahlt hat: das über Jahre aufgebaute Vertrauen von einem Patienten zu seinem Hausarzt.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 31. März 2021 um 06:11 Uhr.