Eine Ampulle mit dem Corona-Impfstoff von Moderna | REUTERS

Corona-Pandemie 3,9 Millionen Impfdosen werden vernichtet

Stand: 17.07.2022 09:16 Uhr

Bislang haben sich deutlich weniger Menschen impfen lassen als von der Bundesregierung erhofft. Nun müssen fast vier Millionen Impfdosen vernichtet werden. Die CSU wirft dem Gesundheitsminister Steuerverschwendung vor.

Wegen Überschreitung der Haltbarkeitsfristen muss in Deutschland mehr Corona-Impfstoff vernichtet werden als bisher befürchtet. Zwischen Anfang Dezember 2021 und Ende Juni diesen Jahres sind etwa 3,9 Millionen Corona-Impfdosen verfallen. Das teilte das Bundesgesundheitsministerium auf eine parlamentarische Anfrage des CSU-Bundestagsabgeordneten Stephan Pilsinger mit.

Betroffen war den Angaben zufolge ausschließlich Impfstoff des US-Pharmakonzerns Moderna. Im April war das Gesundheitsministerium laut einem Bericht des Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) noch davon ausgegangen, dass bis Ende Juni drei Millionen Dosen die Vernichtung drohe.

Lauterbach hatte nach Amtsübernahme nachbestellt

Bundesgesundsheitsminister Karl Lauterbach hatte - kurz nach der Übernahme des Amtes von seinem CDU-Vorgänger Jens Spahn - im Dezember vergangenen Jahres 92 Millionen Impfdosen nachgeordert, weil er einen Engpass befürchtete. Der Großteil der Bestellungen war das Präparat von BioNTech und Pfizer, es war aber auch der Impfstoff von Moderna dabei. Der Haushaltsausschuss im Bundestag gab dazu Mittel in Höhe von 2,2 Milliarden Euro frei.

Bereits damals gab es Kritik aus der Opposition an dem Vorgehen des SPD-Politikers. So warf ihm der gesundheitspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Tino Sorge, Alarmismus vor: "Karl Lauterbach ruft Feuer, um dann Feuerwehr zu spielen - obwohl er weiß, dass es gar nicht brennt", schrieb er im Dezember in einem Schreiben an seine Fraktionskollegen. Dies sei "ein durchsichtiges politisches Manöver, um die SPD von der Großen Koalition abzusetzen".

Im Gegensatz dazu hatten Ärztevertreter damals die Nachbestellung Lauterbachs begrüßt. Zudem hatten sich Expertinnen und Experten bereits zuvor dafür ausgesprochen lieber etwas mehr als zu wenig Impfstoff zu bestellen, um für alle Eventualitäten gewappnet zu sein. Und im Verlauf der Impfkampagne gab es auch immer wieder Probleme mit den zugesagten Liefermengen.

CSU: "Steuergeld aus dem Fenster geworfen"

In seiner Antwort auf die parlamentarische Anfrage ließ Gesundheitsstaatssekretär Edgar Franke erkennen, dass die Zahl der verfallenen Dosen sogar noch höher liegen könnte: Die Daten über den Verfall lägen der Regierung nur insoweit vor, wie diese von den Ärzten oder Apotheken an den pharmazeutischen Großhandel gemeldet würden.

Der CSU-Abgeordnete Pilsinger zeigte sich "schockiert", dass erneut mehr Impfstoff als erwartet im Müll lande. "Besonders in Zeiten knapper Kassen und Inflation darf der Staat das Steuergeld der Bürger nicht sinnlos zum Fenster hinauswerfen", sagte er dem RND. Bundesgesundheitsminister Lauterbach sitze auf einem "wachsenden Berg von Impfstoff, der zu verfallen droht".

Kein Bedarf für gespendeten Impfstoff

Insgesamt hatte die Bundesregierung zwischen Anfang Dezember 2021 und Ende Juni diesen Jahres rund 134,3 Millionen Impfdosen bestellt. Allerdings ließen sich deutlich weniger Menschen gegen das Corona impfen, als von der Bundesregierung erhofft.

Dass die Impfdosen nun vernichtet werden müssen und nicht an andere Länder weitergegeben wurden, lag offenbar nicht an mangelndem Willen der Verantwortlichen. Die internationale Impfstoffallianz Gavi hatte erklärt, derzeit keine Spenden mehr anzunehmen, da es keinen Bedarf gebe.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 17. Juli 2022 um 04:25 Uhr.