Social-Media-App Clubhouse auf einem Smartphone | dpa

Neue Plattform Clubhouse Sprechstunde mit Stil

Stand: 23.01.2021 03:30 Uhr

Zivilisierte Debatten, wenige Störer: In der ersten Woche der Audio-Plattform Clubhouse zeigt sich das Netzwerk von seiner besten Seite. Doch das dürfte nicht lange so bleiben.

Von Iris Marx, RBB

Es ist Sonntagmittag als die deutsche Influencerin Caro Daur in ihrem Instagram-Kanal über die neue Plattform spricht. Sie wisse noch nicht, was sie von Clubhouse halten solle, sagt sie. Clubhouse? Bis dahin zumindest in Deutschland noch ein ziemlich unbekanntes Phänomen.

Iris Marx

Das Prinzip ist simpel: In der aus den USA stammenden App Clubhouse können Nutzer in beliebigen Räumen eine Unterhaltung starten, die jeder besuchen kann. Vom "Mittag im Regierungsviertel" bis zu "gemeinsam Zähneputzen" ist den Themen kaum eine Grenze gesetzt.

Auf Tuchfühlung mit Sophia Thomalla

Dabei steckt hinter der Einführung des Portals am vergangenen Wochenende eine sehr choreografierte Marketingstrategie. Mitmachen darf nämlich nicht jeder. Clubhouse setzt auf handverlesene Einladungen. Angeblich, um die App nicht zu überfordern.

Wer eine Einladung bekommt, darf zunächst nur zwei weitere Nutzer einladen. Wer über wen eingeladen wurde, erscheint zudem im Profil jeden Nutzers. So ist erkennbar, wer wen in diesen exklusiven Club geladen hat.

Entsprechend prominent waren die ersten deutschen User. Neben Caro Daur oder Joko Winterscheidt war auch FDP-Chef Christian Lindner schon gleich am Sonntagmittag dabei. Er plauderte ganz entspannt und ungezwungen etwa mit der Journalistin Dunja Hayali.

Der besondere Reiz für alle anderen Nutzer ist, dass man einfach per Handzeichen angeben kann, dass man sich an dem Plausch beteiligen möchte. Eine Art interaktiver Podcast.

Einladungen wurden teuer versteigert

Die anderen Plattformen waren auf einmal voll mit dem Hashtag #Clubhouse. Viele wollten mitmachen. Der in der Fachsprache sogenannte Fear-of-missing-out-Effekt hat seine Wirkung nicht verfehlt. Erste Angebote für Einladungen tauchten auf eBay-Kleinanzeigen auf. Zehn bis 50 Euro wollten sich Nutzer dafür zahlen lassen. Zwar tauchten auch die ersten Warnungen von Datenschützern auf, aber das hielt kaum jemanden ab.

Alle Nutzer geben bereitwillig ihr iPhone-Adressbuch frei, um die App nutzen zu können, die im Moment noch nicht für Android-Geräte zugänglich ist.

Neues Aktionsfeld im Wahlkampf

"Ich kann mir vorstellen, hierüber auch eine Bürgersprechstunde zu veranstalten", sagte die Digitalexpertin der Linksfraktion im Bundestag, Anke Domscheit-Berg, in einem der Chat-Räume zu Beginn der Woche. Und auch vor allem junge Politikerinnen und Politiker hoffen auf eine neue Möglichkeit, um mit Wählerinnen und Wählern in Kontakt zu treten.

Ricarda Lang, stellvertretende Bundesvorsitzende der Grünen sagt mit Blick auf den anstehenden Wahlkampf: "Der klassische Straßenwahlkampf gehört weiterhin dazu, aber gerade solange er pandemiebedingt nur eingeschränkt oder gar nicht möglich ist, ist es umso wichtiger, in sozialen Medien mit Wählerinnen und Wählern in Kontakt zu treten."

Daher teste sie natürlich auch neue Plattformen wie Clubhouse. Hoffnung setzt auch die ehemalige Berliner Juso-Vorsitzende Annika Klose in das Portal, die in Berlin um ein Bundestagsmandat kämpft. Was vor allem in den politischen Diskussionsräumen auffällt: Es sind vorwiegend Politikerinnen und Politiker der FDP, Linke, SPD und Union, die hier mitdiskutieren.

Kein Hass, keine Beleidigungen

Rechtspopulistische Stimmen wie die der AfD finden - anders als auf den bekannten Portalen wie Twitter oder Facebook - kaum statt. Vorfälle von Hass, Beleidigungen oder Gewaltaufrufe, sind anders als aus den USA berichtet, in Deutschland auch noch nicht verstärkt aufgetreten. Doch das dürfte nur eine Frage der Zeit sein. Bereits in der Mitte der Woche geriet eine Clubhouse-Diskussion in helle Aufregung, weil sich eine rechte Bloggerin zugeschaltet hatte.

"Wie solle man mit ihnen umgehen", darüber stritten zahlreiche Journalistinnen und Journalisten bis spät in die Nacht in verschiedenen Räumen. Wenig überraschend: Eine Antwort fanden sie nicht. Doch am Ende stand die Erkenntnis, dass auch Clubhouse nur ein weiteres Soziales Netzwerk ist, in dem man mit den stark steigenden Nutzerzahlen nicht mehr lange unter sich bleiben wird. Schlecht muss das allerdings nicht sein.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 23. Januar 2021 um 11:50 Uhr.