Eine Schaufensterpuppe mit einer FFP2-Maske. | Bildquelle: REUTERS

Vorstoß Bayerns FFP2-Maskenpflicht in der Kritik

Stand: 13.01.2021 13:56 Uhr

Ab Montag müssen die Menschen in Bayern in bestimmten Situationen eine FFP2-Maske tragen. Die Linke sieht vor allem arme Menschen belastet, Wissenschaftler warnen vor einem falschen Sicherheitsgefühl.

Wer ab dem kommenden Montag in Bayern einkaufen oder den öffentlichen Nahverkehr nutzen möchte, braucht sie: die FFP2-Maske. So hat es die bayerische Landesregierung beschlossen. Die bislang ergriffenen Maßnahmen zeigten noch nicht den erhofften Rückgang der Infektionszahlen, rechtfertigte Markus Söder die neue Regelung.

Unter Politikern und Wissenschaftlern ist die Verpflichtung allerdings umstritten. Die Linken-Vorsitzende Katja Kipping sieht durch die Vorschrift vor allem arme Menschen schwer belastet. "Eine FFP2-Pflicht, ohne Maske zur Verfügung zu stellen, bedeutet in der Praxis: Arme Menschen werden vollständig vom öffentlichen Leben ausgeschlossen", sagte sie der Nachrichtenagentur AFP.

Zwar sind die Masken inzwischen leicht erhältlich, sie können allerdings nicht gewaschen werden, was eine Wiederverwendung erschwert. Wer etwa regelmäßig mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit fährt, muss sich daher vergleichsweise viele der relativ teuren Masken beschaffen.

Linkspartei und VDK fordern Corona-Zuschlag

"Die zusätzlichen Kosten für sichere Masken sind ein Grund, warum wir Linke von der Regierung fordern, endlich einen Corona-Zuschlag von mindestens 100 Euro auf alle Sozialleistungen zu zahlen", sagte Kipping. FFP2-Masken müssten allen zur Verfügung stehen. Zugleich müsse Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz "endlich ein verbindlicher Teil der Lockdown-Vorschriften werden".

Auch der Sozialverband VdK fordert einen pauschalen Corona-Mehrbedarf von 100 Euro monatlich für Menschen, die auf Grundsicherung angewiesen sind. Nur so könnten die Kosten für solche Zusatzausgaben wie FFP2-Masken im Pandemiealltag bewältigt werden.

"Eine FFP2-Maskenpflicht benachteiligt eindeutig arme Menschen", sagte Verbandspräsidentin Verena Bentele dem "RedaktionsNetzwerk Deutschland". "Anstatt sie mit Vorschriften zu gängeln, die sie nicht alleine stemmen können, benötigen sie Unterstützung."

Andere Bundesländer halten sich zurück

Andere Bundesländer wollen sich der bayrischen Regelung bislang nicht anschließen. Auch Norbert Röttgen, einer der Kandidaten für den CDU-Parteivorsitz, hält eine bundesweite Pflicht zum Tragen von FFP2-Masken im Einzelhandel und Nahverkehr für verfrüht.

Man müsse den Menschen erst erklären, warum FFP2-Masken wirksamer seien und wo der Unterschied zum normalen Mund-Nase-Schutz liege, sagte er den Sendern RTL und ntv. Er sei dafür, dass man vor allem die Bevölkerung mitnehme und "dass wir ihr nicht unterstellen, dass die Bevölkerung das nicht einsieht, und darum kommen Pflichten, Kontrolle und Zwang".

"Es braucht Anleitungen zur richigen Nutzung"

Mehrere deutsche Wissenschaftler halten die Pflicht zum Tragen von FFP2-Masken jedoch grundsätzlich für sinnvoll. Der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit sagte, es müssten aber zwingend Angebote damit verbunden sein: zum einen der kostenlose Zugang zu solchen medizinischen Masken, zum anderen Anleitungen zur richtigen Benutzung. Ohne derartige Angebote sehe er die Regelung kritisch, sagte der Virologe vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin der Nachrichtenagentur dpa.

Trage man eine FFP2-Maske korrekt, sei es für einen selbst weniger riskant, wenn andere Menschen im Raum nur einen Schal oder einen falsch angelegten Mund-Nasen-Schutz trügen, betonte Schmidt-Chanasit. Kaum beurteilen lasse sich allerdings, wie viel weniger Infektionen es etwa in einem Bus geben würde, trügen die Menschen darin alle korrekt angelegte FFP2-Masken anstelle korrekt angelegter einfacher Einwegmasken.

Nachweislich besserer Eigenschutz als einfache Masken

Auch Gérard Krause vom Helmholtz Zentrum für Infektionsforschung (HZI) erklärte, FFP2-Masken böten einen nachweislich besseren Eigenschutz als die einfache chirurgische Mund-Nasen-Bedeckung. Zudem scheine die Bandbreite bei der Qualität einfacher Mund-Nasen-Bedeckungen sehr variabel zu sein - und die Art, diese zu tragen, oft nicht adäquat. "Bei FFP2-Masken scheinen diese beiden Schwierigkeiten nicht so ausgeprägt, so dass auch deswegen eine bessere Wirksamkeit zu erwarten ist."

"Im schlimmsten Fall kann es die Lage verschlechtern"

Skeptisch äußerte sich der Leiter des Bereichs Krankenhaushygiene am Universitätsklinikum Hamburg, Johannes Knobloch. Er glaube nicht, dass das Tragen einer FFP2-Maske einen großen Unterschied mache. "Im schlimmsten Fall kann sich die Lage sogar verschlechtern, weil sich die Leute geschützter fühlen und weniger vorsichtig sind."

Es bedürfe bei einer FFP2-Maske großer Expertise, sie komme aus dem Arbeitsschutz und sei nicht für Laien gedacht. "Wenn sie nicht absolut dicht aufgesetzt wird, wirkt sie nicht besser als eine einfache Einwegmaske", so Knobloch.

Bartwuchs und FFP2 funktionieren nicht

Der Atemwiderstand sei bei den dichteren FFP2-Masken größer als bei den einfachen Kunststoff- oder selbstgenähten Stoffmasken. "Durch eine Stoffmaske atme ich immer zumindest zum Teil hindurch", sagte Knobloch. "Aber wenn bei einer FFP2-Maske irgendwo am Gesicht eine kleine Lücke bleibt, geht fast alle Luft dort hindurch - und mit ihr das Virus."

Unklar sei vielen Menschen auch, dass sich Bartträger eine FFP2-Maske nicht dicht aufsetzen können, sagte Knobloch. "Sie ist bei Männern nur mit glattrasierter Haut zu tragen." Schon beginnender Bartwuchs könne ein Problem darstellen, weil sich ein Abstand zwischen Haut und Maske bilde, durch den Luft ungefiltert ein- und ausströme. "Bei einer FFP2-Pflicht dürften Bartträger in Läden und öffentlichen Verkehrsmitteln also eigentlich nicht zugelassen werden." Die Maßnahme sei vielleicht gut gemeint, letztlich helfe aber nur eines wirklich gut: zu Hause bleiben.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell Hörfunk am 13. Januar 2021 um 15:32 Uhr.

Darstellung: