Passanten gehen zum Eingang eines Impfzentrums. | dpa

Kampf gegen Corona-Pandemie Mehr als 50 Prozent komplett geimpft

Stand: 28.07.2021 16:59 Uhr

Mehr als die Hälfte der Deutschen sind laut Gesundheitsminister Spahn vollständig gegen das Coronavirus geimpft. Die Impfbereitschaft sinkt allerdings. Einige Bevölkerungsgruppen stehen besonders im Fokus.

Mehr als die Hälfte der Menschen in Deutschland hat bisher den vollständigen Impfschutz gegen das Coronavirus. 50,2 Prozent der Bürgerinnen und Bürger hätten den vollen Schutz, teilte Gesundheitsminister Jens Spahn auf Twitter mit. Zudem sind demnach 61,1 Prozent mindestens einmal geimpft.

Während bei den Spitzenreitern Bremen und Saarland bereits 70,1 beziehungsweise 66,9 Prozent der Bevölkerung mindestens einmal gegen das Coronavirus geimpft sind, sind es in Thüringen 55,3 Prozent und beim Schlusslicht Sachsen lediglich 51,8 Prozent.

Bund und Länder beraten über Impffortschritt

Zwar ist inzwischen genügend Impfstoff vorhanden, doch die Zahl der täglichen Impfungen sinkt, obwohl die Priorisierung nach Risikogruppen angesichts ausreichender Impfstofflieferungen inzwischen aufgegeben wurde. Auch darüber wollen die Ministerpräsidenten mit Kanzlerin Merkel bereits am 10. August bei einem vorgezogenen Treffen beraten.

Die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer nannte als Themen außerdem die steigenden Infektionszahlen sowie den Umgang mit Reiserückkehrern. Sie betonte zugleich: "Alles was vorher schon geklärt werden kann, wird selbstverständlich geklärt."

Widmann-Mauz will besseres mehrsprachiges Angebot

Um einen Teil derjenigen zu überzeugen, die sich bislang nicht impfen lassen wollen, schlägt Integrationsstaatsministerin Annette Widmann-Mauz ein verbessertes mehrsprachiges Impfangebot in den Kommunen vor.

"Jeder Vierte hat in Deutschland eine Einwanderungsgeschichte", sagte die CDU-Politikerin der "Rheinischen Post". "Die meisten erreichen wir über deutschsprachige Medien, aber für Menschen, deren Deutschkenntnisse gering sind, brauchen wir andere Kanäle." Es gebe gute Beispiele in den Kommunen - "von Corona-Lotsen, die vor Ort aufklären über Info-Busse und Lautsprecherwagen bis hin zu mobilen Impfstationen".

Bund und Länder würden zwar bisher schon Menschen mit Sprachbarrieren in bis zu 23 Sprachen mit Informationsangeboten aufklären. Doch alle Initiativen reichten bisher noch nicht aus, um die Impfbereitschaft bei Migranten ausreichend zu steigern.

Mehr Einsatz in sozialen Brennpunkten gefordert

Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, sprach sich für eine erhebliche Ausweitung der Informationskampagnen in sozialen Brennpunkten aus. "Gerade um sozial schwächere Gruppen zu erreichen, müssen wir direkt vor Ort - in den sozialen Brennpunkten - präsent sein", sagte er der "Rheinischen Post". Es reiche dabei nicht, "buntes Informationsmaterial" zu verteilen. "Wir brauchen mehr niederschwellige, wohnortnahe Impfangebote wie zum Beispiel mit Impfmobilen in den Kiezen", sagte Reinhardt. Auch sollten "Sportvereine, Kulturvereine und die unterschiedlichen Glaubenseinrichtungen" für die Impfkampagne ins Boot geholt werden. 

Seiner Überzeugung nach sind die meisten Ungeimpften keine radikalen Impfgegner. "Viele haben sich bislang mit dem Thema noch nicht ernsthaft auseinander gesetzt oder sie schieben diese Entscheidung vor sich her", sagte Reinhardt. "Da hilft nur konsequente Aufklärung."

TV-Spots zur besten Sendezeit und verständlich aufbereitete Informationsmaterialien in den sozialen Medien könnten ebenfalls helfen, die Impfbereitschaft in allen Bevölkerungsgruppen zu steigern. "Wir dürfen nichts unversucht lassen, die Menschen zur Impfung zu motivieren", mahnte Reinhardt.

"Mit dem Impfstoff in die Wohnviertel gehen"

Ähnlich argumentiert der Paritätische Wohlfahrtsverband. "Man kann nicht mehr in den Praxen oder Impfzentren darauf warten, dass die Leute schon kommen werden", sagte Hauptgeschäftsführer Ulrich Schneider den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Man müsse mit dem Impfstoff zu ihnen gehen. "In die Wohnviertel, in die Pfarrgemeinden, in die Moscheegemeinden, in Vereine und Kulturclubs von migrantischen Communities. Überall dorthin, wo die Impfquoten nicht so hoch sind."

"Es geht um Vertrauen und Vorbilder", erklärte Schneider: "Jede Gemeinschaft hat Anführer und Vorbilder, wenn die sagen, ich lasse mich impfen, ich halte es für wichtig, dass wir uns alle impfen lassen, dann kommt man da sehr weit."

Menschen mit geringem Einkommen seien dabei nicht grundsätzlich skeptischer gegenüber der Impfung als andere, sagte Schneider. Sie hätten aber weniger Gelegenheit, sich um entsprechende Termine zu kümmern. Es gebe einen deutlichen Zusammenhang zwischen Homeoffice, Einkommen und der Impfquote, so Schneider: "Wer im Homeoffice ist, hat wesentlich bessere Möglichkeiten, sich um einen Termin zu kümmern und den auch wahrzunehmen." Wer in der Fabrik oder an der Kasse vor Ort sein müsse, könne das nicht mal eben erledigen und müsse im Zweifel einen Urlaubstag nehmen, um sich impfen zu lassen.

Mehr Beratung in den Praxen

Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, sieht die niedergelassenen Ärzte in einer Schlüsselposition, um Skeptiker von einer Impfung zu überzeugen. Diese seien in den Praxen am besten aufgehoben, und die wichtige und häufig aufwendigere Beratung müsse adäquat vergütet werden, sagte Gassen den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Zugleich schränkte er ein: "Grundsätzliche Impfgegner werden wir nicht erreichen."

Damit sich mehr Jugendliche und junge Erwachsene gegen das Coronavirus impfen lassen, plädiert der Parlamentarische Geschäftsführer der Linksfraktion im Bundestag, Jan Korte, für eine Einbeziehung der Clubszene in die Impfkampagne. "Viele Mitarbeiter haben ja schon im letzten Jahr in den Impfzentren gearbeitet, kennen sich bestens aus und so käme man auch hervorragend an die jüngeren Jahrgänge heran", sagte Korte den Funke-Zeitungen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 28. Juli 2021 um 12:00 Uhr und Panorama3 im NDR Fernsehen am 18. Mai 2021 um 21:15 Uhr.

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Moderation 28.07.2021 • 16:56 Uhr

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