Ampullen mit den Impfstoffen der Hersteller Moderna und Biontech. | picture alliance/dpa

Niedersachsen und Brandenburg Länder beklagen Lieferengpässe bei Impfstoff

Stand: 26.11.2021 19:21 Uhr

Gesundheitsminister Spahn hat wiederholt versichert, dass in Deutschland genügend Impfstoff zur Verfügung stehe. Nun melden Brandenburg und Niedersachsen, dass sie weniger Impfdosen bekommen, als zugesagt worden sei.

Niedersachsen und Brandenburg haben überraschende Lieferengpässe bei Corona-Impfstoffen gemeldet. Nach Angaben von Hausärzten und Impfteams seien die von ihnen bestellten und vom Bundesgesundheitsministerium zugesagten Impfstoffmengen für die kommende Woche "nicht in vollem Umfang lieferbar", teilte das Gesundheitsministerium in Hannover mit.

Nicht nur BioNTech - auch zu wenig Moderna

Die Meldungen kämen aus allen Landesteilen und gingen nach Schilderungen der Zuständigen vor Ort über die jüngst verkündete Deckelung beim BioNTech-Impfstoff hinaus. Auch der Konkurrenzwirkstoff von Moderna sei "offenbar" von den Liefereinschränkungen betroffen, erklärte Niedersachsens Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD) weiter.

Sie forderte den geschäftsführenden Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und sein Ministerium auf, die Auslieferungen der fehlenden Impfdosen zu gewährleisten und zugleich "vollständige Transparenz über die Verfügbarkeit der Impfstoffe und die wöchentlichen Lieferkapazitäten des Bundes" herzustellen. Es drohe ein schwerer Schlag für die Impfkampagne.

"Erhebliche Kürzungen - noch unter Kontingent"

Auch aus Brandenburg kommen ähnliche Berichte, die sich auf Pharmagroßhändler und Impfstellen berufen: Die für die laufende Woche anstehenden Impfstofflieferungen des BioNTech-Vakzins seien durch den Bund "erheblich" und "teilweise noch unter die ab der kommenden Woche für Ärzte sowie Impfzentren und mobile Impfteams geltenden Kontingentierungen" hinaus gekürzt wurden. Konkrete Informationen über das Ausmaß habe es im Vorfeld nicht gegeben, erklärte das Landesgesundheitsministerium.

Ausfall von Impfterminen droht

Spahn habe den Gesundheitsministerinnen und Gesundheitsministern der Länder im Laufe dieser Woche "wiederholt zugesichert, dass in Deutschland genügend Impfstoff zur Verfügung stehe, erklärte Behrens in Hannover. Allerdings schienen die bisher veröffentlichten Lieferlisten des Bundesgesundheitsministeriums "nicht der Realität zu entsprechen". Der Zustand sei "unhaltbar" und bedrohe die Impfkampagne, die gerade wieder Fahrt aufnehme.

Nach Angaben von Behrens drohen in Niedersachsen ab Montag der Ausfall bereits vereinbarter Impftermine und eine Verschiebung des Starts von 180 zusätzlichen Impfpraxen - sofern die Lieferkürzungen nicht kurzfristig zurückgenommen werden. Das Gesundheitsministerium in Potsdam warnte ebenfalls vor möglichen Verschiebungen bei der Öffnung von Impfstellen und Impfterminen infolge von Engpässen.

Keine Vorwarnungen aus dem Ministerium

Das Ministerium kritisierte, aufgrund der fehlenden Vorwarnungen aus dem Bundesgesundheitsministerium sei es unmöglich gewesen, für fehlende BioNTech-Dosen rechtzeitig mehr Ersatzpräparate von Moderna zu bestellen. Die Landesregierung habe nun kurzfristig eine außerordentliche Sonderlieferung von 10.500 Moderna-Flaschen bestellt, die für 120.000 Booster- sowie 48.000 normale Erst- und Zweitimpfungen reichten. Sollte die Lieferung genehmigt werden, dürften sich die Engpässe ab Mitte kommender Woche entspannen.

Gesundheitsministerium: "verspätet bestellt"

Das Bundesgesundheitsministerium schildert die Vorgänge in einer Pressemitteilung anders: Vom Zeitpunkt der Bestellung bis zur Auslieferung würden in der Regel fünf Kalendertage vergehen. Bis Dienstagmittag müssten die Länder, Arztpraxen und weiteren Abnehmer ihre Bestellungen aufgeben - ausgeliefert würde dann ab Montag der darauffolgenden Woche. Dieser Mechanismus sei seit April dieses Jahres bekannt, so das Ministerium.

Trotzdem hätten einige Impfzentren bzw. Praxen in dieser Woche verspätet bestellt. Das Bundesgesundheitsministerium prüfe aktuell gemeinsam mit dem Großhandel, "was von den verspätet eingegangenen Bestellungen noch kurzfristig wie adressiert werden kann".

18 Millionen Impfdosen zur Verfügung

Insgesamt würden aufgrund der pünktlich eingegangenen Bestellungen kommende Woche knapp 11 Millionen Impfdosen für Boosterimpfungen an Arztpraxen und Impfzentren geliefert. Zusammen mit den über sieben Millionen Booster-Dosen, die bereits diese Woche ausgeliefert wurden, stünden also 18 Millionen Impfdosen für Booster-Impfungen zur Verfügung.

Spahn hatte jüngst mit der Ankündigung für Unruhe gesorgt, die Höchst-Abgabemenge für den BioNTech-Impfstoff für Arztpraxen ab der kommenden Woche zu deckeln, weil die zuletzt wieder stark steigende Nachfrage das verfügbare Angebot überschreitet. Der Bund kann demnach in der kommenden Woche drei Millionen Dosen ausliefern, was aber nicht alle Bestellungen abdeckt. Spahn verwies auf den verfügbaren Alternativwirkstoff der Firma Moderna.

Über dieses Thema berichtete NDR1 Niedersachsen am 26. November 2021 um 15:00 Uhr.