Klonschaf Dolly | picture-alliance / dpa/dpaweb

25 Jahre Klonschaf Was von der Sensation "Dolly" bleibt

Stand: 05.07.2021 06:27 Uhr

Vor 25 Jahren wurde Klonschaf "Dolly" geboren. Heute ist die Klontechnik eine wichtige Anwendung in Tierzucht und medizinischer Forschung.

Von Doris Tromballa, BR

Es war eine Sensation, als Schaf "Dolly" am 5. Juli 1996 in einem Stall in Schottland geboren wurde: das erste aus einer reifen Zelle geklonte Säugetier. Ein halbes Jahr später ging die Nachricht von "Dolly" um die Welt. Das Erbmaterial für das Schaf stammte aus den Euterzellen eines erwachsenen Tieres. Daraus erzeugten die Wissenschaftler des Roslin-Instituts in Schottland eine Zellkultur, die sich im Labor immer weiter vermehrte. Dann wurde ein Zellkern aus der Zellkultur in die Eizelle gespritzt.

"Kerntransfer" heißt die Technik, umgangssprachlich: Klonen. Denn so entstehen Lebewesen, die genetisch identisch sind mit einem erwachsenen oder - wie bei Dolly - bereits verstorbenen Tier. 277 Spenderzellen waren für das Experiment verwendet worden, 29 Embryonen entwickelten sich - einer überlebte: Dolly, eine genetische Kopie eines Lebewesens, was auf natürlichem Weg nie entstanden wäre. Genau genommen hatte sie nämlich drei Mütter: von einer stammte die Eizelle, von der anderen das Erbmaterial, und die dritte war die Leihmutter, in der der Embryo heranreifte.

Angst vor geklonten Menschen

Die erfolgreich angewendete Klontechnik sorgte weltweit für Aufsehen und erregte Diskussionen. Gibt es bald die ersten geklonten Menschen? Zwei Reproduktionsmediziner in Italien und den USA nahmen Klonaufträge kinderloser Paare entgegen, während andere vor der neuen Methode Angst schürten: Menschen als Ersatzteillager oder Kopien von Adolf Hitler.

Eine religiöse Sekte aus den USA, die Raelianer, behauptete 2002, einen Menschen geklont zu haben. Doch nichts davon stimmte oder ist eingetreten. Dennoch, Heiner Niemann, ehemaliger Leiter des Friedrich-Loeffler-Institus für Tiergesundheit meint, die erfolgreiche Anwendung der Klontechnik sei ein echter Sprung in der Wissenschaft gewesen. "Ich würde sogar sagen, damals ist ein Dogma in der Biologie gefallen." Denn die Forscher haben den biologischen Altersprozess umgedreht: Aus einer reifen Zelle wurde wieder ein Embryo. Das hatte man vorher für unmöglich gehalten.

Prof. Eckhard Wolf | BR

Molekularbiologe Eckhard Wolf: Das therapeutische Klonen bleibt schwierig. Bild: BR

Klontechnik heute - Nutztiere und Haustiere

Bis heute wurden Affen, Katzen, Hunde, Pferde, Esel, Kaninchen, Schafe, Schweine, Kühe, Ratten und Mäuse geklont. Die daraus entstehenden genetisch identischen Tiere haben eine Bedeutung in der Tierzucht und Wissenschaft. So können geklonte Nachkommen teurer Hochleistungsbullen beliebig viel Sperma liefern, während der ursprüngliche Bulle längst nicht mehr lebt.

Das Klonen von Haustieren brachte nicht den gewünschten Erfolg, denn die Katzenklone sahen ganz anders aus als das ursprüngliche Haustier. Heute kennt man den Grund dafür: Die Musterung des Fells der Katzen entsteht bei der Embryonalentwicklung. Dabei spielen Zufälle eine größere Rolle als die Genetik.

Klontechnik als Chance für die Medizin

Weiterhin bedeutsam ist die Klontechnik heute in der Medizin: Am Genzentrum der Ludwig-Maximilians-Universität München entstand 1998 das Klonkalb "Uschi", heute klont Molekularbiologe Eckhard Wolf beispielsweise Schweine. An den Tieren soll beobachtet werden, wie sich chronische Erkrankungen wie Diabetes entwickeln und helfen, die gängigen Therapien zu verbessern. Eine weitere Anwendung ist die Xenotransplantation, die Übertragung tierischer Zellen, Gewebe oder Organe auf den Menschen. Geklonte tierische Zellen sollen so verändert werden, dass sie vom menschlichen Immunsystem nicht mehr als fremd erkannt werden.

Es könnten Organe entstehen, die vielleicht irgendwann in Patienten transplantiert werden und menschliches Leben retten sollen. Vor allem beim Herz sieht der Biologe gute Chancen, dass eine Übertragung bald möglich ist.

Das therapeutische Klonen, also das Gewinnen embryonaler Stammzellen ist schwierig geblieben: Stammzellen haben ein Potenzial zur Tumorbildung, das unterbunden werden muss. Sie wären deshalb interessant, weil man aus ihnen verschiedene Gewebe züchten kann, wie Herzmuskelgewebe oder Nervenzellen. Da die geklonten Stammzellen genetisch mit dem Spenderorganismus sind, wäre eine immunologische Abwehrreaktion weniger wahrscheinlich.

"Dolly" steht heute im Museum

Das Klonschaf "Dolly" steht heute ausgestopft im Schottischen National-Museum. Das Schaf litt unter Arthritis und starb mit sechs Jahren an einer Lungenkrankheit, die aber nicht mit ihrer "Klonvergangenheit" in Verbindung gebracht wurde. Selbst brachte "Dolly" sechs Lämmer zur Welt - gezeugt auf natürliche Weise.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. Juli 2021 um 16:30 Uhr.