Impfstoffschränke bei Pfizer in Belgien | via REUTERS

Coronavirus-Impfstoff Krankenhausgesellschaft will Notfallzulassung

Stand: 15.12.2020 09:47 Uhr

Eine schnellere Zulassung des von der EU geprüften Corona-Impfstoffes - das fordert die Deutsche Krankenhausgesellschaft. Auch Gesundheitsminister Spahn will Impfungen noch in diesem Jahr, mahnt aber zur Geduld.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft fordert eine Notfallzulassung für den Impfstoff gegen das Coronavirus. "Ich frage mich, ob wir wirklich bis zum 29. Dezember brauchen, um in Europa eine Zulassung des Impfstoffs zu erreichen. Europa sollte auch versuchen, schon vorher eine Notfallzulassung zu schaffen", sagte der Präsident der Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. "Dann könnten wir noch vor Weihnachten mit mobilen Teams in die Pflegeheime gehen und die Bewohner dort impfen", fügte er hinzu.

Während in den USA und Großbritannien bereits Menschen gegen Covid-19 geimpft werden, wartet Deutschland auf die Zulassung eines Impfstoffs durch die europäische Zulassungsbehörde (EMA). Das Mainzer Pharma-Unternehmen Biontech und sein US-Partner Pfizer hatten dort die Zulassung eines Corona-Impfstoffs beantragt. Spätestens am 29. Dezember soll das Gutachten des Expertenausschusses vorliegen.

Spahn: Ordentliche Zulassung wichtig für Vertrauen

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn bekräftigte im ZDF das Ziel, noch vor Weihnachten zu einer Zulassung des Impfstoffes zu kommen - "und dass wir dann auch noch in diesem Jahr beginnen können zu impfen, auch hier in Deutschland".

Zugleich betonte der CDU-Politiker, dass dies am Ende eine Entscheidung der EMA sei, und sprach sich erneut gegen eine Notfallzulassung aus. Man habe sich von Anfang an für eine ordentliche Zulassung auf europäischer Ebene entschieden. Das sei wichtig für das Vertrauen in die Impfungen.

Impfung von 60 Prozent der Bevölkerung bis Sommer 2021

Auf die Frage, wann 60 Prozent der Bevölkerung geimpft sein könnten, sagte Spahn, im Sommer würden eine solch großen Zahl an Impfdosen vorhanden sei, dass weite Teile der Bevölkerung geimpft werden könnten. Laut Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist eine Durchimpfungsrate von 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung für eine wirkungsvolle Bekämpfung der Pandemie nötig.

Nach Angaben Spahns ist für das erste Quartal mit zwölf bis 13 Millionen Impfdosen zu rechnen. Wenn es eine zusätzliche Zulassung von Astra Zeneca oder Johnson & Johnson in diesem ersten Quartal gäbe, "hätten wir auch zusätzliche Impfdosen verfügbar", fügte er hinzu. "Das ist durchaus realistisch, aber eben auch noch nicht sicher."

Keine Nachteile durch Notfallzulassung in USA

Er könne jedenfalls versichern, dass Deutschland durch die Notfallzulassung des Impfstoffes in den USA keine Nachteile haben werde, sagte Spahn weiter. "Wir haben Verträge als Europäische Union, Großbritannien hat Verträge, die Vereinigten Staaten haben Verträge - und jeder hat sich eben fürs erste Quartal in diesen Verträgen auch entsprechende Mengen gesichert."

Dass in den USA, in Kanada und in Großbritannien schon mit dem in Deutschland entwickelten Impfstoff geimpft werden darf, hierzulande aber noch nicht, stieß zuletzt auf Kritik. "Es kann nicht sein, dass ein in Deutschland entwickelter Impfstoff erst im Januar zugelassen und verimpft werden kann", sagte etwa die gesundheitspolitische Sprecherin der FDP im Bundestag, Christine Aschenberg-Dugnus.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 15. Dezember 2020 um 04:41 Uhr.

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KOMMENTARE

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DrBeyer 15.12.2020 • 12:45 Uhr

@Giselbert 12:18

Wo ist das Problem? Selbst 4 Mio. Impfdosen bekommen wir so schnell doch gar nicht verabreicht! Was sollte es uns also bringen, wenn wir schon 30 Mio. Impfdosen hätten, für die die Bundesrepublik dann monatelang die Kühlkosten, die bei -70°C erheblich sind, zu bezahlen hätte.